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Mathias Hausding 13.12.2016 18:56 Uhr

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Großer Auftritt für das LKA im Nauen-Prozess

Potsdam (MOZ) Im Prozess um den Nauener Turnhallenbrand wurden am Dienstag Videobilder von der Tatnacht gesichtet. Zahlreiche Überwachungskameras benachbarter Firmen dokumentieren Fahrten eines Transporters, der dem Hauptangeklagten gehört.

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Fast 50 Videoschnipsel sind es, die ein Experte des Landeskriminalamts vor dem Landgericht Potsdam präsentiert. Es handelt sich um Bilder von Überwachungskameras aus dem Gewerbegebiet rund um jene Turnhalle in Nauen (Havelland), die am 25. August 2015 in Brand gesteckt wurde. Sechs Männer müssen sich wegen dieses Anschlags auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft und anderer schwerer Straftaten verantworten.

Dass die am Brandanschlag Beteiligten bereits zumindest Teilgeständnisse abgelegt haben, dürfte auch an der Beweiskraft der vom LKA mit großem Aufwand ausgewerteten Videos liegen. Beginnend um 22.49 Uhr am 24. August 2015, also drei Stunden vor dem Brand, haben die Kameras von fast einem Dutzend Firmen in der Umgebung immer wieder einen silbernen T4 mit abgedunkelten Scheiben bei Fahrten durch das Gewerbegebiet registriert. Der Transporter gehört Maik Schneider, langjähriger NPD-Stadtverordneter in Nauen und Hauptangeklagter in dem Prozess.

Um 1.07 Uhr und dann wieder um 1.49 Uhr sind schließlich auch ein Radler und ein vermutlich einem Mitangeklagten gehörender dunkler Kleinwagen zusammen mit dem T4 zu sehen. Die Kameras verlieren sie stets nach wenigen Sekunden wieder aus dem Blickfeld. Dafür tauchen dann für kurze Zeit auf den Bildern nicht zu identifizierende Fußgänger auf, die sich rund um die Halle bewegen. Eine Kamera hält schließlich fest, dass die Halle um 2.17 Uhr brennt. Danach sind wiederum der T4, der Radler sowie schemenhaft Fußgänger beim Rückzug vom Tatort zu sehen.

Auch eine Expertin für Spracherkennung des Landeskriminalamts liefert Unerfreuliches für Schneider. Sie hat sich mehrere Tonaufnahmen angehört, um zu ermitteln, ob die zu hörende Stimme die des 29-Jährigen ist. Nasalität, Rauigkeit, Knarren, Hauchen fließen in die Betrachtungen ein. Die Expertin ist sich sicher, dass es Schneider ist, der sich in einem Handyvideo in Sichtweite der brennenden Halle zum Vorgang äußert. "Wahrscheinlich ein technischer Defekt", sagt er in dem Video über die Brandursache.

Die Präsentationen der Experten und auch Zeugenaussagen werden am Dienstag erneut begleitet von zahlreichen Zwischenrufen und nicht zulässigen Wortmeldungen des Hauptangeklagten. Da er seinem Rechtsanwalt misstraut, verteidigt sich Schneider als juristischer Laie quasi selbst. So reicht er etwa einen weiteren Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Theodor Horstkötter ein, legt "so ganz nebenbei" Widerspruch gegen die Weiterführung der Verhandlung ein. Grotesk wird es, als er die Festnahme eines in vollem Umfang geständigen Mitangeklagten verlangt, da dieser womöglich Beweise vernichten könne.

Fast eine Stunde lang befragt Schneider außerdem eine Zeugin, die ihn stark belastet hat. Die 22-Jährige, mit der er eine kurze Affäre gehabt haben soll, war sich zum Beispiel sicher, dass Schneider im Rahmen des Brandanschlags auf das Auto eines Polen die Fenster des Wagens eingeschlagen habe. So sei er zwar vermummt gewesen. "Aber man erkennt seine Schweine am Gang", sagt die Zeugin. Sie berichtet zudem von schweren Anfeindungen, nachdem sie im Frühjahr bei der Polizei ausgesagt hatte. Demnach seien damals Flyer mit Fotos von ihr mit einem Davidstern auf der Stirn in Nauen verteilt worden. Auch habe ihr in einer Gaststätte jemand gegen das Schienbein getreten.

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