Teltow (DPA) Die Ansiedlung in Brandenburg hat der Auto-Direktversicherer Direct Line bislang nicht bereut. Die Standortfaktoren stimmen, betont Kfz-Versicherer Direct Line. Die deutsche Tochter des krisengeschüttelten britischen Finanzkonzerns RBS will auch für Börsenpläne gerüstet sein.Vorstandsvorsitzender Uwe Schumacher sagte in einem Gespräch, das Unternehmen blicke auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2010 zurück. Erstmals werde es an die Muttergesellschaft Royal Bank of Scotland (RBS) einen Gewinn in Höhe von rund 700 000 Euro abführen. Wann ein Börsengang erfolgen kann, steht nach seinen Worten aber noch fest.
Nach einer Vorgabe der Europäischen Union werden aus der RBS-Gruppe derzeit die Versicherungsaktivitäten herausgelöst und in einem eigenen Unternehmen zusammengefasst, um dann einen Verkauf oder Börsengang zu ermöglichen. RBS war in der Finanzkrise in Schieflage geraten und konnte nur mit Staatsgeldern überleben. Die RBS Insurance Gruppe betreut den Angaben zufolge mit rund 17 000 Mitarbeitern europaweit 25 Millionen Policen.
Die deutsche Versicherungstochter hat seit Mitte der 1990er Jahre ihren Sitz in Teltow (Potsdam-Mittelmark) und firmiert dort seit 2002 unter dem Namen Direct Line.
In den vergangenen drei Jahren sei die Mitarbeiterzahl um etwa 8 bis 15 Prozent pro Jahr gewachsen, berichtete Schumacher. Derzeit liege sie bei rund 350. Eine Verlegung des Firmensitzes ins Ausland aus Kostengründen käme für ihn nicht infrage, sagte der Vorstandschef.
Zwar gebe es auch in anderen Ländern sehr gut Deutsch sprechende Mitarbeiter, am Standort in Teltow sei aber seit Ende der 1990er Jahre ein gut funktionierendes Team gewachsen. „Damit können wir am hart umkämpften Markt der Kfz-Versicherungen bestehen“, betonte der Vorstandschef - zumal Direct Line als Direktversicherer bewusst auf ein aufwendiges Vertriebsnetz verzichte und Kunden hauptsächlich über das Internet akquiriere. Für dieses Jahr rechne er wiederum mit einem leichten Anstieg der versicherten Kraftfahrzeuge.
Über interne Schulungen qualifiziert das Unternehmen Schumacher zufolge Mitarbeiter weiter. In Zusammenarbeit mit der örtlichen Arbeitsagentur seien außerdem in einem speziellen Sechs-Monats-Programm Langzeit-Arbeitslose für den neuen Job in der Direktversicherungsbranche fit gemacht worden. Zudem werden in diesem Jahr vier Lehrlinge als Kaufleute für Versicherungen und Finanzen ausgebildet. „Langsam stoßen wir an die räumlichen Grenzen in dem Bürogebäude in Teltow“, sagte Schumacher. Von hier aus würden die Versicherungen für etwa 450 000 Autos betreut. Die Brutto-Beitragseinnahmen der Tochter erreichten im vergangenen Jahr 150,6 Millionen Euro.
Der Vorstandsvorsitzende berichtete, dass sich das Unternehmen auch in Zukunft auf das Thema Kraftfahrzeuge konzentrieren werde. „Auf lange Sicht erkennen wir ein enormes Wachstumspotenzial im Geschäftsmodell der Direktversicherung.“
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