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Bad Freienwalder Schule präsentiert sich beim Tag der offenen Tür / Eltern kämpfen um Zukunft des Lateinkurses

Brecht-Gymnasium erweitert Profil

Bad Freienwalde, 14.1.2012: Tag der offenen Tür Brecht-Gymnasium Freienwalde - hier beim Chemieversuch auf dem Schulhof.
Bad Freienwalde, 14.1.2012: Tag der offenen Tür Brecht-Gymnasium Freienwalde - hier beim Chemieversuch auf dem Schulhof. © Foto: Andreas Karpe-Gora
Christina Schmidt / 16.01.2012, 08:12 Uhr
Bad Freienwalde (cs) Moderne Ausstattung und eine fundierte Ausbildung, dazu Theaterkurs, Musik-AG, Sportgruppen und vieles mehr. Das Gymnasium "Bertolt Brecht" hat viel zu bieten. Nur eines bald nicht mehr, fürchten die Eltern beim Tag der offenen Tür: Einen Latein-Lehrer.

Ein Gymnasium ohne Lateinunterricht? Unmöglich finden viele der aufgebrachten Eltern. Noch ist Pädagoge Hans-Jochen Krank-Hover zwar im Dienst, doch was sein wird, wenn er im Frühjahr 2013 in Ruhestand geht, ist noch offen. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht, muss Schulleiterin Kristina Doerschel die Entscheidung aus dem Schulamt mitteilen. Eine mögliche Alternative wäre das e-Learning, also Lernen in einem virtuellen Klassenraum mittels Computer am heimischen Schreibtisch. Zusätzlich zum Unterricht.

Doch selbst Andrea Weiner, Abgeordnete Schulrätin für Latein, muss vor den Eltern zugeben, dass der "Ersatzlehrer" im Internet die fehlenden Pädagogen vor Ort nicht kompensieren kann. "Es laufen aktuell zwei Kurse mit nur noch fünf Schülern. Die Abbrecherquote ist hoch, weil für viele Berufe das Latinum nicht mehr benötigt wird, die erworbenen Noten nicht ins Abitur eingebracht werden konnten und das Lernen zudem eine hohe Selbstdisziplin erfordert", fasst sie zusammen.

Aber wie weiter? Marco Büchel, Landtagsabgeordneter der Linken und Vorsitzender des Bildungsausschusses in Freienwalde, will sich für "seine" Schule - 2002 hat er hier das Abitur gemacht - einsetzen. "Es war sehr überraschend für mich, dass e-Learning eben doch kein Ersatz ist für Schulen, die keinen Lateinlehrer mehr haben. Mein Ziel ist es, das Gymnasium zu erhalten. Wenn der Lateinunterricht eines der Knackpunkte ist, um die Mindestschülerzahl zu erreichen, dann muss etwas unternommen werden", sagt der Kommunalpolitiker. Schulleiterin Kristina Doerschel ist an die Entscheidungen des Schulamtes gebunden, befürchtet jedoch, dass der fehlende Lateinkurs Auswirkungen auf die Schulanmeldungen hat. Jedes Jahr muss das Gymnasium um Schüler kämpfen. Dass heißt, "wir zittern bis das Einverständnis des Schulamtes kommt", dass die Klassenstärke ausreicht. Die Sorgen bleiben auch in den oberen Klassenstufen, die ebenfalls in Gefahr sind, sollten von den ohnehin wenigen Siebenklässlern einige abspringen. Der Ansatz der Schulleiterin besteht darin, das Profil des Gymnasiums im musikalisch-künstlerischen Bereich zu stärken, ohne dabei die Naturwissenschaften oder Sprachen gänzlich außer Acht zu lassen. Fehlende Unterrichtsangebote müsse man so auszugleichen versuchen.

Dass das Gymnasium auch in diesem Jahr einiges an Anziehungskraft auf Kinder und Eltern ausübt, zeigte sich an den vielen Besuchern, die sich am Wochenende im Schulhaus umsahen. Jeder Fachbereich wurde vorgestellt, Projekte präsentiert und die zahlreichen AGs zeigten ihr Leistungsspektrum. Das überzeugte die zukünftigen Schüler und ihre Eltern. "Die Schule ist meine erste Wahl", sagt Alexia Kehring aus Freienwalde. Das Mädchen hat bereits am Probeunterricht teilgenommen und ist fest überzeugt. "Interessant ist der künstlerische Aspekt", unterstreicht ihre Mutter, die früher selbst hier zur Schule ging. "Die Raumaufteilung ist klasse und für die Manga-AG interessiere ich mich am meisten", schätzt Jan Lorenz ein. Auch er will nach den Sommerferien am Brecht-Gymnasium lernen.

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