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Bockhardt wiegelt zum Jugendamt ab

SRAKITIN / 12.03.2010, 18:50 Uhr
Dreimal hatte die Tagesmutter im Jugendamt angerufen. Seit sie pflichtgemäß das Kind wegen Kopfläusen nicht aufgenommen und von den Eltern die Vorlage einer Unbedenklichkeitsbestätigung vom Arzt verlangt hatte, hatte sie den Jungen nicht mehr gesehen. Die Tagesmutter machte sich Sorgen um ihn.

Doch vom Jugendamt kam keine Reaktion. Erst als eine Kinderärztin den Jungen ins Bernauer Krankenhaus einwies, weil er zwischen zwei Vorsorgeuntersuchungen nicht zugenommen hatte und die Klinik wiederum das Jugendamt informierte, verlor man in der Behörde seine Sprachlosigkeit: Eine Mitarbeiterin machte der Tagesmutter Vorwürfe, sie habe sich in Sachen eingemischt, die sie nichts angingen.

Der amtierende Landrat Carsten Bockhardt allerdings versteigt sich jetzt zu der Behauptung: "Auf Rückfrage des Jugendamtes bei der Tagesmutter, ob aus ihrer Sicht eine Kindeswohlgefährdung vorliege, bestätigte dies die Tagesmutter nicht." Er spricht in einem Brief an die Kreistagsabgeordneten davon, "dass die Vorgänge genau geprüft und analysiert" wurden und verkündet, es sei niemandem ein Fehler nachzuweisen. Dennoch, so Bockhardt, habe man "auf der Leitungsebene Handlungsbedarf erkannt". "Informationen müssen in Zukunft so abgefragt werden, dass Irritationen und Missverständnisse ausgeschlossen werden."

Im politischen Raum sieht man den Fall allerdings etwas anders. "Ich denke, hier ist es Zeit, über persönliche Konzequenzen nachzudenken", sagt Linke-Fraktionschefin Margitta Mächtig. "Und ich bin überrascht, dass die Verantwortlichen nicht allein zu dieser Schlussfolgerung kommen."

Seit dem Ausscheiden der jahrelangen Jugendamtsleiterin Renate Wolter würden sich die Hiobsbotschaften aus dem Jugendamt häufen. "Es scheinen klare Verantwortlichkeiten, genaue Arbeits- und Informationsstrukturen zu fehlen, und ein Krisenmanagement unterliegt möglicherweise der Geheimhaltung", so Margitta Mächtig. Eines sei ganz sicher: "Ein Dezernat von Abfall über Jugendhilfe bis Gesundheitsschutz hat sich nicht bewährt. Das Jugendamt bleibt auf der Strecke. Da muss endlich die Reißleine gezogen werden."

Auch die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Sabine Schmalz (SPD), sieht das Problem in der Führungslosigkeit des Jugendamtes. "Seit zwei Jahren ist das Amt ohne Leiter. Seitdem Renate Wolter nicht mehr da ist, hat man den Eindruck, keiner traut sich, zu entscheiden", sagt sie. Und Dezernentin Silvia Ulonska sei angesichts der Vielfalt ihrer Aufgaben hoffnungslos überfordert. Sabine Schmalz fordert, dass der vakante Chefsessel im Jugendamt "umgehend" besetzt wird. Und dass der Lebenslagenbericht, den ihr Ausschuss und der für Soziales seit Monaten für den Barnim fordern, endlich in Angriff genommen wird. "Ohne eine Erhebung, in welcher sozialen Lage die Familien leben, können wir auch nicht wissen, welche Hilfen sie brauchen", ist sich die Bernauerin sicher.

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