Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kupferkugel am Haken

Cornelia Link / 22.10.2009, 08:41 Uhr
Jacobsdorf Mit Hilfe eines Krans wurde am Mittwochnachmittag die alte Kupferkugel vom Jacobsdorfer Kirchturm gehoben und anschließend im Pfarrhaus geöffnet. Zutage traten nur Zeitungen und Münzen von 1950.

Im Rahmen der Holzturm-Sanierung pochten die Dachdecker der Fürstenwalder Firma Stregel gestern beim Abnehmen der Kugel auf schwere Technik. Kurzerhand rückte am Nachmittag ein Kran an, fuhr 28 Meter hoch und beförderte das Monstrum voller Patina an Seilen langsam zu Boden. Dort hatten sich, neben einigen Kirchengemeinde-Mitgliedern, schon Planer Armin Gebauer, Pfarrer Andreas Althausen und Gemeinde-Bürgermeister Dr. Detlef Gasche versammelt. Sie inspizieren das Stück - von 1874 - ausgiebig und trugen es in den Gemeinderaum vom Pfarrhaus. "Ist die leicht, da ist bestimmt nichts drin", mutmaßte dabei schon Bürgermeister Dr. Gasche.

Dachdecker Heino Flauaus schnitt mit einer Blechschere kurzerhand ein Viereck aus dem Kugelbauch. Hinein griff zuerst Dr. Gasche - als Tierarzt gekonnt vorsichtig. Der Goldgräber-Stimmung wich schnell Ernüchterung: Viel nasses, braunes Papier kam zum Vorschein, ein paar Pfennig-Münzen, auch ein lebendiger Ohrenkneifer. Der Rest war unerklärbarer Schmutz. Vorsichtig wurden die Papiere auseinander gefaltet - brachten neben einer Tageszeitung (Märkische Volksstimme vom 25. Oktober 1950) und einer Wochenzeitung (Der freie Bauer, 8. Oktober 1950) auch eine Bau-Urkunde vom Maurermeister Rolf Henkel zutage. Darin stand geschrieben, dass die Kirche durch den 2. Weltkrieg fast völlig zerstört worden war, Henkel mit Pillgramer und Biegener Fachfirmen den Dachstuhl und die Spitzen des Ost- und Westgiebels erneuert habe. "Mehr hatten sie damals wohl nicht reinzulegen, das machen wir besser", so Pfarrer Althausen.

Während die Sanierung weitergeht, wird ein Frankfurter Kunstschmied nun die durch Einschüsse verbeulte Kugel reinigen, golden anstreichen und obenauf auch die Wetterfahne setzen, die darauf im Pfarramt schon seit 1999 wartet.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG