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Tanzen wie die Prärieindianer

Szene vom Pow Wow im Februar 2010 in Hohen Neuendorf (Oberhavel).
Szene vom Pow Wow im Februar 2010 in Hohen Neuendorf (Oberhavel). © Foto: Weißapfel
Rene Wernitz / 10.02.2012, 16:20 Uhr - Aktualisiert 10.02.2012, 22:17
Rathnenow (MZV) 23. Ostdeutsches Winter-Pow-Wow am 25. Februar in Rathenow

Wer hat nicht als Kind davon geträumt, einmal durch die amerikanische Prärie zu reiten und mit Winnetou Blutsbrüderschaft zu schließen. Auch Jens-Peter Reibsch war als 14-Jähriger fasziniert von der Welt der Indianer. Die Begeisterung ist bis heute geblieben. Mindestens einmal im Jahr lebt der Familienvater seine Faszination für die indianische Kultur auf einem Pow Wow aus.

„Ich habe mir die Ideale der Indianer zu eigen gemacht“, erzählt Jens-Peter Reibsch. Als Jugendlicher träumte er davon, so zu leben wie seine Vorbilder. Mit 20 Jahren hat er sich diesen Traum erfüllt. 1991 zog er nach Rhinow auf den Floringshof, es ist bis heute das Zuhause der vierköpfigen Familie. Zum Leben des 41-Jährigen gehören seit 20 Jahren auch Besuche so genannter Pow Wows. Diese indianischen Kulturfeste entwickelten sich in den 60er Jahren in den USA und waren für die Ureinwohner Amerikas eine Art Identitätswiederfindung. „Mit den alten Indianergeschichten, die wir aus Büchern und dem Fernsehen kennen, hat das nichts zu tun.“

Im Ursprung entstanden Pow Wows aus den Erzählungen der Krieger der nördlichen Prärieindianer, die ihre Heldentaten in Form von Tänzen darstellten. Singen und tanzen, Ehrungen und das Verschenken an Bedürftige sind uralte indianische Traditionen, die heute auf den Pow Wows in den USA und Kanada weitergelebt werden. Diese Tanzfeste verbinden eindrucksvoll die alten Traditionen der Ureinwohner Nordamerikas mit der heutigen Zeit.

In erster Linie seien es Feste für die Familie, erklärt Reibsch. Im Mittelpunkt stehen Tanz und Musik, mehrere Generationen bewegen sich in schrillen, bunten Kostümen zu Gesang und Trommelklängen, es gibt verschiedene Wertungs-, Show- und Mitmachtänze. „Moderne Indianer eben“, so Reibsch.

Pow Wow steht für Lebensfreude und diese soll auch zum 23. Ostdeutschen Winter Pow Wow im Mittelpunkt stehen. Eröffnet wird das Fest am 25. Februar um 13 Uhr in der Havelland Halle mit dem Einmarsch der Tänzer. Erwartet werden dazu zwischen 80 und 100 Aktive, die die Fahnen ihrer jeweiligen Herkunftsländer tragen. Bisher haben sich Teilnehmer aus Tschechien, Polen, England, Schweden und Russland angemeldet. Allerdings könne man kaum vorhersagen, wie viele und von wo die Tänzer kommen, da sich längst nicht alle anmelden. Es gebe immer Überraschungsgäste, erklärt Reibsch, der dieser Tage mit der Organisation der Veranstaltung beschäftigt ist. Ziel ist es, gemeinsam zu singen und zu tanzen und die Indianische Kultur zu ehren. Nachdem Einmarsch folgen zahlreiche Tanzwettbewerbe, im Wechsel mit Tänzen für jedermann.

Auch Besucher sind eingeladen, sich zu den rhythmischen Trommelklängen und den Gesängen verschiedener Bands zu bewegen. „Die Arena ist immer offen, ob verkleidet oder nicht, ob im Rollstuhl oder mit Krücken, jeder ist willkommen.“ Von Beamten, über Rechtsanwälten und Hobbyindianer seien sämtliche Berufsschichten bei diesem bunten Tanzspektakel vertreten. „Wir sind nicht anders, wir leben nur anders“, erklärt Reibsch mit einem Lächeln. Mit „wir“ meint er auch die Bewohner des Rhinower Floringshofs, die bei der Organisation des Festes mithelfen. Genau wie Pater Bernhard Venzke aus Leipzig, mit dem Reibsch seit Jahrzehnten befreundet ist und die Leidenschaft für Pow Wows teilt. „Ich mache das, weil ich hier gern lebe und etwas zurückgeben möchte.“ Deshalb habe man auch die Eintrittspreise so gering wie es geht gehalten, so soll vielen Bürgern die Möglichkeit geboten werden, an diesem einzigartigen Kulturerlebnis teilzuhaben.

Es ist bereits das zweite Pow Wow in Rathenow. Die Premiere von 2002 hat Reibsch in sehr guter Erinnerung: „Ich war begeistert, wie gut das Fest angenommen wurde.“ Auch dieses Mal laufe die Zusammenarbeit im Vorfeld, zum Beispiel mit der Stadtverwaltung, sehr gut. Unter anderem half die Stadt bei der Unterbringung zahlreicher Gäste.

Alle Besucher, egal ob sie als Kind Indianerhäuptling spielten oder sich zum ersten Mal mit dieser Kultur beschäftigen, dürfen sich neben verschiedensten Tänzen auf interessante Einblicke in die Tradition moderner Indianer des 21. Jahrhunderts freuen.

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