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Angst vor Freitag, dem 13. ist keine Krankheit

Die Angst vor der 13 geht so weit, dass in Gebäuden oftmals der 13. Stock nicht ausgeschildert wird. Bei Flugzeugsitzen wird die 13. Reihe in der Nummerierung ausgelassen. Auch in Hotels wird auf ein Zimmer Nr. 13 verzichtet.
Die Angst vor der 13 geht so weit, dass in Gebäuden oftmals der 13. Stock nicht ausgeschildert wird. Bei Flugzeugsitzen wird die 13. Reihe in der Nummerierung ausgelassen. Auch in Hotels wird auf ein Zimmer Nr. 13 verzichtet. © Foto: dpa
13.01.2012, 08:00 Uhr
Berlin/Monheim (dapd) Die sogenannte Paraskavedekatriaphobie - also die krankhafte Angst vor Freitag, dem 13. - ist nach Einschätzung des Psychologen Peter Beckwermert ein Mythos. "Ein Freitag, der 13., ist dermaßen selten, dass niemand wirklich darunter leidet oder sich gar in Therapie deswegen begibt", sagte Beckwermert der Nachrichtenagentur dapd. Menschen, die glaubten, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall oder Ähnliches an diesem Tag besonders groß ist, seien abergläubisch und keine Phobiker.

Was es durchaus gebe, sei die Angst vor allem, was mit der Zahl 13 zu tun habe. Ein prominentes Beispiel dafür sei der österreichische Komponist Arnold Schönberg (1874-1951) gewesen.

Anders als Menschen, die beispielsweise Angst davor hätten, mit einem Fahrstuhl zu fahren, suchten sich Abergläubische eigentlich nie Hilfe bei einem Psychologen. "Im Gegensatz zum Phobiker, der weiß, dass seine Angst irrational ist, ist der Abergläubische ja der Ansicht, dass seine Angst begründet ist", sagte Beckwermert.

Aberglaube sei ein uraltes Erbe der Menschheit, sagte der Psychologe weiter. Wie auch der Glaube an die Magie sei er früher oft hilfreich bei der Erklärung etwa von Wetterphänomenen gewesen - und für diejenigen, die vermeintlich mit den geheimen Kräften im Bunde standen, ein Machtfaktor. Durch den wissenschaftlichen Fortschritt sei Aberglauben seltener geworden. Vollständig verschwinden werde er aber wohl nie.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat vor einigen Jahren eine Umfrage veröffentlicht, wonach immerhin 28 Prozent der Deutschen der Zahl 13 und 11 Prozent dem Freitag eine besondere Bedeutung beimessen. Immer wieder taucht auch der Begriff Paraskavedekatriaphobie in diesem Zusammenhang auf. Er bezeichnet angeblich in Fachkreisen die Angst vor Freitag, dem 13.

Die Verbindung zwischen dem Freitag und der 13 gibt es nach Recherchen des Volkskundlers Stephan Bachter noch nicht sehr lange. Die erste Erwähnung dieses angeblich Unglück bringenden Tages hat er in einem Buch aus dem Jahr 1950 gefunden, wie er in einer Ausgabe der von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) herausgegebenen Zeitschrift "Skeptiker" schrieb.Unglück kann ja vieles sein - aber zumindest die Unfallzahlen sprechen gegen eine besondere Bedeutung von Freitag, dem 13. Erst vor einigen Tagen veröffentlichte die Techniker Krankenkasse in Niedersachsen eine Statistik der vergangenen vier Jahre. Durchschnittlich wurden an den vermeintlichen Unglückstagen 1.543 Unfälle registriert und damit 3,2 Prozent mehr als an anderen Freitagen - und selbst dieser verhältnismäßig kleine Unterschied sei auf einen einzigen Tag zurückzuführen, an dem es besonders viele Unfälle gegeben habe.

Auch der ADAC konnte bei einer Untersuchung der Verkehrsunfall-Zahlen keine Auffälligkeiten feststellen. Der Freitag sei unter anderem wegen der Pendler generell ein Tag, an dem es häufiger krachte als an anderen, hieß es.Warum nun ausgerechnet der Freitag und die 13 einen so schlechten Ruf haben, hat unter anderem der Volkskundler Gunther Hirschfelder zu ermitteln versucht. Bei einem ebenfalls im "Skeptiker" veröffentlichten Vortrag sagte er einmal, die 13 bekomme ihre Bedeutung dadurch, dass sie knapp aus dem uns vertrauten Zwölfersystem - zwölf Tierkreiszeichen, zwölf Monate, zwölf Jünger Christi - herausfalle.

Der Freitag habe vor allem im Mittelalter eine besondere Bedeutung gehabt. Immerhin sei Christus an einem Freitag gestorben. Eine Umfrage in den 30er Jahren habe jedoch auch ergeben, dass der Freitag zum Beispiel in Teilen Ostpreußens und im südlichen Mainfranken als Glückstag gesehen wurde, in Bayern, im Rheinland und einigen anderen Gegenden dagegen als Unglückstag.

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