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Ein Gotteshaus in Folie verpackt

Der Posaunenchor spielte zum Neujahrsempfang.
Der Posaunenchor spielte zum Neujahrsempfang. © Foto: Melzer-Voigt
Judith Voigt / 06.01.2012, 17:50 Uhr - Aktualisiert 08.01.2012, 13:19
Walsleben (MZV) Die Gesamtkirchengemeinde Temnitz muss in diesem Jahr wieder tief in die Tasche greifen. Gleich zwei große Sanierungsvorhaben stehen an. Insgesamt 30000 Euro sollen dabei investiert werden.

Ihr Vorsitzender Joachim Pritzkow machte beim ersten Neujahrsempfang der Gesamtkirchengemeinde am Donnerstagabend klar, dass dabei einiges auf die Gemeinde zukommen wird. Die Problemkinder heißen Rägelin und Walsleben.

„Wir müssen den Altar und die Orgel in Rägelin vom Holzwurm-Befall befreien“, sagte Pritzkow. Er rechnet damit, dass dabei Kosten von rund 15000 Euro anfallen werden. Was genau vor Ort geplant ist, präzisierte Frank Pein. Der Gemeindekirchenrats-Vorsitzende von Temnitzquell machte klar, dass auch die Bänke in der Rägeliner Kirche von dem Wurm befallen sind. „Noch in diesem Sommer wollen wir mit der Bekämpfung beginnen.“

Angebote von entsprechenden Firmen habe die Gemeinde bereits eingeholt. Joachim Pritzkow geht davon aus, dass Experten aus Dresden kommen müssen, denn das Gotteshaus soll erst mit Folie luftdicht verpackt und dann mit Gas gefüllt werden, das dann hoffentlich auch den letzten Holzwurm tötet. „Eine Woche muss die Kirche dann ungefähr so stehen bleiben“, sagte Frank Pein.

Es gibt auch schon Ideen, wie zumindest ein Teil der Kosten wieder in die Gemeindekassen gespült werden könnte. „Wer möchte, der kann – so wie ich auch – beispielsweise seinen alten Esstisch in die Kirche stellen“, schlug Pein vor. Dieser könne ebenfalls gleich vom Wurm befreit werden. Der Besitzer zahlt dafür einen kleinen Obolus an die Gemeinde und so haben beide Seiten etwas von dem Geschäft. „Platz genug ist ja“, meinte Pein.

Vor rund zwei Jahren wurde entdeckt, dass der Wurm sich so massiv am Holz der Kirche gütlich tut. „Das Problem war uns schon bekannt, aber erst seitdem wissen wir, wie schlimm es wirklich ist“, so Pein. Daher muss dringend etwas geschehen – aber natürlich auch, weil das Schmuckstück des Gotteshauses unbedingt geschützt werden muss. Dort steht nämlich eine Hollenbach-Orgel – laut Pein die kleinste von insgesamt 100, die einst gebaut wurden.

Neben der „Vermietung“ der Kirchenfläche für Möbelbesitzer gibt es auch Pläne für Benefizkonzerte zugunsten des Gotteshauses. Am 4.März findet der Auftakt dazu statt. Um 15Uhr geht es los. Im Sommer soll es darüber hinaus auch eine Open-Air-Veranstaltung mit Kaffee und Kuchen geben, bei der der Klingelbeutel herumgehen wird.

Doch auch in Walsleben sind die Spendensammler schon eifrig am Werk. Dort muss in diesem Jahr der Glockenturm erneuert werden – auch hier liegen die Kosten bei rund 15000 Euro. Jürgen Berner, dem Gemeindekirchenrats-Vorsitzenden der Ortsgemeinde Walsleben-Kränzlin, liegt dieses Vorhaben besonders am Herzen – schließlich können nur noch zwei der insgesamt drei Glocken des Gotteshauses geläutet werden.

„Der Glockenstuhl stammt noch aus DDR-Zeiten“, erklärte Berner. Nun sei die Statik für die Aufhängung gefährdet. „Durch die Schwingungen der Glocken entsteht die Gefahr.“ Daher sei es notwendig, dass der Stuhl erneuert wird. „Statiker und Glockenbauer sind sich einig, dass dort auf jeden Fall etwas passieren muss“, sagte Berner. Dann soll endlich wieder die große Glocke der Wals-lebener Kirche erklingen. Zusätzliche Streben wurden bereits vor einigen Jahren in das Metallgestell des Glockenturms gesetztin der Hoffnung, dass sich das Statik-Problem dadurch löst. Doch leider blieb diese Sanierung ohne Erfolg. Nun kommt die Gemeinde um eine Komplett-Erneuerung nicht herum.

Viel zu tun für 2012 also – das machte auch Joachim Pritzkow in seiner Festansprache anlässlich des Neujahrsempfangs klar. Doch nach der Spendenbereitschaft nach der Sanierung des Wildberger Kirchturms – bei der letzten Sammlung im Dorf kamen noch einmal 5000Euro zusammen – war sich Pritzkow sicher, dass die neuen Mammutaufgaben gestemmt werden können.

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