Der Mann ist 68, war früher Elektriker, Bürgermeister in Naugarten und sitzt heute im Kreistag. Bernd Hartwich ist ununterbrochen auf Achse, trotz seiner Schwierigkeiten mit dem künstlichen Hüftgelenk. Schon seit Jahren fährt er mit dem Privatauto quer durch die Uckermark, um unermüdlich und aus ehrlichem Herzen Wahlkampf für die Windkraftgegner zu machen. Er hängt Plakate auf, verteilt Flugblätter, spricht mit Bürgerinitiativen. "Eigentlich wollte ich schon hinschmeißen und das alles nicht mehr über mich ergehen lassen", sagt der Rentner. Aber weil die Neuen in der Fraktion ihn dringend brauchen, tritt er wieder zur Kommunalwahl an. Vielleicht lässt er sich sogar als Landtagskandidat auf die Liste eines brandenburgweiten Bündnisses setzen. Aber das steht noch nicht fest.
Was Bernd Hartwich antreibt, ist die Ungerechtigkeit, die die Strommühlen in seine uckermärkische Heimat gebracht haben. Rund um Naugarten wimmelt es von ihnen. "Wer hat das Recht, die Landschaft so zu versauen?", empört er sich immer und immer wieder. "Das Aussehen, der Krach, ich werde mich nie daran gewöhnen können." Auch finanziell würde sich die Übermacht der Windkraftanlagen für die betroffenen Gemeinden nicht auswirken. "Für 27 Windräder bekommt die Gemeinde 15 000 Euro Gewerbesteuer. Das zahlt schon jeder Handwerksbetrieb", wettert Hartwich. Er plädiert für eine Beteiligung der Menschen. "Wenn die Leute sehen würden, dass dafür wenigstens der Bürgersteig gemacht wird, dann wäre der Frust auch nicht so groß."
Als Verhinderer alternativer Energiequellen sieht sich die Bürgergemeinschaft nicht. Doch sie will wenigstens eine gerechte Verteilung der Anlagen erreichen und eine Senkung der Lasten. "Es geht auf keinen Fall so weiter, dass der Normalbürger alles bezahlen muss", sagt Bernd Hartwich. "Als die ersten Windräder aufgestellt wurden, hat man uns versichert, dass irgendwann der Strom billiger wird. Jetzt sehen wir, was das Erneuerbare-Energien-Gesetz anrichtet: Wir verschenken den teuren Strom an andere Länder. Und zu den Netzproblemen kann ich als Elektriker nur sagen: Bevor ich ein Gerät in Gang bringe, baue ich erst die Leitung zusammen. Was jetzt passiert, ist für die Bürger völlig unverständlich."
Noch steht die Liste der Kreistagskandidaten nicht fest. Hartwich fährt umher und wirbt für seine Fraktion. Für ihn sind die Uckermark-Retter die einzig nennenswerte Opposition im dort herrschenden "Einparteien-System." Gemeint ist die Kooperation von SPD, CDU und FDP. Hartwich plädiert dagegen für wechselnde Mehrheiten, mit denen einst ein Landrat Benthin regieren musste. Es sei traurig, dass CDU und SPD den Wählerwillen nicht respektieren würden. "Wenn ich in der Uckermark SPD wähle, bekomme ich im Kreistag CDU und umgekehrt. Und die FDP macht sowieso alles mit." Gerade gegen die Liberalen hegen die Uckermark-Retter einen Groll, weil der jetzige FDP-Abgeordnete Burkhard Woitge aus ihren Reihen dorthin wechselte. Hartwich schrieb verärgert einen Brief an den Kreisvorsitzenden und wünschte der FDP ein Wahlabschneiden unter fünf Prozent. Aus heutiger Sicht wirkt das wie eine Vorhersehung.
In ihrem Wahlprogramm soll es den Windkraftgegnern nicht allein um die Strommühlen gehen. Schulpolitik, Jugendpolitik sowie Bildung und Teilhabe stehen schon auf dem Plan. Wenn Schulen auf der Kippe stehen, wenn es um Naturschutz und Denkmale geht, wenden sich Betroffene häufig an die Fraktion. "Wenn wir etwas zu melden haben wollen, müssen wir stärker werden", sagt Bernd Hartwich. Aus seiner Sicht könnte man auch mit den Bündnisgrünen zusammenarbeiten, weil viele Themen übereinstimmen. Doch weiß er nicht, ob das auf beiden Seiten hundertprozentig gewollt ist.
Der Gründer der Bürgerinitiative, Hans-Joachim Mengel aus Wartin, wird im Wahlkampf keine Rolle mehr spielen. Die Fraktion hat ihm übel genommen, dass er eigenes Land an die Windbetreiber vergeben wollte. "Damals war der ganze Wahlkampf auf den Professor ausgerichtet", erzählt Hartwich. "Das müssen wir jetzt ändern."