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Krankenhaus kooperiert mit Nachbarland

Polnischer Laborpraktikant verstärkt Team

Kamil bei der Arbeit: Im Labor des Krankenhauses Wriezen fühlt sich der Biotechnologie-Student wohl. Seine Kollegen bescheinigen ihm Neugier und großen Fleiß.
Kamil bei der Arbeit: Im Labor des Krankenhauses Wriezen fühlt sich der Biotechnologie-Student wohl. Seine Kollegen bescheinigen ihm Neugier und großen Fleiß. © Foto: Christina Schmidt
Christina Schmidt / 25.02.2012, 08:00 Uhr
Wriezen (cs) Leukozyten, Thrombozyten, Hämoglobin - feste Begriffe im Labor des Wriezener Krankenhauses. Das freut den polnischen Studenten Kamil Zuchowski, der hier seit einer Woche ein Praktikum absolviert. Die Zusammenarbeit mit Polen gewinnt in der Einrichtung an Bedeutung.

Kamil Zuchowski ist ein freundlicher junger Mann. Er lächelt viel und ist beliebt in dem Laborteam in Wriezen, das er für eine weitere Woche verstärken wird. "Die offenen Grenzen innerhalb der EU geben uns Jungen eine einmalige Chance, die Nachbarn kennenzulernen, ihre Kultur, ihre Sitten, auch ihre Art zu arbeiten", erklärt der 24-Jährige. Für den Biotechnologie-Studenten aus Stettin, der bereits einen Abschluss als Ingenieur vorzuweisen hat, ist es kurz vor dem Diplom neben zahlreichen Inlandspraktika das erste im Ausland.

Unterschiede in der Laborarbeit im Vergleich zu seiner Heimat Polen hat er kaum festgestellt. Zwar sei, so lässt er Krankenhaus-Pressesprecherin Anna Szalek übersetzen, die Technik in Wriezen auf einem moderneren Stand, das sei aber auch schon alles. Und die Sprache? Kamil hat bereits in Polen einen Deutsch-Intensivkurs belegt, und er kann sich auch auf Englisch verständigen. "Ich bemühe mich sehr meine Sprachkenntnisse zu verbessern", sagt er in langsamem Tempo. So liest er täglich deutsche Zeitungen und schaut nach Dienstschluss, von seinem Zimmer im Wriezener Krankenhaus aus, deutsches Fernsehen. Viel Zeit bleibt ihm dafür allerdings nicht, denn er schreibt an seiner Abschlussarbeit.

Auch mit den Einheimischen ist Kamil Zuchowski schon ins Gespräch gekommen. Freundlich und aufgeschlossen hätten sie auf ihn reagiert. "Als ich kurz nach seiner Ankunft hier mit einem Stadtplan ausgerüstet den Weg ins Krankenhaus suchte, haben mich gleich Passanten angesprochen und mir geholfen", erzählt er. Die Herzlichkeit habe ihn überrascht und besonders gefreut. Und auch im Labor selbst wurde der junge Mann mit offenen Armen empfangen. Er habe sich schnell ins Team integriert und erledigte schon nach kurzer Einweisung selbstständig anstehende Aufgaben, sagt Laborleiterin Christel Kersten und ergänzt: "Sein Engagement, seine Neugier und sein Fleiß imponieren mir. Ich freue mich, dass er bei uns ist. Bei der Gelegenheit frische ich auch meine Polnisch-Kenntnisse auf".

Dass die Mitarbeiter des Krankenhauses über Polnischkenntnisse verfügen, ist nur ein sichtbares Zeichen für die gestiegene Bedeutung des Nachbarlandes im Gesundheitswesen. Gerade in der Grenzregion wird die Zusammenarbeit mit Polen zukünftig noch enger werden. Grund dafür ist eine neue Richtlinie, die voraussichtlich ab 2013/2014 die freie Arztwahl auch über EU-Grenzen hinweg ermöglicht. Damit haben, so erklärt Anna Szalek, Polen und Deutsche gleichermaßen die Möglichkeit langen Wartezeiten bei Spezialisten aus dem Weg zu gehen und zugleich die Sicherheit, dass die Kosten von den Krankenkassen in den Heimatländern getragen werden. Zur Vorbereitung auf die neue EU-Richtlinie wurde die Zusammenarbeit mit polnischen Krankenhäusern in der Vergangenheit schrittweise intensiviert. "Mit dem Krankenhaus in Drezdenko planen wir zum Beispiel eine langfristige Zusammenarbeit und den Aufbau eines grenzüberschreitenden Kompetenzzentrums auf polnischer Seite, das den Austausch aller Akteure im Gesundheitswesen ermöglicht", berichtet die Krankenhaussprecherin. Außerdem unterstützt das kommunale Unternehmen das Hospiz in Gorzow Wlkp.

Ein weiterer Grund für die wachsende Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist die seit Mai letzten Jahres geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit. Danach haben alle EU-Bürger das Recht, unabhängig vom Wohnort in jedem Mitgliedsstaat unter gleichen Voraussetzungen zu arbeiten. So gehören auch polnische Mitarbeiter zu den Krankenhausmitarbeitern. Pressesprecherin Anna Szalek etwa. Die gebürtige Polin hat in Krefeld studiert und ist anschließend der Heimat wieder näher gekommen. Seit knapp zwei Jahren arbeitet die Diplom-Gesundheitsökonomin für das Krankenhaus Märkisch-Oderland. Sie pendelt beruflich, hier meist zwischen den beiden Krankenhausstandorten Strausberg und Wriezen, und privat zwischen Wriezen und Gorzow, wo ihr frischgebackener Ehemann auf sie wartet.

Einen Arbeitsplatz in Wriezen, das kann sich auch Kamil vorstellen, sagt er. Die Grenzregion böte alle Möglichkeiten für junge Menschen beidseits der Oder.

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