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Interview: Michael Hirte hat "Supertalent" als Chance gesehen

Der Mann mit der Mundharmonika: Michael Hirte kommt auch nach Eberswalde, Gransee und Erkner.
Der Mann mit der Mundharmonika: Michael Hirte kommt auch nach Eberswalde, Gransee und Erkner. © Foto: dpa
David Sakar / 09.01.2012, 07:51 Uhr
(MOZ) Michael Hirtes Weg vom Straßenmusiker zum mit Gold- und Platin-Platten ausgezeichneten "Supertalent" gleicht einem modernen Märchen. Zurzeit ist er wieder auf Tournee und kommt mit seiner Mundharmonika auch nach Eberswalde, Gransee und Erkner. David Sarkar sprach mit ihm über schwere Zeiten und das aktuelle Album.

Herr Hirte, warum wollten Sie an der RTL-Castingshow "Das Supertalent" teilnehmen?

Ich wollte eigentlich nur ein bisschen entdeckt werden, irgendwo mal ein Lied auf eine CD packen können - aber so, dass man mich dabei am besten gar nicht sieht. Ich habe die Show als eine Chance gesehen. Ich habe mir damals gesagt: "Ich spiele das ,Ave Maria' nur noch ein Mal in der Öffentlichkeit. Wenn dann nichts passiert, spiele ich es nie wieder!"

Sie waren lange arbeitslos aber sagten einmal, Sie seien nie arm gewesen, weil Sie immer die Musik hatten. Was meinten Sie damit?

Die Leidenschaft für die Musik und für ein Instrument kann einem durch schwere Zeiten helfen. Das habe ich selbst erlebt.

Sie sind zurzeit gut im Geschäft. Was bedeuten Ihnen Statussymbole?

Gar nichts.

Bis 1991 haben Sie als Lkw-Fahrer gearbeitet. Nach einem schweren Unfall lagen Sie zwei Monate im Koma. Sie erblindeten auf dem rechten Auge, ein Bein ist seitdem gelähmt. Sie verloren ihren Job. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Da denke ich nicht mehr dran. Ich weiß auch gar nicht so genau, wie das damals alles passiert ist. Ich weiß nur, dass ich heute eben nicht mehr so rumspringen und laufen kann wie damals. Aber auch in so einer Situation muss man sehen, dass es trotzdem weitergeht und muss sich neu orientieren. Und heute habe ich ja einen ganz anderen Beruf als damals.

Nach dem Unfall haben Sie sich viele Jahre in Potsdam als Straßenmusiker durchgeschlagen.

Das war nicht gleich danach. Als ich wieder halbwegs auf den Beinen war, habe ich als Seniorenbetreuer gearbeitet, doch das wurde mit der Zeit immer schwerer. Dann hat der Arzt gesagt, das darf ich nicht mehr. Ich war lange krankgeschrieben, wurde entlassen, bekam Arbeitslosengeld und dann Hartz IV. Da gab es dann auf einmal nichts mehr, keinen Kredit, keinen Vorschuss. Nichts! Also habe ich mich auf die Straße gesetzt und Mundharmonika gespielt.

Auf Ihrer aktuellen Tournee werden Sie von der Straßenmusikerin Simone Oberstein begleitet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich habe Simone 2009 in Düren kennengelernt. In einer Gaststätte, wo ich oft essen gehe, hat sie zwei Tage auf mich gewartet. Wir haben kurz miteinander gesprochen und uns wieder verabredet. Hinterher ist mir eingefallen, dass sie eine Gitarre dabei hatte, und mir bestimmt was vorspielen wollte. Später hat sie sich über die Homepage bei mir gemeldet. Zu dieser Zeit suchten wir eine Frauenstimme für die Weihnachts-Tour 2009. Ich habe mir ihr Video auf ihrer Seite angeguckt, wie sie in Köln auf der Domplatte sitzt und ihre Songs spielt, und gesagt: "Die nehmen wir mit!" Dann habe ich sie angerufen.

Sie stellen auf der Tour Ihr aktuelles Album "Der Mann mit der Mundharmonika 3" vor. Da finden sich Klassiker wie "Midnight Lady", "Über den Wolken", aber auch Kinderlieder. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Songs aus?

Viele der Lieder kenne ich aus meiner Kindheit und Jugend. Wichtig ist aber auch, dass man zu den Liedern gut mitsingen und mitsummen kann. Der Song "Über den Wolken" ist dann mehr so meine eigene Variation des Klassikers über die Faszination, fliegen zu können. Das Original ist sehr schnell, aber die Mundharmonika muss meiner Meinung nach getragen klingen. Also habe ich den Song etwas langsamer gespielt und die Hintergrundmusik ist im Country-Stil angelegt. Ich experimentiere manchmal ganz gern.

Michel Hirte, "May Way"-Tournee: 13.1., 19.30 Uhr, Stadthalle Eberswalde; 14.1., 16 Uhr, Dreifelderhalle Gransee; 15.1., 16 Uhr, Stadthalle Erkner

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