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Sabine Steinbeiß 07.05.2010 08:33 Uhr - Aktualisiert 02.06.2010 13:55 Uhr

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Eine Sinfonie der Rufe und Laute

Schöneiche (moz) Der Gesang beginnt schwatzend, wird allmählich lauter und endet mit klaren, perlenden Tönen. Nach wenigen Sekunden erkennt Rainer Machnik den Vogel: eine Mönchsgrasmücke. „Deren Stimme ist zurzeit sehr intensiv und laut. Sie ist gerade erst aus Afrika zurückgekommen. Durch ihren Gesang grenzt sie ihr Revier- und ihre Brutstätte ab“, erklärt der 72-Jährige. Er ist Mitglied im Naturschutzaktiv Schöneiche bei Berlin (Oder-Spree) und begleitet eine Gruppe Leser der Märkischen Oderzeitung auf ihrer Wanderung. Sein Mitstreiter Werner Gruhn (74) hat unterdessen eine Nachtigall ausgemacht. Erkennbar an einem lauten Gesang mit kräftigem Schlagen und pfeifendem Schluchzen. Aber alles Suchen nützt nichts. Nur ihr Gesang ist zu hören. Sie selbst bleibt trotz intensiver 
Blicke im Verborgenen.

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  Auf den Finger achtgeben: Werner Gruhn, Mitglied im Naturschutzaktiv Schöneiche (Oder-Spree), zeigt ein Loch im Baum. Ein Specht hat sich dort seine Behausung angelegt. © Jörn Tornow

„Eigentlich hätten wir uns schon um 7 Uhr treffen müssen, jedoch wären dann nur wenige gekommen“, mutmaßt Machnik. Aber auch zwei Stunden später gibt es noch viele Vogelstimmen zu hören. Und wie zum Beweis erklingt ein vielstimmiges Konzert. Kundige Ohren erkennen unterschiedliche Arten wie Kleiber, Steinschmätzer und Singdrossel. Feldstecher werden hervorgeholt, Bücher zur Vogelbestimmung stecken griffbereit in den Jackentaschen.

Die beiden Experten können über 
80 Brutvögel aufzählen, die sie bislang in und um Schöneiche gehört und gesehen haben. Da sind auch seltene Exemplare dabei wie Wendehals, Gelbspötter sowie Braun- und Schwarzkelchen. Auch die Feld- und Heidelerchen sind nicht mehr so häufig anzutreffen. „Ich habe seit meiner Kindheit keine mehr gehört“, beklagt sich Brigitta Berger. Sie ist extra mit ihrem Mann Manfred aus Strausberg (Märkisch-Oderland) angereist, um den Vogelstimmen zu lauschen. „Bei uns gibt es leider keine Vogelstimmenwanderung, obwohl es sich rund um den Straussee richtig lohnen würde“, sagt sie. Die Strausbergerin hat aber auch in Schöneiche kein Glück. Trotz intensiven Lauschens: Die Lerchen bleiben an diesem Vormittag stumm.

Dafür fliegt vor der Wanderschar ein junger Falke auf einen Turm. Alle Feldstecher sind auf die Gitterstäbe gerichtet. „Da, da, ich seh’ ihn. Er sitzt da oben“, ruft Nico Strubel aufgeregt. Der Neunjährige ist mit seinen Großeltern aus Woltersdorf bei Berlin (Oder-Spree) gekommen, um an der Wanderung teilzunehmen. Seine kleine Schwester Lisa ist zum ersten Mal dabei. Die Vierjährige will die Hand ihrer Oma gar nicht loslassen, so viele ungewohnte Ein­drücke prasseln auf sie ein.

Nico fachsimpelt unterdessen mit den beiden Wanderführern. Der Neunjährige ist gern in der Natur unterwegs. „Mir gefallen Tiere“, sagt er und fügt schnell hinzu: „Besonders Falken und Bussarde, aber auch Wölfe.“ Werner Gruhn lacht, solche Vierbeiner werde man an diesem Tag wohl nicht zu Gesicht bekommen. Dafür kann der Nachwuchs-Vogelexperte ein Häuschen hoch oben am Turm bewundern. Das haben Mitglieder des Naturschutzaktivs Schöneiche gebaut, und der Betreiber des Turmes hat es aufgehangen. „Wir haben in der Gegend mehrere Häuschen installiert. Alle sind angenommen. Diese Brutplätze sind beliebt“, weiß Werner Gruhn. In seinen Erzählungen wird aber auch die Härte in der Tierwelt deutlich. „Der schwache Nachwuchs der Falken wird einfach untergebuttert. Da findet man beim Saubermachen auch mal zusammengedrückte Kadaver“, erklärt der 74-Jährige.

Beim anschließenden Gang durch den Wald wird die Wandergruppe auf ein klagendes „kliööh“ aufmerksam. Die beiden Vogelexperten spitzen ihre Ohren. „Das wird doch nicht ein Schwarzspecht sein?“, mutmaßt Rainer Machnik. Und siehe da, er hat recht. Ein aufgeregter, schwarzer Vogel umkreist die Gruppe. „Er wird hier in der Nähe sein Nest haben, und wir stören ihn“, weiß der Experte. Leise zieht die Gruppe weiter. Das Klagen verstummt. Mit einem in der Tonhöhe abfallenden, perlenden Gesang werden die Waldbesucher verabschiedet. Ein Rotkehlchen singt zum Abschied 
ein scharfes „tick“.

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Bild-Copyright: MOZ/Sergej Scheibe




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