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MOZ besucht "geheime Orte": Die Tankstelle an der Anschlussstelle Fürstenwalde-West

Ein Stück Autobahn-Geschichte

Sonja Jenning / 07.01.2012, 07:12 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Geschichtsträchtig und geheim - unter diesem Motto besucht die Märkische Oderzeitung Orte in Fürstenwalde, die in der Historie der Stadt ein Rolle spielten, aber heute nicht öffentlich zugänglich sind. Heute: Die Autobahn-Tankstelle an der Anschlussstelle Fürstenwalde-West.

Auf der A 12 braust der Verkehr in Richtung Hauptstadt. Die wenigsten, die an der Anschlussstelle Fürstenwalde-West vorbeifahren, haben einen Blick für die unscheinbare Tankstelle auf dem Dreieck zwischen der Aus- und Abfahrt steht, übrig. Die wenigsten wissen überhaupt, dass das Gebäude in gelbem Klinker mit dem herzförmigen Dach, das auf vier Säulen ruht, die älteste erhaltene Tankstelle an einer deutschen Autobahn ist.

Errichtet wurde sie 1937 im Zuge des Autobahnbaus durch die Nationalsozialisten. "Sie war die erste ihrer Art und wurde Typ Fürstenwalde genannt", sagt Museumsleiter Guido Strohfeldt. Der Stil der Tankstelle - sachlich und funktional - trägt die Handschrift des Bauhauses und verrät damit eindeutig, dass die Baupläne bereits zu Zeiten der Weimarer Republik entstanden sein müssen. "Diese Architektur war den Nazis ein Dorn im Auge, daher wurde sie im späteren Autobahnbau nicht mehr verwendet", so Strohfeldt weiter.

Heil überstand das Gebäude den Krieg und die Wirren der Nachkriegszeit und wurde als Minol-Tankstelle die einzige Gelegenheit für Autofahrer, sich zwischen Berlin und Polen mit Kraftstoff und Öl zu versorgen. "Damals waren die Zapfsäulen sowohl aus Ost- als auch aus Westrichtung zu erreichen. Mittelplanken existierten nicht", berichtet Guido Strohfeldt. Was heute kurios anmutet, war damals selbstverständlich, und das Abbiegen bei dem geringen Verkehr auf Autobahnen stellte keine besondere Gefahr dar. "Die Zapfsäulen für Pkw standen links und rechts unter den Dachflügeln", erinnert sich Stefan Eichenauer, Chef der benachbarten Autobahnmeisterei, der seit 1988 in Fürstenwalde tätig ist. Trabi und Wartburg tankten ein Gemisch aus Benzin und Öl, außerdem gab es "Super", das damals noch "Extra" hieß, für die Viertakter. Die Dieselzapfsäule stand in der Mitte.

Mit zunehmender Zahl der Autos, vor allem der Lastwagen, nach der Wende, wurde das Linksabbiegen auf der Autobahn dann immer riskanter und Anfang der 90er-Jahre schließlich verboten. Zum Jahresende 1995 wurde auch die Tankstelle geschlossen. Heute steht sie auf einer auf einer stillen Insel inmitten vorbeifahrender Fahrzeuge. Schutzplanken versperren den Weg zu ihr. Auf Druck des Denkmalschutzes wurde das Gebäude zwar vor einigen Jahren saniert. Doch mit seinen vergitterten Fenstern und Türen ist es eine leere Hülle. Im Inneren sieht man kahle Wände, eine schmale Treppe führt in den Keller, wo ein Heizkessel und eine Zapfpistole zurückgeblieben sind.

"Es gab Bestrebungen, das Gebäude doch noch irgendwie zu nutzen", erinnert sich Eichenauer, "ein ADAC-Stützpunkt und die Autobahnpolizei waren im Gespräch." Immer scheiterte es an der Lage, den fehlenden Flächen für Zu- und Abfahrten, die den aktuellen Sicherheitsbestimmungen entsprechen. So ist am einsamen Schicksal des Denkmals wohl nichts zu ändern.

"Schade drum. Es wäre ein guter Standort, um Autobahn-Geschichte zu zeigen", sagt Guido Strohfeldt. "Wir haben alles einbruchssicher gemacht, einmal im Jahr werden die Fenster geputzt - das war's", sagt Stefan Eichenauer. Und so werden die meisten wohl auch in Zukunft ahnungslos an Deutschlands ältester erhaltener Autobahntankstelle vorüber brausen.

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