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Rentner Hans Jäckel gibt nach 33 Jahren sein Amt als Präsident des Faschingsclubs BKH Schwedt auf / Nachfolge ist gesichert

Ein Karnevalist nimmt seinen Hut

Sein ganzer Stolz: Über 300 Orden hat Hans Jäckel im Flur zu hängen. Sie zeugen von einem Leben voll Frohsinn. Foto: Stefan Csévi
Sein ganzer Stolz: Über 300 Orden hat Hans Jäckel im Flur zu hängen. Sie zeugen von einem Leben voll Frohsinn. Foto: Stefan Csévi © Foto: Stefan Csevi
Mariana Lubasch / 24.02.2012, 06:11 Uhr
Schwedt (MOZ) In einem Klassiker von Udo Jürgens heißt es: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Der Schwedter Hans Jäckel hat sich dieses wunderbare Schnapszahl-Alter ausgesucht, um seine Karnevalsmütze an den Nagel zu hängen und das Amt als Präsident des Faschingsclub BKH Schwedt für immer abzugeben.

Leicht ist ihm seine Entscheidung nicht gefallen und doch sei es an der Zeit, der Bühne Adieu zu sagen. "Ich habe 33 Jahre den Faschingsklub geleitet, doch nun möchte ich nicht mehr auf der Bühne stehen", erklärt Hans Jäckel. Seine Nachfolge konnte noch in letzter Minute gesichert werden. Doch wer es wird, ist noch ein streng gehütetes Geheimnis und wird erst heute Abend bei seiner offiziellen Verabschiedungsfeier bekannt gegeben. Dem Karneval völlig abschwören kann und will der stadtbekannte Faschingsjeck aber nicht. Er möchte auch weiterhin im Klub aktiv sein und "die Fäden im Hintergrund spinnen".

Sein Amt aufzugeben fällt dem leidenschaftlichen Karnevalisten dennoch schwer. Kein Wunder. Hängt doch sein ganzes Herzblut an diesem Faschingsverein. 1979 hat er ihn im ehemaligen Bezirkskrankenhaus (heute: Asklepios Klinikum Uckermark) mitbegründet. Nach seiner Ausbildung zum Maurer und Stuckateur trainierte er neben dem Job Kinder einer Wasserballmannschaft. Doch als er seine Schützlinge nicht zu einem Vereinsspiel nach Tschechien begleiten durfte, weil er nicht in der Partei war, verließ er den Verein.

Als Hans Jäckel fest angestellter Handwerker am hiesigen Krankenhaus wurde, besann er sich auf seine karnevalistischen Wurzeln, denn schon beim Schulfasching übernahm er oft die Rolle des Büttenredners. Also gründete er einen Faschingsklub. Heute sagt er: "Ich trug lieber das Karnevalsabzeichen als das SED-Abzeichen". Den Mund halten und sich alles gefallen lassen, war eben nie sein Ding. So hat der Schwedter nicht nur den Schalk im Nacken, sondern widmet sich auch ernsten Themen. Seit vielen Jahren engagiert er sich beispielsweise für den Freundeskreis "Kinderheim Okland", der jedes Jahr nach Rumänien fährt, um den Kindern dort Weihnachtsgeschenke zu bringen.

Wenn man den sympathischen Pfundskerl zu seinem karnevalistischen Narrenleben befragt, gibt er immer wieder gern Anekdoten zum Besten. Wie zum Beispiel die folgende: Vor ein paar Jahren habe er bei einem Männerballet mitgemacht. Dabei musste er sich auf eine Schaukel setzten, die an der Decke befestigt war. Er setzte sich auf die Schaukel, holte Schwung und "landete im Publikum". "Ich selbst hatte den Dübel angebohrt", erzählt Hans Jäckel und lacht. Überhaupt hat es den Anschein, als könne der Jeck vor allem gut über sich selbst lachen.

Fast ein wenig trocken, dabei aber stets mit einem Grinsen im Gesicht, schwelgt er in seinen Erinnerungen. Das schönste Erlebnis während seiner Zeit als Präsident hatte der Vater von zwei Kindern mit Manfred Stolpe. Als Ministerpräsident reiste der Politiker einst in die Uckermark und nahm an einer Sessionseröffnung des FC BKH teil. "Er kam mit etwa 20 Sicherheitsleuten. Die trugen alle Anzug und Schlips. Das ging natürlich nicht. Also steckte ich sie in Clownskostüme", erzählt der Karnevalist. An diese witzige Geschichte denke er sehr gerne zurück. Über 300 Orden habe Hans Jäckel während seiner "Regentschaft" von anderen Karnevalsvereinen bekommen. "Die hängen alle bei mir im Flur", erzählt er stolz. Eine besondere Freundschaft habe sich seit der Wende zur Karnevalsgesellschaft des Klinikums in Leverkusen, der Schwedter Partnerstadt, entwickelt. "Wir besuchen uns seitdem regelmäßig". Auch zu seiner offiziellen Verabschiedungsfeier werden einige Freunde aus Leverkusen erwartet.

Noch bis vor einigen Jahren hat der gelernte Stuckateur am liebsten Büttenreden gehalten, bei Playback-Shows "Marmor, Stein und Eisen bricht" geschmettert und mit Sketchen wie den Männerballeteinlagen das Publikum humorvoll unterhalten. Insbesondere nach der Wende nutzte er das Podium auf der Faschingsbühne, um sich zu politischen Themen zu äußern. "Da wurde kein Blatt vor den Mund genommen", meint Hans Jäckel. Das war zu DDR-Zeiten anders: "Wir konnten nicht sagen: Honecker ist doof. Dann hätte man uns abgeführt." In den vergangenen Jahren habe er aber meistens nur noch durch das Programm geführt. Sein künstliches Hüftgelenk zwang ihn unter anderem dazu. Seit 2006 ist er Rentner. Es wird also Zeit, kürzer zu treten. Bis 2009 war er Vizepräsident des Karnevalverbundes Berlin-Brandenburg. Bis heute ist er zudem Präsident des Regionalverbundes Uckermark und somit Chef über Faschingsclubs in Städten wie Angermünde oder Gartz. Diese Aufgabe möchte der engagierte Rentner auch weiterhin übernehmen. "Ich muss immer etwas zu tun haben", erklärt er seinen Tatendrang. Trotzdem lasse er es jetzt ein wenig ruhiger angehen. Er habe jetzt das Preisskat für sich entdeckt.

