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"Baugebiete quer durch alle Gemeinden"

An seinem Schreibtisch in der Forsthausstraße in Bad Saarow: Amtsdirektor Christian Riecke (47)
An seinem Schreibtisch in der Forsthausstraße in Bad Saarow: Amtsdirektor Christian Riecke (47) © Foto: MOZ/Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 01.02.2017, 07:52 Uhr
(MOZ) Seit zwei Monaten ist Christian Riecke Amtsdirektor des Amtes Scharmützelsee. Bernhard Schwiete sprach mit dem 47-Jährigen über erste Eindrücke, über Vorhaben und darüber, welches Potenzial er für die fünf amtsangehörigen Gemeinden sieht.

Herr Riecke, in vorheriger Funktion waren Sie Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Stadt Potsdam. Inwieweit sind die Aufgaben eines Amtsdirektors eine Umstellung?

Das Themenfeld, für das ich nun zuständig bin, ist weitaus breiter. Neu ist zum Beispiel der Bereich Bau und Liegenschaften. Aber ich habe hier in der Amtsverwaltung in Bad Saarow sehr gute Mitarbeiter, auf die ich mich voll verlassen kann.

Sie wohnen schon lange in Bad Saarow, und bereits vor Amtsantritt haben Sie Sitzungen der Gremien in den Gemeinden besucht. Wie viel Neues mussten Sie trotzdem kennen lernen?

Ich bin noch dabei, mich einzufinden, und meine Aufgaben sind ausgesprochen komplex. Daher ist es für eine erste Bilanz meiner Arbeit hier auch noch zu früh. Als Amtsdirektor erschließen sich viele Dinge anders, als man sie als Bürger wahrnimmt. Aber ich hatte bereits viele gute Gespräche mit meinen Mitarbeitern, mit den Bürgermeistern und mit Gemeindevertretern.

Wie kann eine solche Schere in der Wahrnehmung verkleinert werden?

Wichtig ist der Dialog. Die Bürger müssen mehr einbezogen werden. Dabei sind zum Beispiel die Workshops, die wir in Bad Saarow gestartet haben, ein gutes Mittel. Der erste Termin verlief ausgesprochen positiv. Die Veranstaltung war gut besucht, es gab eine rege Diskussion. Ich kannte Derartiges bereits aus Potsdam, dort war die Resonanz aber längst nicht so gut. Das macht mich sehr optimistisch, dass wir auch zu guten Ergebnissen kommen.

Zum Dialog könnte auch das Internet gehören. Der Web-Aufritt des Amtes gilt als veraltet. Wann wird er erneuert?

Dieses Projekt, das vor Beginn meiner Amtszeit begann, steht kurz vor dem Abschluss. Ich hoffe, im Laufe des Februars ist es soweit. Wir wollen dann unter anderem zeitnäher Informationen präsentieren. Neu wird sein, dass Bebauungspläne dort zugänglich sind. Dadurch wollen wir auch Investoren anlocken.

Noch einmal zum Stichwort Bürger: Hat die steigende Tendenz bei den Einwohnerzahlen angehalten?

Ja, erfreulicherweise. Wir hatten mit Stichtag 31. Dezember im Amt 9553 Einwohner, davon in der Gemeinde Bad Saarow 5489. Beide Zahlen liegen erneut deutlich höher als ein Jahr zuvor.

Welche weitere Entwicklung halten Sie für möglich?

Eine Zahl zu prognostizieren, ist schwierig. Aber ich gehe fest von einem weiteren Anstieg aus. Die Grenze von 10000 Einwohnern im Amt werden wir in naher Zukunft sicherlich überschreiten.

Wie kann die Verwaltung dazu beitragen?

Wir wollen Wohnungsbaugebiete ausweisen, und zwar quer durch alle Gemeinden, denn die bestehenden sind so gut wie voll.

Wo könnten diese sein?

In Bad Saarow befinden wir uns gerade in der Diskussion. Es gibt Gemeinde-Grundstücke, die wir als Bauland ausweisen könnten. In Wendisch Rietz haben wir mehrere neue Baugebiete. Und in Langewahl lässt die Gemeinde dieses Jahr im Ortszentrum neue Wohnungen bauen. Alle Gemeinden sind interessiert, neue Einwohner zu gewinnen.

Tritt der neue Landesentwicklungsplan in Kraft, sind Neubaugebieten künftig Grenzen gesetzt. Welche Konsequenzen befürchten Sie?

Der Plan wäre zweifellos hinderlich. Alle unsere Gemeinden haben ablehnende Stellungnahmen abgegeben. Nun müssen wir das weitere Verfahren abwarten. Ich halte es für denkbar, dass es gegen den Landesentwicklungsplan erneut eine Klage gibt. Ich würde eine solche Klage unterstützen, denn der Plan verstößt gegen die Interessen unserer Gemeinden.

Welche Organisationsform für das Amtsgebiet wünschen Sie sich nach einer anstehenden Kommunalgebietsreform?

Das Amt sollte in der bestehenden Form erhalten bleiben. Wir sind alleine lebensfähig.

Zur positiven Entwicklung trägt auch der Tourismus bei. Welches weitere Potenzial sehen Sie?

Die Nachfrage von Investoren ist vorhanden, und jeder von ihnen macht Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Also gehe ich davon aus, dass auch weitere Standorte für Hotels und Ferienhäuser angenommen werden.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass auch das Parkhotel in Bad Saarow, dessen Baustelle seit knapp einem Jahr ruht, eines Tages existiert?

Der Investor hat zuletzt im Dezember kurz berichtet und bestätigt, dass er weiterhin Interesse hat. Ich gehe daher davon aus, dass das Hotel kommen wird.

Welchen Einfluss kann die Verwaltung da nehmen?

Auf eine Privatinvestition haben wir zunächst keinen Einfluss. Allerdings läuft die Sondernutzungserlaubnis für die Seestraße Ende März aus. Wenn der Investor diese verlängern will, muss er dies begründen und konkrete Pläne vorlegen.

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