Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Syrer verkauft orientalische Lebensmittel / Vermieter Wohnungswirtschaft will Leerstand weiter reduzieren

Neues Geschäft in der Magistrale

Freut sich auf viele Gäste: Belal Bouti (2. v. l.) mit seiner Frau Sanna Azzam, seinem Bruder Lawand Bouti und Amjad Abou (r.), einem Freund der Familie, der ihn beim Geschäftsstart, zum Beispiel bei Behördengängen, unterstützt.
Freut sich auf viele Gäste: Belal Bouti (2. v. l.) mit seiner Frau Sanna Azzam, seinem Bruder Lawand Bouti und Amjad Abou (r.), einem Freund der Familie, der ihn beim Geschäftsstart, zum Beispiel bei Behördengängen, unterstützt. © Foto: MOZ/Martin Stralau
Martin Stralau / 15.08.2016, 19:37 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Kunden auf der Magistrale dürfen sich über ein neues Angebot freuen. Am Montag eröffnete der Syrer Belal Bouti, der erst 2015 nach Deutschland kam, ein Geschäft für orientalische Lebensmittel. Die Wohnungswirtschaft als Vermieter hatte nach einem Laden mit genau solch einem Angebot Ausschau gehalten.

Vor dem Geschäft in der Karl-Marx-Straße 178 blickt man am Montagnachmittag in viele neugierige Gesichter. Eine Frau radelt langsam mit ihrer Tochter vorbei. "Schau mal, orientalische Lebensmittel, wie schön", ruft sie ihr zu. Andere Passanten bleiben stehen, kosten die auf einem kleinen Tisch bereit liegenden Sesamkekse, das Dattelgebäck oder den frisch gepressten Orangensaft. An der Kasse im Laden hat sich kurz nach der offiziellen Eröffnung des Ladens um 17 Uhr bereits eine kleine Schlange gebildet. Unter den Kunden sind viele Araber.

Al Schami heißt das Geschäft. "Das bedeutet etwa so viel wie "aus Damaskus'", sagt Belal Bouti, der Geschäftsinhaber. Vor fünf Jahren war er wegen der angespannten politischen Lage aus der syrischen Hauptstadt, seiner Geburtstadt, zunächst nach Dubai geflohen, wo er als Designer arbeitete und dann zwei Jahre ein Lebensmittelgeschäft führte. Dann erlosch seine Aufenthaltsgenehmigung, er floh im Sommer 2015 nach Deutschland. Nach einer Woche in der zentralen Aufnahmestelle in Eisenhüttenstadt und fünf Monaten in der Asylunterkunft in Seefichten wohnt er heute mit seiner Frau Sanna Azzam im Hochhaus über dem McDonalds in der Slubicer Straße - schräg gegenüber von seinem Geschäft. Seinen Laden versteht der 23-Jährige als Angebot an die vielen Araber in der Stadt, "die jeden dritten Tag nach Berlin fahren, um sich dort die Lebensmittel aus ihrer Heimat zu kaufen". Aber natürlich seien auch die Frankfurter willkommen. "Ich bin jung, ich kann arbeiten und will hier nicht auf Kosten des Staates leben", sagt Belal Bouti. Er wolle Deutschland etwas zurückgeben, nachdem ihm "das Land und die Frankfurter ihre Herzen geöffnet haben". Das Geld für die ersten Monate des Geschäftsbetriebes stellt ihm einer seiner zwei Brüder bereit, der noch in Dubai lebt. Der andere ist mit in Frankfurt und wird ihn wie seine Frau im Laden unterstützen.

Bei der Wohnungswirtschaft (Wowi) ist man froh über den neuen Mieter. "Mit diesem Laden schaffen wir ein Angebot für all die Flüchtlinge in der Stadt", sagt Prokuristin Christa Moritz. "Genau einen solches Geschäft haben wir gesucht", erklärt Selcuk Gülec, der für die Gewerbevermietung zuständig ist. Belal Bouti habe auch aufgrund seiner Erfahrung gut gepasst, außerdem bringe er die nötige Risikobereitschaft mit. Wowi-Geschäftsführer Jan Eckardt findet, dass ein Lebensmittelladen gut in diese Ecke passe. "Ich hoffe, dass wir damit die Innenstadt ein Stück weit beleben", sagt er.

In der Magistrale bewirtschaftet die Wowi nach eigenen Angaben 39 Gewerbeeinheiten mit einer Nutzfläche von 4 260 Quadratmetern. 33 davon mit 3 600 Quadratmetern seien vermietet. Sechs stünden leer. Weitere Vermietungen sollen noch in diesem Jahr folgen, um den Branchenmix zu erweitern, heißt es.

Seine Lebensmittel, darunter auch orientalische Süßigkeiten, holt Belal Bouti von Großhändlern in Berlin. In Frankfurt fühlt er sich pudelwohl und kann sich vorstellen, hier auch eine Familie zu gründen. "Solche netten Leute wie hier habe ich selten getroffen", sagt er.

Al Schami, Karl-Marx-Straße 178; Öffnungszeiten: montags-sonnabends von 9-22 Uhr

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG