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Machtkampf bei Douglas

Eine Verkäuferin uebergibt in einem Parfuemeriegeschaeft der Douglas Holding AG in Essen einer Kundin eine Einkaufstuete
Eine Verkäuferin uebergibt in einem Parfuemeriegeschaeft der Douglas Holding AG in Essen einer Kundin eine Einkaufstuete © Foto: dapd
06.02.2012, 15:03 Uhr
Hagen (dapd) "Mit Douglas macht Schenken mehr Spaß", hieß lange Zeit der Werbespruch der Hagener Parfümerie-, Schmuck- und Buchhandelskette Douglas. Doch der Spaß dürfte der Gründerfamilie Kreke in den vergangenen Wochen mehr und mehr vergangen sein. Denn bei dem Verkäufer von Duftwässern und Preziosen laufen derzeit nicht nur die Geschäfte schlechter als erwartet. Mit dem Drogerie-Unternehmer Erwin Müller drängt außerdem ein unerwünschter Großaktionär in den Konzern und könnte durch Aktienkäufe schon bald über ein Veto-Recht bei wichtigen Entscheidungen verfügen.

Bisher wurde der Kurs der Hagener Handelskette, zu der neben den Douglas Parfümerien unter anderem die Thalia-Buchhandlungen und die Christ-Juweliergeschäfte gehören, von den Gründerfamilien Kreke und Eklöh sowie dem ihnen verbundenen Großaktionär Oetker gelenkt. Zusammen sollen sie über 50 Prozent der Aktien der Handelskette kontrollieren.

Doch seit 2009 ist Müller dabei, seine Macht bei dem Hagener Unternehmen Schritt für Schritt auszubauen. Schon heute hält er mehr als zehn Prozent der Douglas-Aktien. Jetzt hat er sich nach eigenen Angaben außerdem Optionen für weitere 15,55 Prozent der Aktien gesichert. Dies könnte dem Ulmer Unternehmer zu einer Sperrminorität verhelfen, mit der er wichtige Entscheidungen blockieren kann.

Über das Ziel von Müller lässt sich angesichts der Verschwiegenheit des Selfmade-Millionärs nur spekulieren. Schon bei seinem Einstieg bei Douglas im Jahr 2009 hatte er angekündigt, in Einkauf und Logistik mit Douglas zusammenarbeiten zu wollen, um Synergien zu heben. Doch hatte ihm Douglas-Chef Henning Kreke die kalte Schulter gezeigt.

Will Müller, der in den vergangenen Jahrzehnten praktisch aus dem Nichts Deutschlands viertgrößte Drogeriemarktkette aufbaute, diesem Wunsch mit einem größeren Aktienpaket nur mehr Nachdruck verleihen? Oder will er davon profitieren, dass die Gründerfamilie Kreke kürzlich Überlegungen zur Aufstockung des eigenen Anteils am Unternehmen bekanntgab, und sein zusammengekauftes Paket mit Gewinn weiterreichen?

Der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg glaubt weder das eine noch das andere. Seiner Meinung nach hat Müller viel ehrgeizigere Pläne: "Müller ist ein Vollblutunternehmer, dem es bestimmt ein persönliches Vergnügen bereitet, in den Wettstreit mit dem aktuellen Douglas-Management zu treten. Ich vermute, dass alles außer einer vollständigen Kontrolle keine attraktive Perspektive für ihn ist. Dass die aktuellen Eigentumsverhältnisse ihm das im Moment nicht erlauben, dürfte er als sportliche Herausforderung betrachten", sagte der Branchenkenner.

Allerdings hätte hier das Bundeskartellamt auch noch ein Wörtchen mitzureden. "Eine Beteiligung von 25 Prozent müsste zur Prüfung vorgelegt werden", sagte Kartellamtssprecher Kay Weidner. Sogar schon unterhalb dieser Schwelle könne der Fall kontrollpflichtig werden, wenn das Engagement wettbewerblich erheblichen Einfluss entfalte.

An der Börse sorgte der sich anbahnende Machtkampf bei Douglas trotz aller damit verbundenen Unsicherheiten zunächst für ein Kursfeuerwerk. Die Aktie der Parfümeriekette gewann bis zum Mittag mehr als fünf Prozent an Wert.

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