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Ende der Enterokokken-Desinfektion im Einzugsbereich Angermünde / ZOWA arbeitet an technischen Veränderungen

Wasserwerk Görlsdorf keimfrei

Riecht wieder frisch: Das Trinkwasser aus der Leitung war wochenlang in den Schlagzeilen. Es enthielt Enterokokken, verursacht durch Mücken.
Riecht wieder frisch: Das Trinkwasser aus der Leitung war wochenlang in den Schlagzeilen. Es enthielt Enterokokken, verursacht durch Mücken. © Foto: Stefan Csevi
Oliver Schwers / 31.01.2012, 07:30 Uhr
Görlsdorf/Gartz (MOZ) Allmähliche Entwarnung für die Trinkwassernetze der Uckermark. Im Kampf gegen die Keimbelastungen haben Reinigungs- und Chloraktionen Erfolg. Jetzt ist auch das Wasserwerk Görlsdorf mit dem Versorgungsgebiet Angermünde wieder enterokokkenfrei.

Drei aufeinanderfolgend Proben waren erfolgreich. Sicherheitshalber wurden noch in Kindereinrichtungen und im Leitungsnetz Tests gemacht. Dann konnte der Zweckverband Ostuckermärkische Wasserbehandlung und Wasserversorgung (ZOWA) das Chloren vor wenigen Tagen aufgeben. Die Aktion lief immerhin seit Mitte November und war vom Gesundheitsamt der Kreisverwaltung angeordnet worden, nachdem Enterokokken für Schlagzeilen gesorgt hatten. "Es ist sehr gut, dass wir die Desinfektion gerade im Wasserwerk Görlsdorf jetzt aufheben konnten", so ZOWA-Chefin Sabine Ambos. "Denn es handelt sich mit der Stadt Angermünde um ein großes Einzugsgebiet, das wir nun wieder normal beliefern."

Die Aufhebung gilt zunächst nur für die Stadt Angermünde mit ihren Ortsteilen sowie die Gemeinde Schöneberg. Ausgenommen ist der Ortsteil Frauenhagen, der über das ebenfalls betroffene Wasserwerk Schönermark versorgt wird. Im ebenso mit Keimen belasteten Wassernetz von Gartz folgen heute die letzten Proben. Man rechnet in wenigen Tagen mit den Untersuchungsergebnissen, so dass dann noch in dieser Woche die Aufhebung der Desinfektion angeordnet werden können. Das trifft auch auf das Wasserwerk Polßen zu. Im Bereich Schönermark hofft der Verband auf eine Entwarnung in der nächsten Woche.

Begünstigend wirkt der anhaltende Frost. Je kälter desto besser die Erfolge der Desinfektionen. Denn ausgelöst wurden die Verunreinigungen in Teilen der Trinkwassernetze der Uckermark durch Mücken. Die hatten sich offenbar durch die anhaltend feuchten Monate der Vergangenheit ausgebreitet, in Filtern und Wasserbehältern festgesetzt, waren an verschiedenen Stellen aufgetaucht und bei regulären Proben in öffentlichen Einrichtungen entdeckt worden.

Neben der großangelegten Reinigungsaktion beim ZOWA sowie auch bei Templiner und Prenzlauer Wasserversorgern sollen die Betreiber nun bis Ende Februar einen sogenannten Maßnahmeplan gegen eindringende Enterokokken erarbeiten. Der Schwerpunkt richtet sich dabei auf das Fernhalten der berüchtigten Mücken. Zurzeit lassen die Versorger bauliche Veränderungen und technische Lösungen prüfen, um das Wasser zu schützen. "Vermutlich werden wir Gazen einziehen", so ZOWA-Chefin Sabine Ambos. "Wir müssen auch genau überlegen, wie wir die Reinwasserbehälter der Wasserwerke dichter machen können."

Das Problem trifft nicht nur die Uckermark. Inzwischen suchen Amtsärzte in ganz Brandenburg und darüber hinaus nach auffälligen Mücken in Wasseranlagen. So läuft die Desinfektion der mecklenburgischen Wasserwerke Papendorf und Koblentz zurzeit weiter. Die dort angeschlossenen uckermärkischen Orte Wilsickow und Grimme erhalten immer noch gechlortes Trinkwasser.

Weitere Anfragen an den ZOWA Schwedt unter der Telefonnummer 03332 26650.

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Ing. Claussen 31.01.2012 - 13:13:34

Chemische Keule für verkeimtes Trinkwasser

Erst wenn die Spülung oder thermische Desinfektion des Trinkwassersystems ohne Erfolg war, ist die chemische Desinfektion zulässig. Dabei herrscht immer ein Minimierungsgebot (minimaler und zeitlich begrenzter Einsatz). Zur chemischen Desinfektion dürfen nur für diesen Anwendungsfall zugelassene Mittel verwendet werden. Das Zudosieren solcher Produkte muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Während der chemischen Desinfizierung herrscht ein Nutzungsverbot an allen Zapfstellen. Bei der Stoßdosierung als auch bei der kontinuierlichen Zudosierung müssen die Grenzwerte an allen Zapfstellen eingehalten werden. Dies ist durch Messungen zu dokumentieren. Die eingesetzten chlorhaltige Produkte können verschiedene Rohrwerkstoffe (z.B. verzinkte Leitungen) an ihrer Oberfläche angreifen und zu späteren Korrosionsschäden führen. Die Inhaber einer Wasserversorgungsanlage dürfen Trinkwasser, dem chemische Aufbereitungsstoffe zugesetzt worden sind, nicht als Trinkwasser abgeben, somit nicht zur Verfügung stellen. Und generell ist eine Sanierung des Trinkwassernetzes nach einer chemischen Zudosierung nur eine Frage der Zeit!

Jochen aus dem Angermünder Umland 31.01.2012 - 11:18:41

keimfrei mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln

Das Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz schmeckt mir gar nicht mehr. Es riecht merkwürdig und ist auf keinen Fall frisch. Ursache dafür sind die zahlreichen Reinigungs- und Chloraktionen. Weiterhin steht das Trinkwasser tagelang in den Rohren. Neuerdings hole ich mir frisches Quellwasser zum trinken.

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