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54 Stufen bis zum Glück

Bad Freienwalde (moz) Straßen sind Lebenslinien der Stadt. Ihre Häuser sind voll von Geschichte, ihre Einwohner manchmal langweilig, manchmal skurril. In einer Serie stellt die MOZ die kleinen und großen Wege von Bad Freienwalde vor. Heute: die Fischerstraße.

  © MOZ/Oliver Voigt

Leuchtende Augen bekommt Brunhild Prinz, wenn sie über ihr Leben in der Fischerstraße spricht: „Es ist einfach wunderbar hier“, sagt die ältere Dame, die schon seit 1983 im obersten Stock eines der vielen Neubauten an der Kreuzung zur Grünstraße wohnt. „Abends habe ich einen großartigen Blick über die ganze Stadt, dann ist die Nikolaikirche so wunderschön angestrahlt.“
54 Stufen sind es von der Straße bis hinauf in ihre Wohnung. „Das hält einen älteren Menschen fit“, weiß sie zu berichten. Und wenn sie doch mal ein Wehwehchen hat, ist der Doktor auch nicht weit. „Das Haus steht ja quasi im Stadtzentrum. Arzt, Bahn und Einkaufsmöglichkeiten hat man hier alles direkt um die Ecke.“

Ihr Haus, genau wie die umliegenden Neubaublöcke, wurde Anfang der 1970er Jahre zum ersten Mal bezogen. An vielen ist bis heute nicht viel gemacht worden. Nur diejenigen, die zu den größeren Straßen hin stehen, wurden teilweise saniert. „Dazu muss man wissen, dass das hier sozialer Wohnungsbau ist. Aber alles Wichtige wird gemacht“, sagt Brunhild Prinz.

Die Neubauten, das ist der neue Teil der Fischerstraße. Der ältere, weiter in Richtung Stadtmitte, kann auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken. Vor 1841 hieß der Übergang von der Grünstraße bis zum Torn „Jope“. Heute gibt es in diesem Straßenstück noch eine Kneipe mit dem gleichen Namen. Das Alter erahnt man vor allem durch die schmale, kaum zehn Meter breite Straße. Nach der Umbenennung des Bereiches zwischen Grünstraße und Post, hieß die Gasse auch Jopengang. Etwa die Hälfte der Häuser sind dort heute bereits saniert und erstrahlen in bunten Farben.

Zeugnis davon, dass es in dieser Ecke der Stadt ganz früher auch regen Handel gegeben hat, ist ein großes, rotes Backsteingebäude nahe der Post. Dort haben laut großer, schwarzer Aufschrift die Gebrüder Schultze „Colonialwaren, Eisen und Kohle“ vertrieben. Heute steht das Gebäude, mit seinen großen Toren und dem weitläufigen Hinterhof leer und verfällt nach und nach.

Gleich neben dem Hof sind weitere Häuser leergezogen, Fensterscheiben zerschlagen und Wände beschmiert. Brunhild Prinz, deren Fenster sich in Sichtweite sind, findet das nicht schlimm: „In der DDR war hier einfach alles grau und trist“, sagt sie. Nun habe sich schon so vieles zum Guten verändert.

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