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Betroffene Orte leisten noch Widerstand

Polen plant Tagebau direkt an der Neiße

Dietrich Schröder / 15.12.2011, 20:27 Uhr
Gubin/Warschau (MOZ) Polnische Planungen zur Erschließung eines Braunkohletagebaus am östlichen Ufer der Neiße haben ein neues Stadium erreicht. Die Regierung in Warschau habe zu Beginn dieser Woche die Einleitung einer strategischen Raumplanung beschlossen, berichten Medien des Nachbarlandes. Der Tagebau könnte so ab den Jahren 2015 bis 2020 zur Umsiedlung von 2000 Menschen aus 13 polnischen Dörfern führen, gleichzeitig könnte eine ähnlich große Zahl von Arbeitsplätzen in einem neuen Braunkohlekraftwerk entstehen, das ebenfalls errichtet werden soll.

Die Bewohner von polnischen und deutschen Orten, die gleichsam von Abbau-Plänen betroffen sind, hatten schon vor zwei Jahren ihre Proteste gegen das Vorhaben vereint. So gab es Aktionen direkt an der Neiße, die von Einwohnern der Lausitzorte Grabko, Kerkwitz und Atterwasch sowie aus Gubin und Brody organisiert wurden. "Im Klammergriff zwischen deutschen und polnischen Tagebauplanungen hätte die Grenzregion von Forst bis Guben keine Zukunft", hieß es dabei.

Gemäß europäischer Regelungen waren die Pläne für das polnische Vorhaben in diesem Sommer in den Kreisverwaltungen von Spree-Neiße, Cottbus und der Oder-Region ausgelegt. Zugleich gab es Gespräche zwischen Raumplanern aus Brandenburg und Polen. "Unsere Vertreter haben dabei vorsorgliche Bedenken bezüglich der Auswirkungen auf das Grundwasser und möglicher Emissionen angemeldet", sagte eine Sprecherin des Potsdamer Infrastrukturministeriums gestern. Die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" zitiert dagegen das Marschallamt der Wojewodschaft Lebuser Land mit der Feststellung, dass die deutsche Seite "im Prinzip einverstanden" sei.

Besonders engagiert kämpft der Amtsvorsteher der Gemeinde Brody, Zbigniew Barski, gegen das Vorhaben. Er fühle sich an die Ergebnisse einer Volksabstimmung gebunden, bei der sich vor zwei Jahren eine Mehrheit in seiner Gemeinde gegen den Tagebau ausgesprochen habe, sagt er.

Barskis Bemühungen, anstelle des Tagebaus mehrere große Windkraftanlagen in der Region zu installieren, werden durch den jetzigen Regierungsbeschluss verhindert. Allerdings hatte sich 2009 in der Stadt Gubin eine Mehrheit für den Tagebau sowie ein Kraftwerk ausgesprochen.

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keine neuen Tagebaue! 16.12.2011 - 21:10:52

Das wundert mich nun doch:

"Unsere Vertreter haben dabei vorsorgliche Bedenken bezüglich der Auswirkungen auf das Grundwasser und möglicher Emissionen angemeldet", sagte eine Sprecherin des Potsdamer Infrastrukturministeriums gestern" Wie verhält es sich denn mit den vielen Tagebauen in der Lausitz? Macht sich da das Ministerium auch Sorgen um das Grundwasser? Das scheint mir bei den gemeinsamen Bemühungen von Vattenfall und einigen starken Befürwortern dieser Braunkohle-Freunde aus der Politik nicht so zu sein.

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