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Turm im Fürstenwalder Pintsch-Gelände erinnert an die Produktion von Seezeichen für alle Weltmeere

Turm erinnert an Produktion von Seezeichen für alle Weltmeere

Reste einer großen Vergangenheit: der Stumpf des Leuchtturms, mit dem einst die Firma Pintsch Seezeichen testete, die später irgendwo auf den Weltmeeren der Schifffahrt den Weg wiesen und es zum Teil noch bis heute tun.
Reste einer großen Vergangenheit: der Stumpf des Leuchtturms, mit dem einst die Firma Pintsch Seezeichen testete, die später irgendwo auf den Weltmeeren der Schifffahrt den Weg wiesen und es zum Teil noch bis heute tun. © Foto: moz
Uwe Stemmler / 14.01.2012, 07:54 Uhr - Aktualisiert 16.01.2012, 21:18
Fürstenwalde (MOZ) Geschichtsträchtig und geheim - unter diesem Motto gehen wir in Fürstenwalde mit Guido Stroh-feldt, dem Leiter des Museums, auf die Suche nach Orten, die in der Historie der Stadt ein Rolle spielten, aber heute nicht öffentlich zugänglich sind. Teil 7: Der Leuchtturm auf dem ehemaligen Pintsch-Gelände.

"Wenn jemand eine gute Idee hat, was man damit machen kann, bin ich gern bereit, über die Umsetzung zu reden", sagt Thomas Breitkopf. Gemeint ist der Leuchtturm im ehemaligen Pintsch-Gelände, oder besser gesagt: das, was von dem einstigen über 30 Meter hohen Turm noch übrig ist. Auf einem Foto von 1957 sieht man den stattlichen Bau, der mitten aus einem Fabrikgebäude herausragt, noch in voller Pracht. Die Aufbauten für die Leuchtfeuer sind längst verschwunden, ein Holzdach deckt den Stumpf provisorisch ab.

Breitkopf hat den Turm vor rund vier Jahren gekauft - zusammen mit dem gesamten alten Haus aus gelben und roten Backsteinen. Im vorderen Teil, am Julius-Pintsch-Ring, hat es inzwischen eine moderne Fassade. "Wir haben bisher ein Drittel des Gebäudekomplexes grundlegend saniert", erzählt der Fürstenwalder, "und damit Platz für eine Spielstätte und unseren Firmensitz geschaffen." Gemeint ist die Firma TB Automaten Handels GmbH, deren Prokurist Breitkopf ist. In Brandenburg und Berlin hat sie 17 Standorte - Spielotheken, wie den "Glückspilz" im Pintschring.

Auch einen größeren Teil das noch nicht sanierten Gebäudes nutzt die Firma, vor allem als Lager. In einem der großen Räume war zu DDR-Zeiten die Elektrowerkstatt von Gaselan, jetzt ist sie das Reich des Automaten-Betriebselektrikers Helmut Lehmann. Durch die große Stahltür im hinteren Teil seines Reiches geht er allerdings kaum. Breitkopf hebt den schweren Stahlriegel heraus und schließt sie für uns auf. Dahinter beginnt der Turm.

Taschenlampen weisen den Weg über eine schmale, staubige Treppe mehrere Etagen nach oben. Mächtige Eisenträger bilden die Decke des vorletzten Stockwerkes: Darüber liegt die aufgeschnittene Hülle eines riesigen runden Stahlbehälters. Guido Strohfeldt sagt: "Das war vermutlich der Gas-Tank." An ihm vorbei geht es über eine steile Stiege unters Dach.

Die Aussicht von hier ist prächtig, die Innenansicht ernüchternd: In der Mitte ein dicker Stahlzylinder - offensichtlich der Fuß der einstigen Turmspitze -, an den Wänden ringsum zahllose abgeschnittene Rohre, die provisorische Dachkonstruktion von Nässe durchzogen.

Das Bauwerk, Ende des 18. Jahrhunderts errichtet, war einst der Test-Leuchtturm von Pintsch, erläutert Strohfeldt. Die Firma erhielt 1876 den Auftrag, für die russische Marine Seezeichen zu produzieren, die mit Fettgas beleuchtet wurden. Ab 1877 war die erste Leuchttonne fertig. Das Projekt lief so erfolgreich, dass bald darauf die ganze Welt Seezeichen bei Pintsch bestellte, nicht nur Tonnen sondern bald auch Leuchttürme. Mit seiner Arbeit habe Pintsch die landnahe Schifffahrt erst möglich gemacht, wurde 1912 auf einer See-Konferenz in Philadelphia das Fürstenwalder Unternehmen gelobt, erzählt Strohfeldt.

Pintsch war der Generalauftragnehmer. Die Optik, also die Linsen, die das Leuchtfeuer in der Spitze verstärkten, kamen von Spezialfirmen aus Rathenow oder Goslar. Auf dem Turm wurde ihr Zusammenspiel mit den anderen Bauteilen getestet, ehe es ab auf die Weltmeere ging.

Etwa ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Turm auch für andere Zwecke, als Leuchtfeuer für die aufkommende Fliegerei, genutzt. "Der letzte Leuchtturm wurde 1957 fertiggestellt, Seezeichen baute Gaselan noch bis zur Wende", erklärt Strohfeldt. Der Test-Turm wurde dafür sicher nicht mehr genutzt.

"Irgendwann wollen wir alles sanieren", sagt Thomas Breitkopf. Aber angesichts der Kosten und der fehlenden Idee für die Nutzung ist das sicher ein sehr fernes Ziel.

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