Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Neuer Brandenburger Wolfsmanagementplan

In Brandenburg tritt ein neuer Wolfsmanagementplan in Kraft.
In Brandenburg tritt ein neuer Wolfsmanagementplan in Kraft. © Foto: dapd
dapd / 12.12.2012, 18:33 Uhr - Aktualisiert 12.12.2012, 18:38
Potsdam (dpa) Mensch und Wolf sollen miteinander auskommen: In Brandenburg sollen die Vorbeugung vor Schäden und der Ausgleich für betroffene Nutztierhalter eine größere Rolle spielen. Das sieht der neue Wolfsmanagementplan des Landes vor, der am Mittwoch in Potsdam bei einer Fachtagung mit großer Mehrheit gebilligt wurde. Er gilt bis 2017 und löst eine alte Regelung aus dem Jahr 1994 ab.

Die Naturschutzverbände WWF, IFAW und NABU Brandenburg begrüßten den Beschluss, Kritik kam aus der CDU-Landtagsfraktion. Der neue Plan soll am 10. Januar öffentlich vorgestellt werden. "Wir brauchen noch mehr Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, um Akzeptanz und Verständnis für ein Miteinander von Mensch und Wolf zu erreichen", sagte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Ziel des breiten Dialogs mit fünf Fachveranstaltungen sei gewesen, einen Managementplan zu erarbeiten, der in einem breiten Konsens der rund 80 betroffenen Behörden, Verbänden und Vereinen verabschiedet wird. "Dies war aufgrund teilweise kontroverser Auffassungen von Nutztierhaltern einerseits und Naturschützern andererseits kein leichtes Unterfangen", betonte Tack. So hatten im Vorfeld die Landnutzerverbände und Jäger Obergrenzen für den Bestand und die Ausweisung von Wolfsgebieten gefordert. Da dies die geltenden rechtlichen Bestimmungen verbieten, einigte man sich darauf, in einem separaten Kapitel weitergehende politische Forderungen einzelner Nutzerverbände darzustellen.

In Brandenburg leben nach Schätzungen des Umweltministeriums 75 bis 90 Wölfe. Sie sind durch europäisches und deutsches Recht streng geschützt. Der Wolfsplan regelt zudem das Konfliktmanagement neu. So wird darin auch der Umgang mit sogenannten Problemwölfen abgesteckt. Außerdem sollen eine flächendeckende Beobachtung organisiert und die Öffentlichkeitsarbeit zum Wolf in Brandenburg intensiviert werden. Aus Sicht des agrar- und umweltpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Dieter Dombrowski, wirft der Wolfsmanagementplan der rot-roten Landesregierung nach einem Jahr intensiver Beratungen mehr Fragen auf als er Antworten gibt. "Es gibt kaum praxistaugliche Lösungen, insbesondere für die Brandenburger, die mit den Folgen der Wiederansiedlung des Wolfes leben müssen", kritisierte er. So würden Tierhalter auch künftig keinen vollständigen Ausgleich für Schäden durch Wölfe erhalten.

In der vergangenen Woche hatte sich der Bauernbund Brandenburg, der 350 Familienbetriebe vertritt, aus der Zusammenarbeit beim Wolfsprojekt zurückgezogen. Mit Forderungen nach einem Abschuss des geschützten Tieres sorgte er für Protest bei Naturschutzverbänden. Etwa 150 Jahre nachdem die letzten Wölfe in Brandenburg geschossen wurden, war der Wolf Anfang der 1990er Jahre zurückgekehrt. Die ersten märkischen Welpen kamen nach Ministeriumsangaben im Jahr 2009 bei Welzow (Spree-Neiße) zur Welt. Seither wurden mindestens 44 Welpen in Brandenburg geboren. Aktuell wissen die Behörden von neun Wolfsrudeln, einem Wolfspaar und einem territoriale Einzelwolf in Brandenburg. Hinzu kommen einzelne Wanderwölfe.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Luc 17.12.2012 - 11:52:09

Räumliche Trennung

Viele Menschen wären auch besser räumlich voneinander getrennt, weil sie sich sonst die Köpfe einschlagen. Das geht aufgrund der räumlichen Begrenztheit unseres Planeten aber nicht mehr. Also bleibt nur die Möglichkeit miteinander auszukommen, sowohl mit den Menschen als auch mit den Tieren, die hierher gehören. Wenn Sie eine räumliche Trennung suchen, melden Sie sich doch bei der Nasa für den ersten bemannten Flug zum Mars. Man sucht noch Freiwillige

Leser 82 13.12.2012 - 17:47:30

@ Alle

Welche Wolfsbestand ist realistisch, vorhanden und verträglich für unsere Heimat? Man spricht nur über Wunschgedanken. In Insiderkreisen spricht man nicht von den hier angegebenen Bestand, sondern schon von ca. 200 Tieren. Egal ob bei der Jagd oder beim Biologen spricht man von einem nachhaltigen, gesunden und verträglichen Bestand. Egal bei welcher Wildart. Aber was passiert grad !? Durch ihn sind in den Gebieten Wildarten verschwunden. Er vermehrt sich entsprechend seines Nahrungsangebotes, die Rudel werden größer aber was passiert dann ??? Es sollte alles verträglich und im Rahmen bleiben mit gesunden Menschenverstand geregelt werden. Dazu zählt auch eine Regulierung des Bestandes. Wenn es nicht schon zu spät ist !? Denn sein Wanderverhalten ist nicht mehr so möglich wie früher und dem entsprechen werden sich die Rudel immer dort konzentrieren. Worunter der Wildbestand mit der Zeit leiden wird und was haben wir davon?? Es müssen Lösungen her, für ein Gesundes miteinander. Aber sie fehlen,....

borkenhagen 13.12.2012 - 12:14:05

@ isenhagen

wer hat denn heut noch schafe? ich finde du dramatisierst das ganze ein wenig zu sehr, genau so wie dieser bauernverbandsmensch. hier gibts doch kaum noch menschen zum fressen, geschweige bauern mit tieren auf der weide. also einfach mal die kirche im dorf lassen. wir werden von "kopfkranken osteuropäischen wölfen" bedroht, hilfe!

