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Zwei Schwedter Löschzüge trainieren den Ernstfall / Feuerwehr warnt eindringlich vor Betreten der Eisflächen

Jochen aus dem Eiswasser gerettet

Jörg Matthies / 19.02.2012, 08:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen wurden am Donnerstagabend Kameraden der Löschzüge 1 und 10 der Schwedter Feuerwehr. Sie wurden um kurz vor 17 Uhr zu einem Eisunfall auf der Kiesgrube Vierraden gerufen - zwei Personen waren eingebrochen.

17 Wehrleute mit vier Fahrzeugen rücken aus. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Es handelt sich um eine Übung, die realitätsnah vorbereitet wurde (das Szenario kann es derzeit täglich geben). "Zwei Personen im Eis, eine klammert sich am Eis fest, vermutlich eine weitere unter der Eisdecke", gibt Einsatzleiter Marcel Curt die Lage bekannt und teilt einzelnen Trupps ihre Aufgaben zu. Schon bei der Anfahrt hatte sich ein Feuerwehrmann mit einem Überlebensanzug ausgerüstet, der ihn vor dem kalten Wasser schützen soll. "Das ist bei einer Alarmierung mit diesem Stichwort Standard, damit wir sofort wirken können", sagt Curt.

Etwa 25 Meter vom Ufer entfernt ruft Thomas Dröse - er hat die Übung geplant und mimt jetzt selbst den Verunglückten - laut um Hilfe und klammert sich krampfhaft am Eis fest. Mit Steckleiter und Schleifkorbtrage macht sich Marcel Stargardt im Überlebensanzug auf den Weg zu ihm und erreicht mühsam den inszenierten Unfallort. Behutsam und zügig lässt er die Trage unter den Verletzten gleiten und gibt zu den am Ufer bereitstehenden Kameraden die klare Anweisung, diese zum Land zu ziehen. Etwa 20 Minuten nach dem Notruf ist die erste Rettung geglückt.

Doch der Gerettete gibt den Feuerwehrleuten eine neue Aufgabe: "Mein Freund Jochen ist untergegangen, er war einfach weg." Der Nahbereich um die Einbruchstelle wird abgesucht - erfolglos. "Wir bereiten die Stelle für einen Taucheinsatz vor: Ausleuchtung, Sicherung des Eisloches mit Steckleiterteilen", gibt Marcel Curt Anweisungen. Bei solchen Einsätzen würden im Realfall Taucher der Polizei, der Feuerwehr oder einer Hilfsorganisation hinzugezogen. Hier in der Region aber gibt es derzeit keine aktive Einsatz-Tauchgruppe.

Dann schlüpft Thomas Dröse, bei einer Berufsfeuerwehr auch entsprechend ausgebildet, in die Rolle des eintreffenden Tauchers. "Uns geht es bei der Übung nicht primär um das Tauchen, aber wenn die Kameraden alles aufgebaut haben, soll dies auch von Erfolg gekrönt sein", sagt Dröse, nachdem der untergegangene Jochen (so haben die Wehrleute die Übungspuppe getauft) wieder an die Oberfläche geholt ist. "Beide Personen würden dem Rettungsdienst übergeben werden, der dann die weitere Versorgung übernehmen würde", ergänzt Einsatzleiter Curt.

Das Eis an der Einsatzstelle ist 15 bis 20 Zentimeter dick, das Wetter optimal für solche Übungen. Trotzdem rät Thomas Dröse im Namen aller Feuerwehrleute dringend davon ab, das Eis jetzt noch zu betreten: "Niemand gibt im Land Brandenburg die Eisflächen frei. In den Gewässern herrschen unterschiedlichste Bedingungen, Strömungen oder offene Zuflüsse, die das Eis und dessen Dicke stark beeinflussen.Und die Plusgrade lassen das Eis schnell auftauen." Das Tauwetter und das Aufbrechen der Flüsse bergen derzeit große Gefahren. "Also: Lieber die Füße vom Eis lassen und sich auf den Frühling freuen", scherzt Übungsleiter Thomas Dröse.

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