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CDU-Fraktion will den Wolf ins Jagdgesetz aufnehmen

Neues Brandenburger Wolfsmanagement sorgt für Streit

Der künftige Umgang mit dem Wolf in Brandenburg bleibt auch nach der Vorstellung eines neuen Managementplans umstritten.
Der künftige Umgang mit dem Wolf in Brandenburg bleibt auch nach der Vorstellung eines neuen Managementplans umstritten. © Foto: dapd
dapd / 10.01.2013, 14:55 Uhr
Potsdam (dapd) Der künftige Umgang mit dem Wolf in Brandenburg bleibt auch nach der Vorstellung eines neuen Managementplans umstritten. Während das von Umweltministerin Anita Tack (Linke) am Donnerstag in Potsdam präsentierte Papier vornehmlich auf Prävention und Aufklärung setzt, gehen die Maßnahmen den Kritikern nicht weit genug. "Wir fordern einen Rechtsanspruch auf unbürokratische finanzielle Entschädigungen für wolfsbedingte Schäden", sagte Referent Matthias Schannwell vom Landesbauernverband. Wenn es gesellschaftlicher Konsens sei, dass der Wolf geschützt werde, müsse die Gesellschaft auch die Kosten für die Schäden übernehmen.

Derzeit leben in Brandenburg bis zu 95 Wölfe in freier Wildbahn. Sie sind Teil einer deutsch-westpolnischen Population, die etwa 400 bis 500 Tiere umfasst. Der Wolf steht europaweit unter strengem Artenschutz und galt in Deutschland lange Zeit als ausgestorben. In den vergangenen Jahren registrierte Brandenburg 83 Schadensfälle in Weideherden, bei denen ein Wolf als Verursacher ermittelt wurde. Insgesamt wurden dabei mehr als 300 Tiere - hauptsächlich Schafe - gerissen. Laut Ministerium beliefen sich die Ausgleichszahlungen des Landes an die betroffenen Halter auf knapp 60.000 Euro.

Schwerpunkt soll auf Prävention liegen

Auch in Zukunft will das Land laut Managementplan Schadensersatz zahlen, sich aber nicht gesetzlich dazu verpflichten. Schwerpunkt solle auf Konfliktvermeidung und Prävention liegen, erklärte Tack. Die Kosten für den Bau von wolfssicheren Zäunen könnten mittels einer EU-Richtlinie zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) bis zu 100 Prozent übernommen werden. In den vergangenen Jahren seien so bereits 380.000 Euro geflossen. Zudem müsse die Aufklärung in der Öffentlichkeit vorangetrieben werden, sagte Tack weiter. "Wir wollen, dass die Mär vom Bösen Wolf ein Ende hat."

Unter anderem soll dafür eine zentrale Wolfsinformationsstelle eingerichtet werden. Für Jäger und Förster wurde bereits eine Broschüre mit Informationen zum Umgang mit den Tieren verfasst. "Wir wollen dauerhaft mit dem Wolf in Brandenburg leben", sagte die Ministerin. Das Land begrüße ausdrücklich die Rückkehr des Wolfes in die Mark.

Erfreut über diese Haltung zeigten sich die Umweltverbände, forderten aber auch eine rasche Umsetzung der Pläne. Unter anderem wurde mit den Naturschützern vereinbart, das sogenannte Monitoring, die Beobachtung der Populationsentwicklung etwa durch Wildkameras, auszubauen.

Opposition geht der Plan nicht weit genug

Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dieter Dombrowski, forderte, die Jäger stärker in dieses Monitoring einzubeziehen. Der Wolf solle in das brandenburgische Jagdrecht aufgenommen und ganzjährig unter Schonzeit gestellt werden, sagte Dombrowksi. Die Jäger würden über die notwendige Ortskenntnis in ihrem Revier und das wildbiologische Wissen verfügen, um ein praxisnahes Wolfsmonitoring zu gewährleisten.

Gregor Beyer, landwirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, bezweifelte, dass der Plan überhaupt eine substanzielle Verbesserung im Zusammenleben von Mensch und Wolf bringen werde. Wer Akzeptanz für Wölfe erreichen wolle, der müsse auch für den Umgang mit "Problemwölfen" konkrete Maßnahmen benennen, sagte Beyer.

Der Managementplan wurde über ein Jahr hinweg in fünf Sitzungen durch zahlreiche Akteure aus Politik, Verbände und Wissenschaft ausgearbeitet. Der Bauernbund Brandenburg war freiwillig aus dem Gremium ausgeschieden, weil er sich nicht mit seiner Forderung nach einer Begrenzung der Wolfspopulation durchsetzen konnte.

Kommentare

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Adina 06.02.2013 - 16:03:38

Entschädigungen...

