Der Original Herrnhuter Stern ist nach Angaben der Manufaktur der älteste deutsche Weihnachtsstern und wurde anfänglich mit Rüböllampen beleuchtet. Schon seit mehr als 160 Jahren werden die Sterne in unveränderter Form hergestellt. Erste Skizzen mit der Geometrie der Sternstrahlen stammten aus dem Jahr 1773, sagt Scholz. Allerdings sei nicht nachgewiesen, ob auch tatsächlich ein Stern zusammengebaut wurde. Der erste Nachweis ist aus dem Jahr 1821 bekannt.
Jeder originale Herrnhuter Stern besteht seither stets aus 25 Zacken – 17 viereckigen und acht dreieckigen. Der aufwendige Zusammenbau sei in vielen Familien der Region eine jährliche Tradition, wo alle Generationen zusammenkämen und vorm Weihnachtsfest innehielten, sagt Scholz. In der DDR gehörten die Sterne zur klassischen Bückware, die nur unter dem Ladentisch verkauft wurde.
Ein Großteil der Produktion ging über den zentralen Außenhandel in den Export nach Westdeutschland sowie Finnland. Von 1950 bis 1968 war die Sternenherstellung verstaatlicht, der volkseigene Betrieb firmierte unter dem Namen Oberlausitzer Stern- und Lampenschirmfabrik.
Weil die Produktion des Adventsschmuckes, der den Stern von Bethlehem aus der biblischen Geschichte symbolisiert, offenbar nicht in die Produktionspalette eines sozialistischen Betriebs passte, wurde die zuvor enteignete Sternherstellung nach 18 Jahren schließlich wieder an die Brüder-Unität zurückgegeben. Allerdings blieben staatliche Planvorgaben erhalten – Material wurde zugeteilt, die Zahl der Mitarbeiter und die Zahl der zu produzierenden Sterne vorgegeben.
Inzwischen stelle die Herrnhuter Manufaktur jährlich etwa 240 000 Sterne her, sagt Scholz. Nachahmer der geschützten Form aus der Oberlausitz gebe es nicht, wohl aber Konkurrenten. So werden in Sachsen noch in mindestens drei Betrieben im Erzgebirge Adventssterne hergestellt. Neben dem Annaberger Faltstern gibt es noch den Original Hartensteiner und den Original Haßlauer Stern.
Der Hartensteiner Stern besteht aus etwa 154 Einzelteilen und wurde 1948 von der Buchbinderei Härtel erstmals auf der Leipziger Messe präsentiert, wie Beate Heyn sagt. Sie stellt die Sterne heute im elterlichen Betrieb mit einer Mitarbeiterin zusammen her. Erst 1985 entstand im nur 15 Kilometer entfernten Wilkau-Haßlau der Haßlauer Stern. Elektriker Matthias Wild reagierte seinerzeit auf die große Nachfrage. Die Annaberger Faltsterne und die Erzgebirgischen Fenstersterne fertigt die Buchbinderei Kraft in Annaberg-Buchholz ebenfalls in Handarbeit.