Warschau (AP) Der polnische Schatzminister Aleksander Grad hat deutsche Firmen aufgefordert, in seinem Land zu investieren. Derzeit würden 400 Unternehmen gleichzeitig privatisiert, sagte er am Mittwochabend bei einem Besuch von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Warschau. Von 800 Privatisierungsprojekten seien 300 bereits abgeschlossen. Es gebe sogar die Möglichkeit, nach dem Zuschlag bei einer Auktion innerhalb von sieben Tagen die notwendigen Papiere zu erhalten. Seine Regierung begrüße ausländisches Kapital, auch aus Deutschland.
Der Zeitplan zur Einführung des Euro in Polen sei durch die Lehman-Pleite allerdings nach hinten verschoben worden, fügte Grad hinzu. Er sei nicht in der Lage, ein konkretes Datum zu nennen. Die Euro-Einführung habe aber „absolute Priorität“ für seine Regierung. Polen sei sehr bemüht, die Maastricht-Kriterien zu erfüllen. Es sei aber auch wichtig, dass die Euro-Länder selbst die Kriterien erfüllten. Polen rechnet für 2010 mit einem Haushalts-Defizit von 7,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Maximal 3,0 Prozent sind erlaubt. Deutschland dürfte bei 3,5 Prozent Defizit landen.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bahlsen-Gruppe, Werner Bahlsen, sagte: „Wir fühlen uns wohl in Polen und wollen weiter investieren.“ Seine beiden Betriebe im Land mit 450 Mitarbeitern gehörten zu den effizientesten in der Gruppe. Er bedauerte, dass Grad derzeit keine Firmen der Lebensmittelbranche privatisiere. Er hoffe im übrigen auf eine feste Bindung des Zloty an den Euro.
Der Chef des Autozulieferers Kirchhoff GmbH, Arndt Kirchhoff, sagte, er sei angetan von den Fachkräften in Polen, vor allem von den Ingenieuren. Seine Gruppe habe 1400 Mitarbeiter in fünf Betrieben. Das Land sei bei der Entbürokratisierung gut vorangekommen. Er hoffe auf die baldige Einführung des Euro in Polen. „Das ist einfacher für uns“, sagte er. Kirchhoff ist auch Vorsitzender des Mittelstandsauschusses des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).
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