Abgesehen von der Gefahr für den Menschen, die ja gerne unter den Tisch gekehrt wird, ist in dem Zusammenhang immer von Entschädigungen die Rede, die Tierhalter bekommen, deren Tiere durch Wölfe getötet wurden, und von Fördermitteln für den Bau von wolfssicheren Zäunen. Was dabei leider verschwiegen wird: diese sind nur für Landwirte vorgesehen. Was aber passiert mit den vielen Weidetieren von privaten Haltern? Und wie erklären wir es unseren Kindern, wenn ihr Pony von einem Wolf gerissen wurde? Aus anderen Ländern wissen wir von Wölfen, die nicht nur Schafe töten, sondern auch Rinder und Pferde. Und einen Zaun wirklich wolfssicher zu machen, ist eine sehr aufwendige und kostspielige Sache. Ich persönlich finde es zum K..... wie der Wolf von Leuten, die in der Stadt leben und von Tierhaltung wenig verstehen, verniedlicht wird. Aber klar: er will ja nur spielen!

Jürgen Napieralla 12.01.2013 - 03:43:09

Völlig richtig!

Danke. Völlig richtig, Frau oder Herr? K. BAUMANN, Vorsicht vor dem " Wolf ", JA!, aber wirklich keine " Panikmache ". Jürgen Napieralla

K. Baumann 12.01.2013 - 01:16:57

Nochmal Wolf in Brbg.

Herr/Frau Isenhagen, wenn Sie mehr über das Verhältnis Wolf-Mensch erfahren wollen, dann empfehle ich Ihnen die Veröffentlichung des weltweit bekannten Wildbiologen, Prof. Dr. Christoph Stubbe: „Der Wolf in Russland - historische Entwicklung und Probleme“ in „Beiträge zur Jagd- und Wildforschung“, Bd. 33 (2008), S. 325 ff. Diese Veröffentlichung empfehle ich auch allen, die glauben, dass der Wolf überhaupt keine Gefahr für den Menschen darstellt. Nur, wie schon mal von mir ausgeführt: Panikmache ist hier auch der falsche Weg.

Isenhagen 11.01.2013 - 17:34:54

sie haben völlig Recht

Herr Baumann. So sehe ich das auch. Aber ich folgen nicht, wenn Sie schreiben: "dann geht es eben nicht mehr" kleinere Kinder unbeaufsichtigt im Wald herumtollen zu lassen" Das gerade ist der Grund dafür, dass wir besser ohne Wolf leben. Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich mich in der Nutzung der Natur durch ein Raubtier wie der Wolf eins ist, einschränken lassen soll. Und für den Wolf ist das auch nicht gut. Nur der weiss es nicht besser und wird versuchen sich "durchzubeißen". Wer an vernünftigen Bedingungen für den Wolf interessiert ist, wird ihn nicht in den am dichtesten bewohnten Gebieten Europas ansiedeln. Das ist Tierquälerei.

K. Baumann 11.01.2013 - 17:13:29

Wolf in Brandenburg

Die Diskussion um das Für und Wider einer Wolfseinbürgerung wird weder von den Gegnern noch den Befürwortern immer seriös geführt. Es ist auf der einen Seite völlig unsinnig, eine umfassende Gefahr für Leib und Leben der Brandenburger an die Wand zu malen. Andererseits ist es aber auch nicht seriös zu behaupten, durch den Wolf geht keinerlei Gefahr für den Menschen aus. Er ist und bleibt ein Raubtier, das in besonderen Situationen auch für den Menschen gefährlich werden kann. Das Argument, dass in den letzten 50 Jahren nur 9 Menschen in Westeuropa ums Leben kamen (vergl. Wikipedia) ist dabei auch wenig stichhaltig, da die Verbreitung des Wolfes in Westeuropa in dieser Zeit kaum nennenswert war. Da könnte man genauso gut schlussfolgern, dass der Eisbär oder der Tiger noch ungefährlicher für den Menschen sind als der Wolf. Hier gab es nämlich in Westeuropa in freier Wildbahn überhaupt keine Angriffe auf den Menschen. Not tut hier eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung bis hin zu Verhaltensregeln für Waldgebiete mit einer erkennbaren Wolfspopulation. Dann geht es eben nicht mehr, im Wald den Hund frei herumlaufen zu lassen oder kleinere Kinder unbeaufsichtigt im Wald herumtollen zu lassen. Es ist auch Unsinn zu behaupten, dass der Wolf eine natürliche Scheu vor dem Menschen hat. Wie will man denn erklären, dass in Rumänien die Wölfe Müllkippen, auch bei Anwesenheit von Menschen, besuchen oder in Finnland die Mülltonnen in den Stadträndern durch Wölfe auf Nahrung untersucht werden. Die Scheu des Wolfes vor dem Menschen ist nur dort dauerhaft vorhanden, wo er vermuten muss, dass ihm durch den Menschen Ungemach droht.

g.froehbrodt 10.01.2013 - 16:10:57

Brandenburger

Ich bin gespannt, wie Frau Tack reagiert, wenn nicht nur Schafe oder Wildtiere gerissen werden. Wenn die "Böse Mär" keine mehr ist. Aber als Politikerin ist sie ja auch dann fein raus, nach dem Motto: Was geht mich mein Geschwätz von gestern an. Persönliche Verantwortung? Fehlanzeige!

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