Wenn man den sympathischen Pfundskerl bei seinem letzten Auftritt am Rosenmontag zusammen mit den Kindern der Garden auf der Bühne des Oder-Centers erlebt, ist ihm der Schmerz über den Abschied anzusehen.Auf dem Revers seines weißen Jackets prangen die blauen Initialen des FC BKH. Die rot-goldene Präsidentenmütze sitzt fest auf dem Kopf. Den Jahresorden mit der 33 trägt er stolz um den Hals. So werden ihn die Mitglieder und sein närrisches Publikum in Erinnerung behalten. Ein kleiner Trost: Präsident ist er nun nicht mehr. Aber dem Karneval abschwören wird er wohl nie.

Leserforum

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Dorfkind 27.02.2012 - 14:14:19

Niveau ...

...ist ein schweres Wort :D

Mandy Kolberg 26.02.2012 - 12:14:09

Nevaulose Kommentare

Ich finde es sehr sehr nevaulos den Namen Hans Jäckel und auch den Verein hier so runter zu ziehen. Mann sollte mal nicht vergessen was dieser Mann 33 Jahre hier in der Region getan hat. Anstatt ihm einfach danke zu sagen, wird er hier auf eine nicht schöne Art und Weise schlecht durch die Presse gezogen. Mann darf nicht vergessen dass unser Verein immernoch besteht und wir Kinder und Jugendarbeit aus vollem Herzen betreiben. Die vorherigen Artikel sind meiner Meinung nach Vereins-schädigend und an dieser Stelle völlig fehl am Platze. ( zumal sich ja alle nicht mal erkenntlich zeigen...... ).

Brötchen 24.02.2012 - 19:16:08

"Sauft aus" !!

Dieser Schlachtruf des Vereins spricht schon Bände genug. Bin einmal beim Faschingsclub BKH gewesen, danach nie wieder. Sowas Plumpes hab ich selten gesehen. Da kann ich dem Narr nur beipflichten. Auch wenn's hauptsächlich nur Laiendarsteller sind, muß man sich nicht aufführen wie der Dödel vor Dieter Bohlen bei DSDS. Trotzdem einen wohlverdienten Ruhestand.

Schwedter1952 24.02.2012 - 14:30:18

Gut das er geht

Seine Mithilfe für die Heimkinder in Okland finde ich beachtlich und anerkennenswert. Aber seine Aktivitäten und seine Art und Weise als Präsident waren mehr als gewöhnungsbedürftig. Das war machmal wirklich nicht mehr lustig. Hoffentlich hat der Club mit der neuen Führug mehr Glück. Trotzdem alles Gute Herr Jäckel.

Narr 24.02.2012 - 13:18:54

Rücktritt kommt für den Verein zu spät

Ich kann ebenfalls den Artikel so nicht hinnehmen, werde meine Kritik aber nett und höflich mit Respekt ausdrücken. Als Präsident ist Hans einfach zu spät abgetreten. Die Veranstaltungen in der Neuen Zeit waren inhaltlich so schlecht, dass kaum noch einer dem Programmteil frönte. Uns das lag mitunter zum großen Teil an Ihm, stur die Nummern durchgezogen, ins Mikrofon gebrüllt - das war zum weghören. Die Quittung gab es in den letzten Jahren postwendend - musste doch der einst größte Faschingsklub unter der Regentschaft von Hans Jäckel, aufgrund ausbleibender Nachfrage die Neue Zeit räumen (den gut gefüllt war sie leider nicht mehr) und zog mit dem Faschingsprogramm in kleine Kneipen um. Ich hoffe nur, dass der oder diejenige, die in seine Fußstapfen treten wird, ein besseres Händchen haben wird, und den Fasching wieder aufleben lässt. Das wird allerdings nix mit unterirdischen Büttreden oder schlecht synchronisierter Playback-Show. Es war höchste Zeit......

Schwe67 24.02.2012 - 12:49:43

"sympathischen Pfundskerl" ?

Nun ist aber mal genug. Eigentlich schreibt man sowas nicht, aber diese Lobhudelei auf einen krankhaft ehrgeizigen, machtgierigen Bückling, der die Kinder seiner Garde bei einem Fehler auf der Bühne schon mal durch die Gänge der UBS anbrüllte und derb anfaßte, stößt sicher nicht nur mir bitter auf. Von dem Plagieren von Stücken anderer Karnevalsvereine inkl. Abschreiben von Büttenreden in der Vergangenheit will man da schon gar nicht mehr reden. Das ging soweit, daß er sich ungefragt in das Programm anderer Karnevalsvereine einmischte und sich selber einlud, um das dortige Publikum in seine eigenen Veranstaltungen zu ziehen. Ein Großteil seiner Karten wurde verschenkt, daher verwundert es nicht, daß es nichts mehr wurde mit der Turnhalle NEUE ZEIT als das Krankenhaus privatisiert wurde, und ihm Karnevalsaktivitäten innerhalb der Arbeitszeiten eingegrenzt wurden. Noch mehr verkneife ich mir, da der Beitrag sicherlich sowieso gelöscht werden wird.

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