Zu den bereits realisierten Großprojekten gehören die vor zwei Jahren errichtete Beeskower Schleuse und das Sicherheitstor für das neue Schiffshebewerk Niederfinow. Auch Rechenreinigungsanlagen zählen zum Angebot. Maschinen, die Wasserkraftanlagen vorgeschaltet sind und mit riesigen Stahlzinken das Wasser durchkämmen. Sie sind sogar in der Lage ganze Baumstämme abzufangen, die sonst die Turbinen beschädigen würden.
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Das aktuelle Projekt ist stolze 22 Meter lang und wiegt ungefähr so viel wie 28 Kleinwagen. Wenn die Stauklappe fertig ist, wird sie mit einem Schwertransporter zum Verteilerwehr Döbeln in Sachsen gebracht. Doch vorher geht es noch einmal nach Frankfurt (Oder). Dort wird das Stahltor mit Korrosionsschutz besprüht. Auch sonst arbeitet Stahlwasserbau Beeskow mit regionalen Unternehmen zusammen. Einen Teil des benötigten Stahls bezieht das Unternehmen aus dem Stahlwerk Eisenhüttenstadt. Der Strom für die Produktion kommt übrigens größtenteils von der hauseigenen Solaranlage.
Die Erfolgsgeschichte der Stahlwasserbau Beeskow GmbH ist für ein mittelständisches Unternehmen aus dem Osten Deutschlands eher ungewöhnlich. Als Spezialist für Fördertechnik wurde es Anfang der 1990er-Jahre aus dem lokalen Spanplattenwerk ausgegliedert. Schon kurz darauf übernahm der Beeskower Betrieb ein westdeutsches Stahlwasserbau-Unternehmen - und damit 85 Jahre Branchenerfahrung.
Dank dieser Nische befindet sich das Unternehmen auf Wachstumskurs. Mittlerweile produziert die Firma Stahlwasser-Bauwerke nicht nur für deutschsprachige Kunden, zu denen die öffentliche Hand, Energieversorger und private Unternehmen zählen, sondern auch für internationale Auftraggeber.
Vor zweieinhalb Jahren stieg Uwe Tillmann als Unternehmensnachfolger in das florierende Geschäft ein. Diesen Schritt hat er bis heute nicht bereut. "Ich habe schon immer davon geträumt, selbstständig zu sein", erklärt der studierte Betriebswirt, der zuletzt bei General Electric im Management arbeitete. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch in Brandenburg die Unternehmensnachfolge im Mittelstand funktionieren kann.
Das, was Tillmann an dem Spezialunternehmen gereizt hat, ist zugleich dessen Erfolgsgeheimnis. Vom Entwurf über die Produktion bis zur Wartung und Instandhaltung - alles kommt aus einem Haus. "Wir bieten unseren Kunden Komplettleistungen an", so der Eigentümer und Geschäftsführer. Darüber hinaus gefällt es ihm, für langfristige Projekte verantwortlich zu sein: "Ich finde es spannend, dass wir uns monatelang intensiv mit der Konstruktion und Fertigung auseinandersetzen." Schließlich sollen die Anlagen, die das Unternehmen verlassen, auch mindestens 70 Jahre lang halten.
Außer mit dem Bau von hochtechnologischen Anlagen kennt sich das Unternehmen mit historischen Stahltoren aus - und sei es im kosmetischen Bereich. Gerade hat es die Arbeit an einem Sielverschluss für das Dornburger Siel in Sachsen-Anhalt beendet. Der Auftrag: Einerseits sollte der Verschluss nach einem Hochwasserschaden auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden, andererseits sein antikes Aussehen behalten. So schweißte das Unternehmen kurzerhand Nieten-Attrappen auf.
Ebenso wie Geschäftsführer Tillmann schätzen auch seine Mitarbeiter die abwechslungsreiche Arbeit und die intensive Auseinandersetzung mit einem Projekt. Für die Region ist die Stahlwasserbau Beeskow GmbH ein wichtiger Arbeitgeber. Manch einer der 65 Mitarbeiter ist schon mehr als 20 Jahre im Unternehmen. Ein Grund für die lange Betriebszugehörigkeit sieht Tillmann in der internen Entwicklungsmöglichkeit: "Wer möchte, kann bei uns vom Schlosser zum Projektmanager aufsteigen", sagt er.
Aber auch viele junge Leute arbeiten bei Stahlwasserbau Beeskow. Denn der Betrieb stellt jedes Jahr gleich mehrere Azubis ein. Dieses Jahr lernen acht im Unternehmen. Sie können sich zum Metallbauer mit der Fachrichtung Konstruktionstechnik oder zum Zerspanungsmechaniker ausbilden lassen. Verantwortungsvolle Tätigkeiten: Denn beim Bau einer Stauklappe - wie der für das Verteilerwehr Döbeln - ist höchste Präzision gefragt. Jede noch so minimale Abweichung entscheidet darüber, ob die Klappe die Wassermassen stoppen kann oder nicht.
Schweres Gerät: Die Firma Stahlwasserbau Beeskow (Oder-Spree) montierte vor zwei Jahren die Tore an der Schleuse Beeskow. Jedes Schleusentor hat ein Gewicht von immerhin 4,5 Tonnen. Foto: MOZ/Jörn Tornow
Stahlwasserbau Beeskow steht für Hochwasserschutz,Nachhaltigkeit und Karrierechancen
Strom für die Produktion kommt von hauseigener Solaranlage
Preisträger in Kürze
¦ Branche: Stahlwasserbau und Fördertechnik ¦ Standort: Beeskow (Oder-Spree) ¦ Mitarbeiter: 65 ¦ Fördermittel: 2 300 234 Euro, davon 126 690 Euro an EFRE-Mitteln ¦ Internet: www.swb-beeskow.de