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Sammler Tobias Bank zeigt auf Burg Beeskow Plakate aus der DDR

"Schütze Deine Arbeitskraft"

Plakate aus der DDR. Der Geschichtsstudent Tobias Bank gibt Einblicke in seine Sammlung, die ab Sonnabend auf der Burg Beeskow zu sehen ist
Plakate aus der DDR. Der Geschichtsstudent Tobias Bank gibt Einblicke in seine Sammlung, die ab Sonnabend auf der Burg Beeskow zu sehen ist © Foto: Karl-Heinz Arendsee
Ruth Buder / 20.02.2012, 20:40 Uhr - Aktualisiert 20.02.2012, 20:41
Beeskow (MOZ) Plakate zum Arbeitsschutz in der DDR sind ab kommenden Sonnabend auf der Burg Beeskow zu sehen. Sie stammen aus der Sammlung von Tobias Bank, der vor einem Jahr bereits mit Plaketten und Medaillen vor Ort war.

„Vorsicht beim Umgang mit Propan - Eisenbahner verhütet Brände“ oder „Fahre lieber etwas früher“ - so liest es der Betrachter auf den Plakaten, die die Menschen mahnen, vorsichtig zu sein - ob in der Arbeitswelt oder im Straßenverkehr. Was freischaffende Gebrauchsgrafiker im Auftrag des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), der Deutschen Werbeagentur (DEWAG) oder der Staatlichen Versicherung in der DDR erschufen, ist in der Ausstellung „Unterm Dach“ zu sehen. Alle Plakate sind unter Glas. „Das muss sein, weil die Leute sie gerne anfassen“, sagt Tobias Bank. Dem 26-jährigen Geschichtsstudenten aus Wustermark gehören die Plakate. Er hat sie mitgenommen, wenn andere sie wegwerfen wollten, und aufgehoben. Damals habe er sie noch „auf der Straße gefunden“, das sei heute nicht mehr so einfach, viele seien zu teuer oder gar gefälscht. Genauso wie Plakate sammelt er Medaillen, Orden und Fahnen. Sein Großvater habe ihn darin bestärkt, sagt Tobias Bank, der die DDR selbst nicht bewusst erlebt hat. Seine Plakate zierten zu sozialistischen Zeiten Werkhallen, Umkleideräume und Fahrschulen. Sie sollten vor Unfällen warnen, ob sie - wie heute die Schilder an den Autobahnen - tatsächlich Wirkung zeigten, weiß auch Tobias Bank nicht. Eines weiß er wohl: Diese Plakate sind unpolitisch und heute genauso aktuell wie damals. Er zeigt auf „Erlerne Erste Hilfe“ oder „Arbeitsschutz auch zu Hause“ mit warnenden Gerätschaften wie Leiter, Säge und Messer. „Auch heute passierten die meisten Unfälle ja noch zu Hause“, weiß Tobias Bank. Witzig findet er das Plakat „Kopfschutz“, das einem „Gesucht-wird-Plakat“ bei der Polizei ähnelt, oder das mit der Warnung vor den ausladenden Schlaghosen, mit denen man in den 70er-Jahren an der Werkbank hätte hängenbleiben können. Dann heißt es auch wieder „Sicherheit ist Trumpf“, und Spielkartenmotive dienen als Hingucker.

Der ideelle Wert der Plakate ist unbestritten: „Die gibt es nicht noch einmal“, sagt Tobias Bank. Zum Kunstwerk wurden sie, weil gut ausgebildete, freischaffende Gebrauchsgrafiker hier ein Betätigungsfeld fanden und das durchaus trockene Thema Arbeitsschutz originell umzusetzen vermochten. Gut gefällt Tobias Bank zum Beispiel die Kombination von Tacho und Uhr und der Schriftzug „Fahre lieber etwas früher“.

Dem Betrachter fällt auf, dass die Plakatkunst der DDR seit den 1950er-Jahren einen deutlichen Formenwandel, Stilbrüche eingeschlossen, erlebte. Was Arbeitsschutz in der DDR konkret bedeutete, erfährt man, wenn man zur Eröffnung erscheint: Erwartet wird Helga Krieger, die als Leitende Sicherheitsingenieurin der Universität Potsdam mit dem Arbeitsschutz vertraut ist und zum Thema sprechen wird.

Die Ausstellung „Schütze Deine Arbeitskraft“ wird am Sonnabend um 15 Uhr auf Burg Beeskow eröffnet. Sie ist bis zum 28. Mai zu sehen.

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