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Deutsches und russisches Museum bereiten Ausstellung vor / Beutekunst wichtiges Thema

Beutekunst: Eberswalder Goldschatz wird gezeigt

In Moskau: Der Eberswalder Goldschatz (hier eine Nachbildung) war seit dem Krieg nicht mehr zu sehen.
In Moskau: Der Eberswalder Goldschatz (hier eine Nachbildung) war seit dem Krieg nicht mehr zu sehen. © Foto: Ralf Roletschek
04.01.2012, 22:42 Uhr
Berlin (dapd) Schon seit Jahren ringen Deutschland und Russland um die Beutekunst. Der Streit um die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Russland gebrachten deutschen Kulturgüter ist festgefahren: Während Deutschland auf das internationale Völkerrecht und eine Rückgabe pocht, erklärte die russische Duma die Objekte kurzerhand zum ständigen Eigentum - Rückgabe ausgeschlossen.

So lange es keine politische Lösung gibt, bemühen sich die Museen zumindest um einen fachlichen Austausch, etwa durch gemeinsame Ausstellungen.

Voraussichtlich Mitte 2013 soll die Schau "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" ebenfalls mit kriegsbedingt nach Russland verlagerten Objekten aus den Staatlichen Museen zu Berlin zu sehen sein. Die Bronzezeit umfasst in Mitteleuropa etwa den Zeitraum von 2200 v. Chr. bis 800 v. Chr. "Wir sind mitten in der Diskussion mit den russischen Kollegen, es geht im Augenblick um Details und wissenschaftliche Fragen: Wie gehen wir an die Bronzezeit ran, welche Räume werden dargestellt, wie schaffen wir eine thematische Gliederung?", sagt der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, Matthias Wemhoff. "Wir kommen damit zu einer ganz intensiven fachlichen Zusammenarbeit."

Dabei ist die Beutekunst ein wichtiges Thema der Ausstellung. "Unser Ziel ist es, möglichst viele bisher nicht sichtbare Stücke aus unserem Bestand, die in Russland lagern, zu zeigen. Und die dann auch zu verbinden mit dem Teil, der bei uns liegt, um erstmals die vollständigen Funde wieder zu zeigen", sagt Wemhoff. Zu den Höhepunkten der Schau werde der Goldschatz von Eberswalde zählen, der seit dem Krieg nicht mehr zu sehen war. Das Berliner Museum hat nur das Gefäß, in dem der Schatz aufbewahrt wurde.

In der Debatte um die Beutekunst ging es lange auch um das Problem, dass Deutschland noch nicht einmal wusste, was in den russischen Depots alles lagert. Zur Vorbereitung der Bronzezeit-Ausstellung bekamen die deutschen Wissenschaftler nun jedoch Zugang zu allen Beständen der Epoche und konnten sich laut Wemhoff "einen sehr guten Überblick verschaffen".

Auf politischer Ebene ist ein vergleichbarer Durchbruch aber noch nicht erreicht. "Das Grundproblem ist einfach noch nicht gelöst, und es ist weiterhin eine Frage der Politik, da einen Weg zu finden", sagt Wemhoff. Dabei gehe es einerseits darum, das russische Empfinden ernst zu nehmen, im Zweiten Weltkrieg viel verloren zu haben. Zugleich müsse Deutschland auf die Einhaltung völkerrechtlich verbindlicher Standards im Umgang mit Kulturgut beharren.

Berlin (dapd) Schon seit Jahren ringen Deutschland und Russland um die Beutekunst. Der Streit um die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Russland gebrachten deutschen Kulturgüter ist festgefahren: Während Deutschland auf das internationale Völkerrecht und eine Rückgabe pocht, erklärte die russische Duma die Objekte kurzerhand zum ständigen Eigentum - Rückgabe ausgeschlossen. So lange es keine politische Lösung gibt, bemühen sich die Museen zumindest um einen fachlichen Austausch, etwa durch gemeinsame Ausstellungen.

Voraussichtlich Mitte 2013 soll die Schau "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" ebenfalls mit kriegsbedingt nach Russland verlagerten Objekten aus den Staatlichen Museen zu Berlin zu sehen sein. Die Bronzezeit umfasst in Mitteleuropa etwa den Zeitraum von 2200 v. Chr. bis 800 v. Chr. "Wir sind mitten in der Diskussion mit den russischen Kollegen, es geht im Augenblick um Details und wissenschaftliche Fragen: Wie gehen wir an die Bronzezeit ran, welche Räume werden dargestellt, wie schaffen wir eine thematische Gliederung?", sagt der Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte, Matthias Wemhoff. "Wir kommen damit zu einer ganz intensiven fachlichen Zusammenarbeit."

Dabei ist die Beutekunst ein wichtiges Thema der Ausstellung. "Unser Ziel ist es, möglichst viele bisher nicht sichtbare Stücke aus unserem Bestand, die in Russland lagern, zu zeigen. Und die dann auch zu verbinden mit dem Teil, der bei uns liegt, um erstmals die vollständigen Funde wieder zu zeigen", sagt Wemhoff. Zu den Höhepunkten der Schau werde der Goldschatz von Eberswalde zählen, der seit dem Krieg nicht mehr zu sehen war. Das Berliner Museum hat nur das Gefäß, in dem der Schatz aufbewahrt wurde.

In der Debatte um die Beutekunst ging es lange auch um das Problem, dass Deutschland noch nicht einmal wusste, was in den russischen Depots alles lagert. Zur Vorbereitung der Bronzezeit-Ausstellung bekamen die deutschen Wissenschaftler nun jedoch Zugang zu allen Beständen der Epoche und konnten sich laut Wemhoff "einen sehr guten Überblick verschaffen".

Auf politischer Ebene ist ein vergleichbarer Durchbruch aber noch nicht erreicht. "Das Grundproblem ist einfach noch nicht gelöst, und es ist weiterhin eine Frage der Politik, da einen Weg zu finden", sagt Wemhoff. Dabei gehe es einerseits darum, das russische Empfinden ernst zu nehmen, im Zweiten Weltkrieg viel verloren zu haben. Zugleich müsse Deutschland auf die Einhaltung völkerrechtlich verbindlicher Standards im Umgang mit Kulturgut beharren.

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Paul 05.01.2012 - 11:51:39

Beute oder Raub- wo ist der Unterschied?

Was ich zum Kringeln finde, wie doch ein und derselbe Tatbestand unterschiedlich benannt wird. Einmal haben wir das verharmlosende Wort „Beutekunst“, welches für Raubgut der Alliierten steht. Und ein andermal das böse Wort „Raubkunst“ welches für Kunstwerke und Kulturgüter verwendet wird, die von den Nazis beschlagnahmt wurden. Und die Sprachregelung findet sich in der gesamten deutschen Presse. Wer das wohl steuern mag?

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