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Nadja Voigt 27.02.2010 09:31 Uhr - Aktualisiert 05.02.2011 01:22 Uhr

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Geheimnisvolle Fremde

Groß Schönebeck (moz) In freier Wildbahn sind Wölfe hierzulande immer noch selten zu sehen. MOZ-Leser durften sie jetzt im Wildpark Schorfheide aus der Nähe betrachten.

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  Gemeinsam unterwegs: Obwohl Wölfe in der Wildnis auch einzeln anzutreffen sind, leben sie in aller Regel im Rudel. Dort herrscht eine strenge Sozialordnung © Sören Tetzlaff

In Deutschland galten sie als ausgestorben. Erst seit einigen Jahren siedeln wieder Wölfe hierzulande. Einige davon im südlichen Brandenburg. Im Biosphärenreservat Schorfheide Chorin dagegen sind sie schon seit langem heimisch: Im Wildpark Schorfheide leben gleich zwei Rudel der majestätischen Raubtiere.

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Niedlich, weiß und wuschelig - Knut zog im Jahr 2007 die Berliner und später die ganze Republik in seinen Bann.   ©

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Strahlend blauer Himmel, glitzernder Schnee und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen empfangen die Besucher der Anlage in Groß Schönebeck. 20 Leser der Märkischen Oderzeitung aus dem ganzen Verbreitungsgebiet haben sich dort an diesem Sonnabendmittag zur Fütterung der Wölfe eingefunden. Vorbei an den anderen Bewohnern des Wildparks, verschiedenen Schweine- und Pferderassen, Fischottern, Schafen und Mufflons, geht es zur Besucherplattform. Diese liegt oberhalb des etwa ein Hektar großen Geheges einer Wolfsgruppe und bietet eine gute Aussicht auf die Tiere. Zehn männliche und weibliche Exemplare des nächsten Verwandten des Hundes leben dort. In strenger Hierarchie.

„Wölfe haben eine ausgeprägte Mimik und Gestik“, sagt Tierpfleger Benjamin Schütze-Schulze. „Damit drücken sie ihre Stimmung und die Rangfolge aus. Zähnefletschen kann dabei sowohl Angst als auch Überlegenheit demonstrieren, je nachdem, ob die Ohren dabei angelegt sind oder nicht.“ An erster Stelle im Rudel steht, sowohl bei den Weibchen als auch bei den Männchen, das sogenannte Alpha-Tier. Ihm wird das Vorrecht bei der Verteilung der Beute gewährt, während das Omega-Tier in der Rangfolge ganz hinten steht und sich mit dem begnügen muss, was die anderen aus dem Rudel übrig lassen.

„Das Sozialverhalten der Tiere ist sehr komplex“, erklärt der Pfleger. Deutlich sichtbar hat er seinen Schützlingen Rindfleischstücke in den Schnee gelegt. Vorsichtig nähern sich die Wölfe ihrer „Beute“, eines der größten Stücke greift sich das Alpha-Männchen. Das Omega-Tier hingegen zieht sich mit dem, was liegen bleibt, in seine Höhle in der Nähe der Zuschauerplattform zurück.

„Wölfe sind die Könige der Energiesparer“, berichtet Schütze-Schulze. „Die Tiere greifen sich ihre Stücke und legen sich sofort wieder hin, um Energie zu sparen.“ 1,5 bis zwei Kilogramm Fleisch benötigen sie täglich, das der Wildpark in der Winterzeit vor allem durch die umliegenden Förstereien bezieht. Etwa alle drei Tage füttern die Mitarbeiter des Parks die Raubtiere. „Jedoch nicht immer zur gleichen Zeit. In der freien Wildbahn steht die Beute ja auch nicht pünktlich um zwölf Uhr mittags auf der Lichtung“, sagt der Tierpfleger.

Allerdings wüssten seine Schützlinge schon sehr genau, wann sie etwas zu fressen bekommen. „Die Kolkraben, die im Wolfsgehege eine Art Symbiose mit den Raubtieren eingegangen sind, schlagen sofort Alarm, sobald wir uns aus der Küche auf den Weg zum Gehege machen“, erzählt der 24-Jährige schmunzelnd.

Interessiert folgen die Besucher den Ausführungen Schütze-Schulzes, der seit fast zehn Jahren im Wildpark arbeitet und die Wölfe zu seinen Lieblingstieren zählt. Mit Ferngläsern und durch die Objektive ihrer Kameras und Fotoapparate verfolgen die MOZ-Touristen das Geschehen auf der Anlage. Bis auf etwa zehn Meter wagt sich das Alpha-Tier an die Besucherplattform heran. Gut sichtbar sind seine kräftige, hundeähnliche Statur, der breite Brustkorb, das dicke Fell, der buschige Schwanz, die scharfen Zähne und die fein gezeichnete Maske des Tieres. Daran erkennt auch Benjamin Schütze-Schulze seine Tiere und hält sie so auseinander.

Johanna Gertenbach ist begeistert von der wilden Schönheit und der Anziehungskraft der Wölfe. Sie ist mit ihrem Mann aus Vogelsdorf (Märkisch-Oderland) in den Barnim gekommen ist. „Wir hatten immer Hunde und haben uns auch für ihre großen Verwandten und deren ausgeprägtes Rollenverhalten interessiert“, erklärt sie ihr Interesse am Besuch im Wildpark. Gero Braun hingegen nutzt die Gelegenheit, um die Schorfheide zu erkunden. „Außerdem finde ich es faszinierend, dass sich die Tiere ihren ursprünglichen Lebensraum in Brandenburg wieder zurückerobern. Ich wollte mich bei der Führung über die Lebensweise der Wölfe informieren“, sagt der Berliner.

Damit die Wölfe auch die Chance haben, sich den neugierigen Blicken der Besucher zu entziehen und sich gegenseitig aus dem Weg zu gehen, gibt es im Gehegekomplex verschiedene Holzstapel. „Das muss man sich vorstellen wie im Großraumbüro. Dort gibt es ja auch Trennwände, damit man die Kollegen nicht ständig sehen muss“, meinte Benjamin Schütze-Schulze augenzwinkernd. Darüber hinaus gibt es etwa ein Dutzend Höhlen in ein bis fünf Metern Tiefe. „Links von der Besucherplattform, im Kiefernwäldchen, sehen sie die Wohnstube der Alpha-Tiere“, sagt der Wildparkmitarbeiter. Sie zu beobachten, sei in den nächsten Wochen – der Zeit der Fortpflanzung – besonders interessant.

Wildpark Schorfheide

Die Wölfe im Wildpark Schorfheide können auch nachts besucht werden. Für 29 Euro pro Person erwarten die Besucher ein Buffet und im Anschluss eine Fackelwanderung zur Wolfsfütterung mit Vortrag. Die Fütterung der Wölfe findet dann um 21.30 Uhr statt. www.wildpark-schorfheide.de

 

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Bild-Copyright: MOZ/Sergej Scheibe




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