Radfahrer Sch. 13.12.2012 - 11:14:03

@Oderländer

Das ist mal ein klares Wort. Wenn man die ganze Sache überspitzt, könnte man den sogenannten Naturschützern auch Tierquälerei vorwerfen, denn einen ihm angepassten Lebensraum findet der Wolf oder die Wölfin in Brandenburg wohl kaum, auch nicht auf ehemaligen Truppenübungsplätzen. Da sind die infrastrukturellen Begebenheiten in weiten Teilen Polens oder der Slovakei schon anders. Aber das in die Köpfe derjenigen reinzubekommen, die mit dem Wolf tanzen, ist unmöglich. Viel zu strak ist ihr Egoismus, als dass sie ihre Fehlentscheidungen zugeben würden.

Isenhagen 13.12.2012 - 10:44:13

Schiss hin oder her

@ Borkenhagen ich mag keine kaukasischen Schäferhunde im Vorgarten und ich mag auch nicht mit Wölfen im gleichen Wald sein. Das sicherste Mittel gegen Wölfe ist immer noch ein entprechend großer Abstand. Wenn nicht anders sollte er eben mit dem Gewehr hergestellt werden. Das ist doch auch nicht nur meine Meinung, sondern so haben auch die Wölfe jetzt zweihundert Jahre lang gedacht. Deshalb sind sie ja vernünftiger Weise weggeblieben. Jetzt rückt ihnen auch in Ostpolen und Russland die Zivilisation auf den Pelz, sie bekommen Stress, drehen durch und laufen mit ihrer Kopfkrankheit sogar bis Brandenburg. Und hier gibts einige Leute, die wollen die Tiere mit anderer Leute Schafe füttern. das ist doch keine Lösung, weder für Mensch noch Wolf.

Oderländer 13.12.2012 - 08:02:37

@ Uwe Bräuning

Was soll das für ein Zeichen für die Natur sein? Haben sie sich mal überlegt, wie sich unsere Natur in den letzten 200 Jahren verändert hat? Stark befahrene Autobahnen und Straßen, große Städte, Eisenbahnlinien, riesige Ackerflächen mit Monokulturen, Solarparks und Windkraftanlagen zu Massen um nur einiges zu nennen. Auch das Verhalten der Menschen hat sich geändert, hier meine ich vor allem ihr Freizeitverhalten. Das und vieles mehr bedeutet, der Wolf hat hier nicht mal annähernd die Lebensbediengungen die er mal hatte. Wie soll das auf längere Sicht funktionieren? Ich spreche hier nicht über immer wieder durchziehende Wölfe, die gab es schon immer in Brandenburg. Ich meine hier die gezielte Ansiedelung einer Art in einer für sie eher lebensfeindlichen Umgebung. Welchen Nutzen soll das haben, für Wölfe aber auch für die Bürger? Plattfahren lassen auf brandenburger Straßen als erstrebenswertes Ziel. Langsam kommt mir ein kleiner Teil meiner Mitbürger hier vor wie bockige Kleinkinder: Ich will aber! Aber das geht vorbei, hoffe ich jedenfalls.

Isenhagen 13.12.2012 - 06:23:20

Erfahrungen mit dem Wolf

@Herr Bräuning, Die meisten Brandenburger suchen und brauchen keine Erfahrung mit dem Wolf. Wies auch auch keine Erfahrung mit Löwen, Bären oder sibirischen Tigern brauchen. Wer so etwas sucht soll in die Zoos oder in den Zirkus gehen. Mehr als 1000 Jahre Erfahrung mit dem Wolf hat den Menschen zu der Erkenntnis geführt, dass es besser für beide ist wenn man sich räumlich streng trennt. Heute wollen einige Besserwisser, oft nur vom sicheren Schreibtisch aus diese Erfahrung einfach in die Tonne treten und organisieren sinnlose Spiele mit dem Tier und seiner Ansiedlung im großstadtnahen Raum unter dem Deckmantel Naturschutz.

Leser 12.12.2012 - 20:27:41

Managementplan oder Unverbindlichkeitserklärung?

Der Bauernbund bezeichnete das ganze Verfahren als Farce. Recht hat er. Der Plan liefert Ausreden. Gemanaget wird da nichts. Die Wölfe werden uns die Unzulänglichkeiten dieses Plans vorführen.

Uwe Bräuning 12.12.2012 - 19:27:11

Ein gutes Zeichen für die Natur

Natürlich wird es zunächst mehr Fragen als Antworten geben! Die Zeit und die künftigen Erfahrungen mit dem Wolf, werden automatisch viele heute noch offenen Fragen beantworten. Ich persönlich freue nich über die Rückkehr des Wolfes. Nehmen wir es als ein Zeichen dafür, dass sich die vom Menschen über Gebühr strapazierte Natur erholen kann. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt nicht wieder durch menschliche Dummheit zunichte gemacht wird!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG