Ein komplettes Schwedter Kanu-boot auf der Olympiastrecke in Brasilien - Wahnsinn! Durch die Dopingsperre für einige Sportler hatte Deutschland zwei zusätzliche Startplätze erhalten, einer ging an den 24-jährigen Jan Vandrey. "Am Ende kam das nicht ganz so überraschend", erzählt der Schwedter, der 2000 in seinem Heimatverein bei Michael Tümmler den Kanusport erlernte und seit 2005 auf der Sportschule sowie beim KC Potsdam ist.
"Geliebäugelt habe ich schon, dass die Entscheidung positiv für mich ausgeht. Deshalb habe ich immer weiter mit der A-Mannschaft trainiert - die Freude war natürlich trotzdem riesig. Es ist nunmal das Größte für einen Sportler, Olympische Spiele als aktiver Teilnehmer miterleben zu können", jubiliert er am Telefon während einer Trainingspause in Duisburg.
Seine bisher größten Erfolge hat Jan Vadrey, der im Dezember 25 wird, in den zurückliegenden Jahren im U-23-Bereich gefeiert. Der Canadierfahrer schaffte bei den Europameisterschaften im Zweier vierte und fünfte Plätze, beim WM-Championat in Kanada eroberte er dann den achten Rang im Einer. Bereits 2008 hatte er im Bronzevierer seine erste internationale Medaille gewonnen. Ein Jahr später erlebte er sein Junior-WM-Debüt. Über 500 m hat er eine Silbermedaille bei Junioren-Europameisterschaften in seiner Erfolgsbilanz zu stehen.
2015 - das war dann aber ganz und gar nicht das Jahr des Jan Vandrey. Er musste miterleben, wie schwierig der Übergang in den Männerbereich vonstatten gehen kann und sagt selbst: "Ich war im Grunde komplett raus, weil ich es nicht geschafft hatte, mich ins A-Team zu paddeln."
Kopf in den Sand stecken galt für Vandrey nicht - weiter kämpfen! Jetzt wird er belohnt und sitzt mit London-Olympiasieger Sebastian Brendel im deutschen Zweier-Canadier von Rio.
"Wir sind mal vor einem Jahr bei der Deutschen Meisterschaft gemeinsam in ein Boot gestiegen - es hat ordentlich funktioniert. Diesmal kommt unsere Kombination fast schon zufällig zusammen - und natürlich auch durch meine guten Leistungen", ergänzt Jan Vandrey eher bescheiden. Als sie beim Weltcuprennen in Tschechien den zweiten Platz belegten und dabei unter anderem das Boot hinter sich ließen, welches das Weltcup-Rennen zuvor gewonnen hatte, wusste man im deutschen Lager: Das ist eine sehr gute Kombination!
Wird der Zweier aber nicht für Brendel eher eine "Nebenbeschäftigung" sein? Jan Vandrey wehrt entschieden ab: "Wenn sich Sebastian in ein Boot setzt, ob im Einer oder Zweier, gibt er immer 110 Prozent, will das Beste erreichen. Wir haben jetzt auch viel gemeinsam trainiert - sicher, vieles ist da noch ausbaufähig, aber wir können optimistisch nach Brasilien fliegen", meint der 24-Jährige. Ein konkretes Ziel lässt der Schwedter dann aber doch nicht aus sich herauskitzeln: "Das Bestmögliche!" wolle man erreichen. Bedingungen und Gegner spielen da freilich immer eine Rolle.
Zunächst wird Jan Vandrey, der mit den Kanuten am 10. August nach Rio fliegt, am 15. und 16. August Sebastian Brendel fest die Daumen dafür drücken, dass er seinen Einer-Titel von London erfolgreich verteidigen kann. Drei Tage später sitzen die beiden Oderstädter gemeinsam zum Vorlauf im Boot - am 20. August wollen sie dann auf alle Fälle beim Finale dabei sein.