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Schwedische Sapa Gruppe erwirbt Pinnower Firma / Metallbauunternehmen nimmt Änderungskündigungen zurück

Skandinavier übernehmen HatiCon

Alexander Kempf / 25.02.2012, 07:16 Uhr
Pinnow (MOZ) Wer schnell wachsen will, der benötigt Kapital. Schon 2009 holte sich das Pinnower Metallbauunternehmen HatiCon einen schwedischen Investor ins Boot. Kurz vor Weihnachten hat der nun die gesamte Firma gekauft.

Gido Genschorek würde glatt als Schwede durchgehen. Er hat einen kräftigen Händedruck und lange blonde Haare. "Ich spreche kein Schwedisch. Die Konzernsprache ist Englisch", sagt der Geschäftsführer von HatiCon mit einem milden Lächeln. Tatsächlich ist das Pinnower Unternehmen, das Befestigungssysteme für Photovoltaikanlagen herstellt, seit 2009 ein kleines Rad in einem weltweit agierenden Konzern.

Bereits vor drei Jahren erwarb die schwedische Sapa Gruppe die Mehrheit an HatiCon. Der Konzern ist nach eigener Darstellung Weltmarktführer für Aluminiumlösungen. Seit 2009 hält er 51 Prozent der Anteile des Pinnower Metallbauers, bestätigt Sprecherin Erika Ahlqvist. Sapa hat das Unternehmen anschließend beim Aufbau einer neuen Produktionsstrecke in Pinnow unterstützt. "Die Solarbranche ist ein interessanter Absatzmarkt für Sapa, den wir weiter entwickeln möchten."

Deshalb sicherte sich der Konzern früh eine Vorkaufsoption für die restlichen Anteile von HatiCon. Kurz vor Weihnachten hat Sapa diese eingelöst und den Metallbauer vollständig erworben. Gido Genschorek bestätigt das nun. Die Übernahme war langfristig geplant und keine Reaktion auf die laufende Geschäftsentwicklung.

Ohnehin werden die neuen Eigentumsverhältnisse keine unmittelbaren Einflüsse auf den Geschäftsalltag von HatiCon haben, heißt es aus Schweden. "Die Geschäftsführung bleibt dieselbe", teilt Sprecherin Erika Ahlqvist mit. Der Konzern will aber seine internationale Präsenz nutzen, um den Absatz der HatiCon-Produkte außerhalb von Deutschland und Europa voranzutreiben.

Über den Verkaufspreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Der Grund für den Einstieg von Sapa im Jahr 2009 war die fehlende Eigenkapitalbasis von HatiCon, erklärt Gido Genschorek. Wer große Investitionen tätigen will, der komme eben um Investoren nicht umhin. Banken würden vergleichbare Summen nicht gewähren. Schnelles Wachstum habe einen Preis.

HatiCon ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. 2011 erzielte die Firma einen Umsatz von 60 Millionen Euro, erzählt Geschäftsführer Gido Genschorek. Das Ergebnis sei sehr gut ausgefallen. "Wir sind ein guter Gewerbesteuerzahler."

Zuletzt machte das Unternehmen jedoch wegen Änderungskündigungen Schlagzeilen. Die wurden zurückgenommen, sagt Gido Genschorek. Das erhoffte Ziel, die Mitarbeiter für den Standort Güterfelde (Potsdam-Mittelmark) zu gewinnen, sei trotz Gehaltserhöhungen nicht geglückt. In der 150 Kilometer von Pinnow entfernten Niederlassung werden seit Monaten mehr Mitarbeiter benötigt.

Mit acht Leuten hat Gido Genschorek 2006 angefangen. Mittlerweile beschäftigt HatiCon über 300 Mitarbeiter. Der Gründer gilt zweifelsohne als Macher. Dieser Tage macht er sich aber vor allen Dingen Gedanken. Die Bundesregierung möchte die Förderung von Solaranlagen in Deutschland drastisch beschneiden. Schneller als zunächst angekündigt. Der Bundestag soll nächste Woche darüber entscheiden.

HatiCon setzt bisher voll auf Befestigungssysteme für Photovoltaikanlagen. Die Kürzungen werden in Pinnow deshalb mit Sorge betrachtet. Die Belegschaft könnte in der kommenden Woche sogar in Berlin gegen die Pläne protestieren, sagt Gido Genschorek. Vorausgesetzt, es gebe eine zentrale Kundgebung. Zukünftig will sich HatiCon auch nach anderen Standbeinen umschauen, erklärt der Geschäftsführer. Dazu sei man den Mitarbeitern gegenüber verpflichtet. Die Solarbranche ist anfällig.

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