Er möchte außerdem zwei Dienstaufsichtsbeschwerden gegen den Amtsdirektor behandeln, die schon seit Oktober in der Schublade schmoren. Er will eine Neuwahl seines Stellvertreters anstrengen und nach mehreren nicht abgestimmten Personalentscheidungen die Hoheit darüber wieder in den Amtsauschuss zurückholen. Schließlich will er zudem endlich die Klage des Amtes gegen die Eingemeindung von Schöneberg nach Schwedt vom Tisch haben. Die hatte Detlef Krause ohne Beschluss des Amtsausschusses eingereicht und nicht zurückgezogen, als der Ausschuss die Klage dann ablehnte.
Der Amtsdirektor verspricht sich mit der Klage Chancen, den vom Land genehmigten Wechsel Schönebergs zu verhindern. Zweimal hat der Amtsausschuss die Klage inzwischen schon abgelehnt. Krause aber passte dieses Abstimmungsergebnis offenbar nicht, weshalb er den Beschluss beanstandete.
Damit muss jetzt ein drittes Mal darüber abgestimmt werden. Entscheiden muss dann die Kommunalaufsicht.
Es knirscht offensichtlich mächtig zwischen dem Amt und seinem Direktor. Als Gerd Regler ein Ausschussmitglied als Zeugen zur Absprache der nächsten Amtssitzung mitbrachte, verweigerte Krause diesem den Zutritt. Bei Landrätin Karina Dörk fragte der Amtsdirektor nach, ob er mit der Begründung Corona nicht auch Punkte von der Tagesordnung nehmen könne, die zu viel öffentliches Interesse erwarten lassen. Dafür bekam er eine klare Absage und die Belehrung, dass nur der Ausschussvorsitzende entscheide, was beraten wird.
Jetzt stellte Detlef Krause auf Drängen Gerd Reglers eine Sitzung am 4. Juni in Aussicht, allerdings nicht ohne erneute Versuche, diese in seinem Sinne zu verändern. Er weigerte sich, ihm unangenehme Beschlüsse vorzu-­bereiten, sodass Gerd Regler diese schreiben musste.
Der Punkt Dienstaufsichtsbeschwerde fehlte in Krauses Vorankündigung zur Sitzung ganz. In einem Begleitbrief mahnte er den Ausschuss, dass er verpflichtet sei, ihn zu schützen. Die Dienstaufsichtsbeschwerden könnten unangenehm werden für den Amtsdirektor. Schöneberg hatte moniert, dass der Amtsdirektor Gemeindesitzungen verzögert oder verweigert habe sowie die Korrektur von Niederschriften und das Abhören der Tonbandaufzeichnungen verwehrt habe.
Aufsicht gibt Gemeinde Recht
In der Antwort, die der Redaktion vorliegt, stellt die Kommunalaufsicht eindeutig fest, dass der Amtsdirektor in allen Punkten verpflichtet gewesen wäre, den Wünschen der Gemeinde zu entsprechen. Gegenüber der Kommunalaufsicht und auf entsprechende Nachfragen dieser Zeitung gab Detlef Krause keine Stellungnahme dazu ab.
Auch hinsichtlich der Klage des Amtes und der Gemeinden gegen die Genehmigung zum Wechsel Schönebergs geht seit acht Monaten nichts mehr vorwärts. Die Klage vom September 2019 ist nicht einmal begründet. Wie Richter Ruben Langer, Sprecher des Verwaltungsgerichtes Potsdam, bestätigte, liegt bisher keine Klagebegründung vom Kläger vor, trotz Aufforderung durch die zuständige Kammer und Ankündigung der Anwälte, dies bis spätestens 30. April zu tun.
Der Kampf der Gemeinde Schöneberg, das Amt zu verlassen, geht damit schon ins vierte Jahr. Inzwischen wollen auch die Gemeinden Berkholz-Meyenburg und Passow nach Schwedt wechseln und im Juni die Eingemeindungsverfahren starten, um die Bürger dazu zu befragen.