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Untere Naturschutzbehörde der Uckermark lässt Flächen über Ausgleichsmittel von Investoren entsiegeln

Kataster für die Abrissbagger

Leere Hallen eines nicht mehr existierenden Betriebes in Zichow: Überall in der Uckermark gibt es solche Objekte. Mit einem Ausgleichskataster für Investoren will die Kreisverwaltung die Beseitigung der Schandflecke unterstützen.
Leere Hallen eines nicht mehr existierenden Betriebes in Zichow: Überall in der Uckermark gibt es solche Objekte. Mit einem Ausgleichskataster für Investoren will die Kreisverwaltung die Beseitigung der Schandflecke unterstützen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 07.02.2012, 07:22 Uhr
Prenzlau (MOZ) Ungenutzten Altbauten, Schandflecken und Bausünden aus der Vergangenheit geht die Uckermark an den Kragen. Mit dem Geld von Investoren sollen versiegelte Flächen wieder grün werden. Dazu gibt es jetzt ein kreisweites Ausgleichskataster.

Wo die Natur unter zentimeterdickem Beton verschwand, wächst kein Grashalm mehr. Überall in der Uckermark stehen auch mehr als 20 Jahre nach der Wende ungenutzte Bauten herum, die niemand mehr benötigt. Stillgelegte Betriebe, leere Baracken, unbrauchbare Ställe oder aufgegebene Straßen verschandeln vielerorts den Anblick.

Doch die untere Naturschutzbehörde der Uckermark sieht durchaus eine Chance, die teils verwahrlosten Flächen wieder zu begrünen. Und zwar mit dem Geld von Investoren. Die müssen bei Neubauten einen Ausgleich für Eingriffe in die Natur schaffen. Bisher zahlten Unternehmen in einen Fonds ein, aus dem dann Naturschutzprojekte finanziert wurden.

Die Uckermark geht einen anderen Weg. Investoren, die neue Flächen durch ihre Anlagen oder Bauwerke dauerhaft versiegeln, sollen unkompliziert die Möglichkeit haben, die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen schnell abzuarbeiten. Dazu hat die Kreisverwaltung bereits 2010 begonnen, ein sogenanntes Ausgleichskataster zu schaffen. Darin enthalten sind die verschiedensten Projekte, Abrissvorschläge oder Neupflanzungen in Stadt und Land. "Das ist gewissermaßen eine Angebotsplanung", erläutert Harald Wendt, Sachgebietsleiter der unteren Naturschutzbehörde der Uckermark. Das hat gleich mehrere Vorteile: Erstens wird der Investor in die Lage versetzt, den Einsatz seiner Gelder selbst zu steuern und nachzuvollziehen. Zweitens funktioniert es schneller und einfacher als über einen zentralen Fonds des Landes. Und drittens kann der Landkreis mit den Geldern auch gezielte Vorhaben in der Region unterstützen und sogar vorantreiben.

In der Praxis funktioniert das so: Betreiber von Windkraftanlagen zum Beispiel, die neue Strommühlen in die Landschaft stellen und damit Flächen versiegeln sowie das Landschaftsbild beeinträchtigen, suchen sich in dem Kataster geeignete Projekte heraus, die sie selbst nach Absprache mit den Grundeigentümern oder den Kommunen in Auftrag geben. Dabei kann es sich ebenso um einen Stallabriss handeln wie um eine Neupflanzung von Schutzgehölzen.

Möglichkeiten gibt es genug. Der Landkreis hat alle Ämter und Gemeinden nach ihren Wünschen befragt. Die meldeten alte Fundamente, leere Gebäude, Betonflächen, Bitumenwege, aber auch Artenschutzprojekte und Dorfteichsanierungen. Selbst Privatleute, die finanziell nicht in der Lage sind, ein großes Gebäude zu entfernen, können sich eintragen lassen. Voraussetzung für alle Vorhaben: An gleicher Stelle darf nicht mehr gebaut werden. Das sichert später eine Grunddienstbarkeit im Grundbuch.

"Die Resonanz ist gut", sagt Harald Wendt. Es gab bereits erste Entsiegelungsarbeiten. Außerdem will der Kreis die Verbindung zu den Wasser- und Bodenverbänden herstellen. Denn die haben meist Probleme, bei der Entschlammung von Dorfteichen den notwendigen Eigenanteil der Finanzen sicherzustellen. In diesem Jahr baut die Kreisverwaltung den Kontakt mit der Wirtschaft aus.

Auch im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin existiert ein eigenes Kataster für die Beräumung von Siedlungsresten und Schandflecken in der Natur und in der Landschaft.

Vor allem kleine Dörfer hoffen jetzt, dass sich schneller Investoren finden lassen, die ihnen bei der Begrünung von Grundstücken oder bei der Entsiegelung helfen.

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