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Hermann Poll: Bilder aus Licht und Stille

Hermann Poll
Hermann Poll © Foto: Galerie Poll
Peter Liebers / 02.01.2012, 18:17 Uhr - Aktualisiert 02.01.2012, 19:01
Berlin (MOZ) Die staatlich subventionierten Museen setzen mit ihren Ausstellungen gern auf prominente Künstlernamen - Gerhard Richter, Karl Friedrich Schinkel und Präsentationen wie die "Gesichter der Renaissance" stehen dafür. Unverkennbar ist, dass hier die Besucherquote die Programme der Häuser bestimmt. Was nicht die 200 000er-Marke überschreitet, gilt als Fehlplanung. Dessen ungeachtet finden sich in der reichen Galerielandschaft Berlins auch Namen unbekannter Künstler, nehmen die Galeristen die schwierige Aufgabe wahr, junge Generationen zu fördern oder ihnen vorausgegangene neu zu entdecken.

Die Kunststiftung Poll präsentiert seit 1997 in ihren Räumen in der ehemaligen Musikschule in Berlin-Mitte kontinuierlich nicht nur Ausstellungen von Künstlern aus ihren Beständen, sondern auch aktuelle Arbeiten zeitgenössischer Grafiker, Maler, Fotografen und Bildhauer. Eigene wissenschaftliche Projekte gehören zum Verständnis der von dem Anwalt Lothar C.?Poll und seiner Frau, der Galeristin Eva Poll, vertretenen Stiftung. Jüngstes Ergebnis ist die Werkdokumentation des 1902 in Bielefeld geborenen und von 1926 bis 1947 in Berlin beheimateten Malers Hermann Poll. Er ist ein Onkel Lothar C. Polls.

Diese Ausstellung mit Blick auf den 110. Geburtstag des in den 1950er- bis 70er-Jahren in Ausstellungen von Aachen, Düsseldorf bis Tokio vertretenen Malers ist weniger eine Familiengeschichte. Hermann Poll war 1986 zwar ein Gründungsmitglied der Kunststiftung. Vor allem aber war es an der Zeit, den weitestgehend vergessenen Künstler und sein Werk neu zu erschließen und in einer Ausstellung zu präsentieren.

Neben alltäglichen Motiven aus Berlin bis ins Brandenburgische hinein ("Der Teltowkanal bei Berlin", "Drei Kinder im Garten") findet sich hier aufs Glücklichste eine Fortsetzung der Italiensehnsucht deutscher Künstler früherer Jahrhunderte. Vielleicht war der in den 1950er-Jahren in Westdeutschland einsetzende Massentourismus eine Ursache dafür, dass die in ihrer Poesie so überzeugenden Milieustudien und Landschaften Hermann Polls doch den grellen Postkartenmotiven zum Opfer fielen.

Retuschierte Grüße in die Heimat ersetzten die Ursprünglichkeit des Erlebnisses. Für Hermann Poll bildete "die südliche Landschaft das Spannungsfeld zwischen klassischer Antike und christlicher Kultur den Kern seiner künstlerischen Arbeit", so beschreibt Lothar Poll die magische Anziehungskraft von Ischia auf seinen Onkel. Dieser hatte ein Atelier in Forio eingerichtet. Bemerkenswert bleibt, dass sich Hermann Polls in Italien entstandene Arbeiten deutlich von seinen in Deutschland geschaffenen unterscheiden. Auf Ischia widmete er sich der Landschaftsmalerei, in Berlin und Düsseldorf interessierten ihn dagegen Straßenszenen, die in ihrer Detailtreue überzeugen.

Dieser geglückten Wiederentdeckung Hermann Polls wäre zu wünschen, dass ihn Museen in seiner Geburtsstadt Bielefeld, in seinem letzten Lebensort Düsseldorf und in seiner Wahlheimat Berlin wahrnehmen als einen Künstler der, wie der langjährige Direktor der Berlinischen Galerie, Eberhard Roters, meinte, unbefangen gewesen sei sowohl in seiner Weltsicht als auch in dem, "was die eigene Kunst ausmacht, nämlich mit Farbe gemalte Bilder".Peter Liebers

Bis 31.1., Kunststiftung Poll, Gipsstr. 3, Berlin-Mitte, Di-Sa 15-18 Uhr

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