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Gericht stoppt umstrittene Jagd - Abschuss soll Verbesserung des Genpools dienen

Jäger und Naturschützer streiten um Schicksal des schwedischen Wolfs

Jäger und Naturschützer streiten um Schicksal des schwedischen Wolfs
Jäger und Naturschützer streiten um Schicksal des schwedischen Wolfs © Foto: dapd
dapd / 13.02.2013, 22:31 Uhr
Stockholm (dapd) Feuer frei auf Isegrim - in Europa ist das fast ein Kapitalverbrechen. Der Wolf gilt als bedrohte Tierart und steht nach EU-Recht unter strengem Schutz. Die schwedischen Behörden haben trotzdem kürzlich den Tabubruch geprobt, dafür sogar eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof riskiert. Es war dann aber ein Gericht im eigenen Land, das der Wolfshatz schnell ein Ende machte. Vorläufig jedenfalls.

Nicht mehr als 260 Wölfe durchstreifen Schätzungen zufolge derzeit Schwedens Wälder. Genau 16 hat das staatliche Naturschutzamt im vorigen Monat zum Abschuss freigegeben in den vier Regionen Värmland, Örebro, Dalarna und Västmanland. Vom 31. Januar bis zum 17. Februar sollte die Jagdsaison dauern. Das öffentliche Begleitgetöse war von Anfang an gewaltig.

Seit Beginn des Wolfstreibens verging kein Tag, an dem die Medien nicht prominent über erschossene Graupelze, über Jäger und Tierschützer berichteten. Denn auch Isegrims Freunde waren von Anfang an nicht untätig.

Der schwedische Naturschutzverband, der schwedische Raubtierverein und der World Wildlife Fund (WWF) klagten gegen die Abschussorder. In erster Instanz erfolglos. In zweiter Instanz jedoch fand sich ein Richter, der vor knapp einer Woche mit einer einstweiligen Anordnung die Jagd untersagte. Seither sind die Wölfe in Schwedens Wäldern wieder sicher. Bis zur Entscheidung in der Hauptsache zumindest. Und das kann dauern.

Endgültiges Urteil steht aus

"Der Fall wird derzeit zwischen den Streitparteien verhandelt. Mit einem Beschluss kann nicht mehr in dieser Woche gerechnet werden", sagte die Sprecherin des Verwaltungsgerichts, Emma Rydengrenn, nach dem Erlass der einstweiligen Anordnung. Bei den Klägern jedenfalls herrscht Freude. "Ich finde, die Jagdstoppverfügung war ein tapferer Entschluss vom Kammergericht. Es ist ein erstes Anzeichen dafür, dass das EU-Recht und dessen Naturschutzrichtlinien tatsächlich beginnen, sich auch in nationalen Gerichten durchzusetzen", gratuliert Oscar Alarik, Jurist beim schwedischen Naturschutzverband, der Justiz.

Drei Wölfe sollen in der Zeit zwischen Jagdbeginn und einstweiliger Anordnung geschossen worden sein. Nach eigenen Angaben haben die zuständigen Behörden die Jäger umgehend auf den Gerichtsbeschluss aufmerksam gemacht. Die Wolfspirsch sei sofort eingestellt worden. "Es ist ja so, dass die Jagdführer eine spezielle Telefonnummer anrufen müssen, um sich über den Jagdstand zu informieren, bevor es losgeht. Insofern sind die Wölfe jetzt erstmal sicher", glaubt auch der Naturschutz-Anwalt Alarik.

Politische Motive vermutet

Die Verantwortlichen in Stockholm bestreiten unterdessen, dass der Beschluss zur Jagdfreigabe gegen das EU-Recht verstößt. Sie wollen es mit dem Wolf nur gut gemeint haben. Die skandinavischen Rudel litten durch Inzest unter großer genetischer Armut und seien deshalb sehr schwach. "Dadurch, dass wir einige Leittiere durch die Jagd entfernen, schaffen wir die Möglichkeit für neue, genetisch bessere Wölfe, sich zu etablieren", verteidigt Maria Ågren vom Naturschutzamt den staatlichen Beschluss. In jedem Rudel soll demnach lediglich ein Alphatier geschossen werden. Allerdings wurden in Schweden bislang keine genetisch frischeren Alphatiere ausgesetzt, und es gebe auch keine Pläne dazu, kritisierten Tierschützer. Die Behauptung, in Schweden würden Wölfe zum Besten des Rudels geschossen, sei nichts weiter als eine "Mogelpackung für Brüssel".

Die größte Boulevardzeitung "Aftonbladet" warf der schwedischen Umweltministerin Lena Ek vom Bürgerlichen Zentrum vor, mit der Wolfsjagd ländliche Wähler zurückgewinnen zu wollen. Die Umfragewerte ihrer traditionell auf dem Lande starken Partei hatten sich jüngst auf drei Prozent mehr als halbiert. Die Sperrklausel für das Parlament liegt bei vier Prozent.

Gerade auf dem Lande ist die historisch tief sitzende Angst vor den gewöhnlich menschenscheuen Raubtieren noch immer präsent. Wölfe galten einst als Sinnbild des Teufels. Tief im kollektiven Gedächtnis der Schweden verwurzelt ist ein Fall aus dem Jahr 1820. Ein in Gefangenschaft aufgewachsener und dann freigelassener Wolf fraß zwölf Menschen - meist Kinder. Danach blieb es lange ruhig. Die Tötung einer Pflegerin durch Tierparkwölfe im Sommer 2012 heizte die Ängste der Landbevölkerung wieder an.

Kommentare

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Antonietta Tumminello 14.02.2013 - 20:14:49

gegen die Jagd !!!

- Die Jagd schadet dem Gleichgewicht der Natur - Durch die Jagd steigt die Überpopulation der Wildscheine & andere Waldtiere immer weiter: - Familienverbände werden auseinandergerissen, worauf die Wildschweine mit vermehrter Fortpflanzung reagieren - Durch das Ausstreuen von Nahrung werden die Waldtiere angeregt sich noch mehr zu vermehren - Die Bejagung des Fuchses führt zur Flucht und damit zur Ausbreitung von Tollwut - Alle wesentlichen von der Jägerschaft genannten Gründe für die Jagd sind heute wissenschaftlich widerlegt - Der Jagd fallen jährlich zusätzlich ca. 400.000 Katzen und ca. 65.000 Hunde zum Opfer

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