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Pilotprojekt des Landesmusikrates für alle uckermärkischen Grundschulen / "Jedes Kind kann singen"

Neuer Mut zum Liedgesang

Workshop für Musikunterrichtende am 18.02.2012 im Schloss Kröchlendorff.
Workshop für Musikunterrichtende am 18.02.2012 im Schloss Kröchlendorff. © Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 20.02.2012, 08:35 Uhr
Kröchlendorff (MOZ) Der Gesang ist in Gefahr. Besonders bei Schulkindern. Sie schämen sich irgendwann, einfach ein Lied anzustimmen. Zu dieser Einschätzung kommt der Landesmusikrat Brandenburg. Jetzt ist in der Uckermark ein Pilotprojekt angelaufen. Zur Stärkung des Singens.

Sie stehen auf Socken im Gartensaal des Kröchlendorffer Schlosses, schütteln die Hände, klatschen sich auf die Oberschenkel, brummen und summen und geben auch sonst recht verwunderlich anmutende Laute von sich. Die 27 Lehrer aus 16 uckermärkischen Grundschulen üben mit einer gehörigen Portion Humor das Singen, das Singen-Lehren und alles was dazugehört. Sie sind gewissermaßen die Vorreiter zur Rückkehr des fröhlichen Gesangs in allen Klassenzimmern.

Denn der ist in Gefahr. Nach Angaben des Landesmusikrates Brandenburg geht der Mut, einfach ein Liedchen anzustimmen, immer mehr verloren. Schulkinder finden es plötzlich albern. Eltern schieben lieber eine CD in den Recorder, anstatt gemeinsam mit dem Nachwuchs zu trällern. Und erschreckend vielen Lehrern fehlt einfach die Sicherheit im Umgang mit Stimmbildung oder Atemtechnik. "Und dann stirbt der Gesang im Unterricht ganz weg", schlussfolgert Wiebke Dürholt vom Landesmusikrat.

Eine Umfrage unter den 36 Grundschulen der Uckermark bestätigt die Vermutung, dass der Gesang mehr und mehr ins Hintertreffen gerät. Zwar bekommt der Landkreis bei der Ausstattung mit ausgebildeten Musiklehrern recht gute Noten, doch stehen einige kurz vor der Pensionierung. Die meisten Pädagogen müssen aber mindestens fünf Fächer unterrichten. Da geht die Beschäftigung mit dem Gesang verloren. "Die Unsicherheit, vor Kindern zu singen, wächst", sagt Wiebke Dürholt.

Hinzu kommt das Schamgefühl. Vermutlich beim Übergang vom Kindergarten, in dem in der Regel ausgiebig geträllert wird, zur Grundschule verschwindet ein Stück des Mutes für das zwanglose Liedchen. Kinder verstecken sich plötzlich hinter symbolischen Mikrofonen, wenn sie vor der Klasse singen. Manche unterlassen es ganz. "Dabei ist der Gesang der ursprünglichste Ausdruck von Stimme schon bei Babys", meint Wiebke Dürholt.

Also soll die Uckermark wieder erklingen. Das jedenfalls erhoffen sich der Landesmusikrat, die Universität Potsdam und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Mit einem gemeinsamen Projekt unter dem Titel "Belcantare Brandenburg - Jedes Kind kann singen" wollen sie Lehrer aller Grundschulen im Landkreis langfristig befähigen, ihrer Stimme auch musikalischen Ausdruck zu verleihen. An zwölf Fortbildungstagen innerhalb von zwei Jahren erfahren sie in der Praxis, wie die Stimme gelockert wird und der Mund geöffnet. Es geht um Atemtechnik, um Rhythmus, um Singqualität und Sicherheit. Jeder Lehrer bekommt einen Trainer zur Seite, der bei Bedarf auch mit in die Schule und in den Unterricht kommt und hilft, die Theorie umzusetzen. "Wenn das Singen für Lehrkräfte selbstverständlich geworden ist, werden sie auch nicht mehr komisch von der Seite angesehen", sagt Projektkoordinatorin Wiebke Dürholt. "Nur so findet das Singen Eingang in den Unterrichtsalltag."

Nur 16 der 36 Grundschulen nutzen das kostenlose Weiterbildungsangebot, das den Teilnehmern ganz offensichtlich außerordentlichen Spaß bereitet. Auch wenn es die Freizeit beschneidet. Einige Schulen haben gleich drei Lehrer geworben, andere gar keinen geschickt. 2013 wollen die Gesangspioniere auf einer Abschlussveranstaltung auftreten.

Kontakt für Anfragen oder Anmeldungen: Belcantare Brandenburg, Tel. 0331 9678900.

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