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Zivi-Nachfolger seit Juli 2011 im Einsatz / Nachfrage verlagert sich vom Pflege- zum Bildungs- und Erziehungsbereich

Noch gibt es nicht genug "Bufdis"

Ellen Werner, Olav Schröder / 19.02.2012, 19:59 Uhr
und Olav Schröder Bernau/Eberswalde (MOZ) Vom "Bufdi"-Boom ist die Rede. Bundesweit ist der Zivi-Nachfolger so begehrt, dass die Bundesregierung das Limit von 35 000 Plätzen im Bundesfreiwilligendienst erreicht sieht. Pflege- und Wohlfahrtsverbände sehen im Barnim dagegen noch deutlich Spielraum nach oben.

Um Melanie Tegge scharen sich eine Reihe von Kindern. Seit dem 1. Dezember ist die 18-Jährige in der Bernauer Kita Rappelkiste im Bufdi-Einsatz. Sie hilft beim An- und Ausziehen, spielt mit den Kindern und liest ihnen vor. Noch bis zum 31. Juli wird sie in der Kita tätig sein. Eines haben die wenigen Wochen bereits gezeigt. Der Umgang mit Kindern liegt ihr. Und sie ist mit Herz und Seele dabei.

Seit Juli 2011 gibt es den Bufdi, wie Eingeweihte den Bundesfreiwilligendienst schnell nannten. Im Barnim sind 37 Freiwillige, davon 26 unter 27-Jährige, in insgesamt 23 Einrichtungen im Einsatz. Die weisen ein breites Spektrum auf - vom Arbeitslosenservice über die Förderschule für Geistigbehinderte bis zu Suppenküche und Zoo, die beide mit je vier Bufdis die Liste anführen. Männer stellen mit 24 den größten Anteil.

Einer von ihnen ist der 33-jährige Alexander Bema. Er ist für die Umweltbildungsstätte "Kräuterpott" auf der Schlossanlage Börnicke im Einsatz. Im Gegensatz zu Melanie Tegge ist er viel mit Recherchearbeiten am Schreibtisch beschäftigt. Das Themenspektrum ist breit, es reicht von der Historie der Anlage bis hin zu Nachforschungen über regionale Pflanzen- und Tierarten. Die Informationen fließen in die Natur- und Umweltbildung ein, der sich der Förderverein Schloss-Arche verschrieben hat. Ein Teil seiner Zeit ist Alexander Bema auch im Kräutergarten beschäftigt. Er hat sich diese Aufgabe aus der Arbeitslosigkeit heraus gesucht und will so seine Chancen auf einen Arbeitsplatz steigern.

Christofer Rieck ist seit einem halben Jahr dabei. In der Eberswalder Klinik ist er der einzige. Hätte der Bufdi nicht den Zivildienst abgelöst, wäre er trotzdem zur Stelle. "Ich wollte ursprünglich ein Freiwilliges Soziales Jahr machen", sagt er. "Weil ich einen Eindruck bekommen wollte, wie ein Krankenpfleger arbeitet."

Als Bundesfreiwilliger sieht die Vergütung etwas besser aus als beim früheren Zivildienst. Gerade wenn man sich bei der Berufswahl noch nicht sicher ist, gilt der Freiwilligendienst unter jungen Leuten als "Topsache", wie er sagt.

"Wir hätten gern mehr", sagt Andreas Gericke, Sprecher der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG). Abgesehen davon, dass die Bundesregierung nun den Deckel über das Bufdi-Kontingent geschoben hat, gibt es einen zweiten Grund. "Die wenigsten haben sich bislang fürs Arbeiten im Krankenhaus entschieden", sagt Gericke.

Andere Träger in der Pflege und Wohlfahrt bestätigen das. Zu Zivi-Zeiten - bis 2010 wurden bundesweit jährlich 90 000 Dienstleistende gezählt - waren die jungen Männer vor allem in der Kranken- und Altenpflege tätig. Jetzt, wo sich Frauen und Männer sogar ohne Altersgrenze als Bufdi melden können, fehlen dennoch die Bewerber.

Im Niederbarnim sind derzeit zwölf Bufdies im Einsatz, und zwar in Bernau beim Arbeitslosenservice (1), in der Integrationskita Rappelkiste (1) und in der Umweltbildungsstätte Kräuterpott der Schloss- und Gutsanlage Börnicke (2). In Biesenthal ist die Jugendeinrichtung Kulti mit einem Bufdi vertreten. In der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein in Werneuchen sind es drei und in der Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung, dem Haus Barnimer Feldmark in Werneuchen, ist es wiederum ein Freiwilliger. In Wandlitz leistet jeweils ein Bufdi in der Kita Pusteblume und in der Waldschule Bogensee den Freiwilligendienst. In der Kita Löwenzahn in Eichhorst, Gemeinde Schorfheide, ist eine Stelle vergeben. Bei der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal sind drei Stellen besetzt. Die Verteilung zeigt, dass auch in der Region vor allem Bildung und Erziehung als Einsatzbereiche gefragt sind.

Dass es bei diesen Zahlen nicht bleibt, zeigt die Umweltbildungsstätte Kräuterpott in Börnicke. Wie Dagmar Stottmeister von der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft Steremat sagt, werden auf dem Kinderbauernhof ab März insgesamt drei Bufdis im Einsatz sein. Julia Kowski (29) kommt dann hinzu. Ihr Tätigkeitsbereich ist der Garten. Sie will die Zeit als Vorbereitung auf den Beruf nutzen.

Die bislang geringere Nachfrage nach Stellen in der Kranken- oder Altenpflege schlug sich zunächst auch bei der Hoffnungsthaler Stiftung Lobetal nieder. Doch nach der eher schleppenden Anfangsphase hat sich das inzwischen geändert. "Sehr zufrieden sind wir mit der gegenwärtigen Nachfrage", kann Personalreferent Joerg Lenz sagen. Dass völlig offen ist, wann der Bund wieder Freiwillige einstellt, bedauert er. "Wir hoffen sehr, dass zeitnah wieder Mittel zur Verfügung stehen."

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