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Strom von 210 Fußballfeldern

Pure Handarbeit: Matthias Platzeck, Wolfgang Tiefensee, Stephan Hansen (First Solar), und Fred Jung (juwi Holding, v.l.), setzen das letzte von 560á000 D³nnschicht-Solarmodulen ein. Foto: MOZ/Karl-Heinz Arendsee
Pure Handarbeit: Matthias Platzeck, Wolfgang Tiefensee, Stephan Hansen (First Solar), und Fred Jung (juwi Holding, v.l.), setzen das letzte von 560á000 D³nnschicht-Solarmodulen ein. Foto: MOZ/Karl-Heinz Arendsee © Foto:
Sabine Steinbeiß / 20.08.2009, 18:16 Uhr
Turnow-Preilack Die größte deutsche Photovoltaik-Anlage ist am Donnerstag auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberoser Heide offiziell in Betrieb genommen worden.

Einige Politiker legten bei der Installation des letzten Solarmoduls in Turnow-Preilack (Spree-Neiße) selbst Hand an. Bei strahlendem Sonnenschein montierten Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee und Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) das 560 000. Solarmodul. Damit machten sie die 162 Hektar große Anlage in der Lieberoser Heide nahe Turnow-Preilack (Spree-Neiße) zum bundesweiten Spitzenreiter. Diese Position besaß bisher der Solarpark Waldpolenz bei Leipzig mit einer Leistung von 40 Megawatt.

Tiefensee sah es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Ich bin doch Sachse und habe erst vor kurzem das Solar­kraftwerk in Brandis eingeweiht", sagte der Bundesbauminister. Und jetzt kämen die Brandenburger und würden dem Freistaat diesen Rekord entreißen.

Das konnte Platzeck natürlich nicht auf sich sitzen lassen und fing seine Rede mit einem kleinen Seitenhieb an: "Was geht uns anderes Elend an!" Die Brandenburger seien schon immer ein Energieland gewesen und würden das auch immer bleiben, betonte der Ministerpräsident mit Blick auf die rauchenden Schlote des Kohlekraftwerkes Jänschwalde und dem neuen Solarpark.

Dieser gilt in vielerlei Hinsicht als ein Leuchtturmprojekt der Solarbranche. So haben die Wörrstädter juwi-Gruppe aus Rheinland-Pfalz und First Solar trotz Finanz- und Wirtschaftskrise ein Großprojekt auf den Weg gebracht. Das umfasst eine Investition von mehr als 160 Millionen Euro, so Fred Jung, Vorstand der juwi-Holding AG. "Und mit einer Fläche von mehr als 210 Fußballfeldern ist es die zweitgrößte Photovoltaik-Anlage der Welt. Deren Leistung von 53 Megawatt reicht für den Strom von 15 000 Haushalten", so Jung.

Die Fläche bei Turnow-Preilack ist aber nicht nur in Leistung und Finanzierung beispielhaft, sondern auch ein Modellprojekt der Renaturierung militärischer Liegenschaften oder sonstiger Brachflächen. "Ich schreibe dem Solarpark ein Vorbildfunktion in punkto Konversion zu", betonte Platzeck. Halbe Ewigkeiten genutzte und hoch belastete Militärflächen seien von Kampfstoffen und Munitionsresten entsorgt worden, ohne dass dabei die öffentliche Hand, die Eigentümerin des Areals ist, finanziell in Anspruch genommen worden sei, betonte der Ministerpräsident.

Das Projekt entstand auf dem ehemals größten Truppenübungsplatz der Sowjetarmee in der DDR. Die Nord-Süd-Ausdehnung betrug 15 Kilometer, die in Ost-West 30 Kilometer. Das letzte Panzerschießen fand im Jahr 1992 statt. Im Juli 1994 wurden die Flächen dem Land Brandenburg übergeben. Danach gab es zahlreiche Planungen und Projekte für das Gebiet. Unter anderem war das Areal anfänglich auch als Standort für den neuen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) im Gespräch.

Bis Ende des Jahres soll der Solarpark komplett ans Netz gebracht werden. Im voll ausgebauten Zustand werden dann rund 700 000 Dünnschicht-Module, die First Solar größtenteils im Werk Frankfurt (Oder) hergestellt hat, allein mit der Kraft der Sonne klimafreundlichen Strom erzeugen. Und damit nicht genug: "Nach 20 Jahren werden wir alle Module kostenlos zurücknehmen und in unserem Werk recyceln", sagte Burghard von Westerholt, Geschäftsführer und Werksleiter der First Solar Manufacturing GmbH Frankfurt (Oder).

Die Freude stand auch dem Bürgermeister von Turnow-Preilack, Helmut Fries, ins Gesicht geschrieben. "Endlich sind wir das Chemielager los, das unser Grundwasser verseucht hat."

Das Duo Platzeck/Tiefensee machte sich unterdessen weiter nützlich und setzte in einem Stromkasten die letzten Sicherungen ein. Unter den mahnenden Worten von Umweltminister Dietmar Woidke (SPD): "Nicht an die blanken Stellen fassen."

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