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Raffinerie sucht seine Fachkräfte von morgen schon im Vorschulalter / Unterstützung für "Haus der kleinen Forscher"

PCK-Labor im Kindergarten

Experiment mit Schutzbrille: Die kleinen Forscher Niklas, Dero, Lene und Julian filtern unter Anleitung von PCK-Azubi Thomas Jankowski feinen Sand aus einer Wasserprobe.
Experiment mit Schutzbrille: Die kleinen Forscher Niklas, Dero, Lene und Julian filtern unter Anleitung von PCK-Azubi Thomas Jankowski feinen Sand aus einer Wasserprobe. © Foto: Stefan Csevi
Michael Dietrich / 22.02.2012, 07:40 Uhr
Schwedt (MOZ) Die Kita "Friedrich Fröbel" glich einem Forschungslabor. Fünf- bis sechsjährige Mädchen und Jungen absolvierten mit Laborkittel, Schutzbrille und Feuereifer ausgestattet physikalische und chemische Experimente. Die PCK Raffinerie unterstützt das "Haus der kleinen Forscher".

Vor den Kindern stehen Reagenzgläser, Trichter, Spritzflaschen und Bechergläser. "Wisst ihr denn, was ein Filter ist", fragt Azubi Thomas Jankowski, um die Steppkes auf das Experiment zur Reinigung von Wasser vorzubereiten. "Ja", meldet sich aufgeregt ein Junge und erklärt: "Damit pustet sich meine Mama immer die Haare trocken."

Der Chemikant-Azubi schaut verdutzt, bis er schmunzelnd verstand, dass das Kind einen Fön meinte. Geduldig erklärt er seiner Kita-Forschergruppe, wie man mit einem Filter zum Beispiel Kaffee kochen kann, um anschließend die Kinder selbst Steine und Sand aus einer Wasserprobe filtern zu lassen.

Die Begeisterung, die Vorschulkinder für solche und andere Experimente mit Aha-Effekt aufbringen, will das PCK künftig verstärkt zur Sicherung seiner Mitarbeiter von morgen nutzen. Es geht darum, Wissen, Verständnis und Begeisterung für Chemie und andere Naturwissenschaften zu entwickeln. Schwedts größter Betrieb hat seinen Fachkräftebedarf für die Zukunft klar definiert. "Von 2015 bis 2025 verlassen uns 50 Prozent unserer Belegschaft in den Ruhestand. Wir müssen jetzt mit der Nachwuchssicherung beginnen, und zwar in allen Bildungsstufen", sagt Jens Haselow, Personalchef der Raffinerie. Tatsächlich bildet PCK seit Jahren über den Bedarf hinaus aus, um jungen Leuten in der Region eine gute Ausbildung zu bieten. Für exzellente Leistungen von Gymnasiasten werden Preise vergeben. Seit Jahren engagiert sich PCK im Bundeswettbewerb Chem-Kids. Nun also auch im Kindergarten.

Die Kita "Friedrich Fröbel" ist Teilnehmer des Projekts "Haus der kleinen Forscher" der gleichnamigen bundesweiten Stiftung. Erzieher bilden sich zur Vermittlung von Experimenten weiter, die Kita nahm an der Kinder-Uni zur Eröffnung des Hauses der Bildung teil. Und als sich Kita-Leiterin Katrin Meier an PCK-Ausbildungsleiter Werner Lehmann wandte und ihn bat, die Forscherambitionen ganz praktisch zu unterstützen, lief sie beim Unternehmen offene Türen ein.

Zehn Azubis des zweiten Lehrjahres wurden am Dienstag zu Dozenten und lösten mit den Kindern so spannende Fragen, wieso Fische mal oben und mal unten schwimmen, ob Wasser Eisen tragen kann und wie viel Zucker in einen Liter Wasser passen. Streng wissenschaftlich ging es um die Oberflächenspannung, Dichte, Tragfähigkeit des Wassers, hydrostatischen Druck und temperaturabhängige Aggregatzustände.

Die Kinder erlebten die Experimente mit eingefärbten Zuckerwürfeln, einem Wasserberg über dem Becherrand oder einem Holzboot im Bottich als hochspannendes Spiel. Die kleine Melanie Vierkant verfolgte im Bad gebannt das Experiment mit Wasserdampf, Niklas Schröder belud ein Boot im Wasser so lange, bis es sank.

"Die Kinder wissen schon vieles, fragen und machen begeistert mit. Das macht natürlich auch uns Spaß", räumte Azubi Felix Witthuhn ein. Der 23-Jährige aus Haßleben hatte solche Experimente in seiner Kindergartenzeit nicht. "In der Schule haben mir Mathe, Chemie und Physik am meisten Spaß gemacht. Weil ich hier in der Region bleiben wollte, habe ich mich beim PCK beworben", erklärt er.

Die Beschäftigung mit Chemie und Physik in den Schulen soll eines der nächsten Themen sein, die das PCK interessiert. Der Zustand, dass gerade Naturwissenschaften oft abgewählt werden oder seit Jahren gerade in Schwedt kein Chemie-Leistungskurs zustande kommt, ärgert die Raffinerie.

Die PCK hat angekündigt, Kitas und Schulen dabei zu unterstützen, Kinder noch mehr zu ermuntern, neugierig zu bleiben. Die Kita erhielt für ihr "Haus der kleinen Forscher" eine Spende über 300 Euro und die Zusage, dass die Vorschulkinder den nächsten Forschertag in die PCK-Ausbildungsstätte erleben dürfen.

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S.Maier 23.02.2012 - 11:19:32

Begeisterung ist Schlüssel zum Lernen

: Im menschlichen Gehirn steckt viel mehr, als es normalerweise leisten muss. Und zweitens: Wenn ein Kind in einer ungünstigen Lebenswelt aufgewachsen ist, kann es den Rückstand des Erlernten während des ganzen Lebens aufholen. Das Gehirn ist immer in der Lage, eine der jeweiligen Situation entsprechende neue Verdrahtung auszubilden. http://www.atkearney361grad.de/2012/02/22/lernen-aus-sicht-der-hirnforschung-2-begeisterung-ist-schlussel-zum-lernen/

Bürger dieser Stadt 22.02.2012 - 18:35:16

zum Thema

Es ist schade, dass trotz Unterstützung des PCK seit Jahren am Gauss kein Chemie-Leistungskurs zustande kommt. Am mangelnden Interesse der Schüler oder am fehlen den Engagement der Lehrer liegt es nicht. Stattdessen wird von OBB dieser Kurs in Klasse 9 und 10 erst auf Verlangen der Eltern angeboten. Da ist es nicht erstaunlich, dass so ein Kurs wegen "mangelndem Interesse" der Schüler nicht zustande kommt. Ich denk, da lief in der Schulleitung einiges schief. Schwedt braucht Chemieinteressierte und-wissende, nicht nur das PCK.

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