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Leben in einer alternden Stadt

Stefan Lötsch / 27.02.2012, 19:58 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Zirka 29 Prozent der Eisenhüttenstädter Bevölkerung ist 65 Jahre alt und älter. 2030, so die Prognose, wird knapp die Hälfte der Bevölkerung der Stahlstadt im Seniorenalter sein. Die Stadt wird sich auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Altersgruppe mehr und mehr einstellen müssen.

Wenn Eisenhüttenstadt im Jahr 2030 nur noch 20200 Einwohner hat, dann wird eine Altersgruppe vom allgemeinen Bevölkerungsrückgang nicht betroffen sein, sondern die Jahre über sogar zulegen: Fast die Hälfte (43 Prozent) der Einwohner wird dann älter als 65 Jahre sein, heißt es in einer sogenannten Bevölkerungsvoraussschätzung des Landesamtes für Bauen und Verkehr. Nicht nur für Eisenhüttenstadt bedeutet dies, dass spezifische Bedürfnisse, die sich aus diesem demographischen Wandel ergeben, bei den Planungen mit berücksichtigt werden müssen.

Mit einem Senioren-Einkaufs-Mobil, das über Fördermittel finanziert wird, reagiert die Stadt auf die Erkenntnis, dass viele Ältere, vor allem auch Alleinstehende, nicht mehr ohne Auto einkaufen können. "Die durchschnittlich ältesten Bewohner hat der V. Wohnkomplex. Hier liegt der Altersdurchschnitt bei 54,4 Jahren", sagt die Seniorenbeauftragte Andrea Peisker. "Auch der Anteil der Einwohner, die 75 Jahre und älter sind, erhöht sich vor allem im Stadtzentrum, insbesondere in den Wohnkomplexen III und IV überproportional." Im IV. WK, wo fast jeder fünfte Einwohner älter ist als 75 Jahre, wohnen überwiegend allein lebende Ältere.

"Das ist nichts, was schlimm ist", sagt Andrea Peisker. Dass der Anteil der Älteren zunimmt, sei ein gesellschaftliches Phänomen. Wie weit Eisenhüttenstadt auf diesen Wandel vorbereitet ist - vor allem, was den Bereich der Pflege und der Altenhilfe betrifft -, wollte jüngst die CDU-Fraktion in einer Anfrage von der Stadt wissen.

Für Eisenhüttenstadt, so Andrea Peisker, gibt es keine eigenen Planungen. Lediglich für den Sozialraum Eisenhüttenstadt, zu dem auch die Umlandgemeinden gehören, hat der Landkreis Oder-Spree Prognosen erstellt. Demnach wird sich der Bedarf nach stationärer Altenhilfe laut einer Sozialplanung der Landkreises auf 657 Plätze im Jahr 2030 erhöhen, 2008 lag der Bedarf bei 424 Plätzen. Vor allem beim betreuten Wohnen gehen die Zahlen in den folgenden Jahren deutlich nach oben. War im Jahr 2008 der Bedarf noch mit 93 Plätzen beziffert, werden 2020 schon 408 Plätze genannt. Auch wird die Zahl derer steigen, die an Demenz erkrankt sind. "Für das Jahr 2030 kann von 1224 demenziell Erkrankten ausgegangen werden", erklärt Andrea Peisker, wobei diese Zahl auch für Eisenhüttenstadt und die Umlandgemeinden gilt.

Die Seniorenbeauftragte macht darauf aufmerksam, dass die Altenhilfe laut Gesetz nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der Stadt gehört. Dennoch, so die Seniorenbeauftragte, werden verschiedene Ansätze in der Stadt verfolgt, um der demographischen Herausforderung gerecht zu werden. Sie selbst sieht die bisher aufgebauten Strukturen beispielgebend. Diese sollen auch erhalten werden. Örtliche und regionale Angebote für Senioren sollen gebündelt werden. Was das Angebot an altersgerechten Wohnungen anlangt, sieht sie die Wohnungsunternehmen in einer wichtigen Rolle.

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Biggi 28.02.2012 - 19:45:14

So geht's weiter:

2020 titelt die MOZ: "Eine Stadt im Todeskampf" und 2030 "Es war eimal eine Stadt ..." und das versteht dann auch die Märchentante!

zens 28.02.2012 - 19:38:44

MOZ-Zensur

Mal sehen wiewiele Kommentare die MOZ-Zensur diesmal löscht!?!!!

W. Wanjek 28.02.2012 - 18:50:32

Düstere Aussichten!

Am 27.02.2012 war in diesem Blatt auch von einem "Zukunftstag für Jungen und Mädchen im Land Brandenburg" zu lesen. In diesem Wechselbad der Gefühle kommt man schon ins straucheln. Die Zukunft der meisten Jungen und Mädchen wird wohl weit hinter unserer Stadtgrenze zu finden sein, heißt, die bleiben nicht hier. Es gibt hier keine Perspektiven, die diese Stadt noch lebenswert machen. Zumindest in den vergangenen 2 1/2 Jahren wurde hier nichts erkennbares geleistet, um die jungen Menschen zu halten oder ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Statt dessen Elendsverwaltung und andauernde Abwärtskorrekturen bei den Einwohnerstatistiken. Die Befürchtung liegt scheinbar wirklich nahe, dass Eisenhüttenstadt schon vor 2030 unter 20 T Einwohner haben wird, denn bis dato waren alle Bevölkerungsprognosen viel zu optimistisch ausgelegt. Und im Rathaus scheint man dem Treiben ratlos und schulterzuckend gegenüber zu stehen. Nun gut, Ratlosigkeit und gute Mine zum bösen Spiel, das kennt man ja von Frau Püschel, vielmehr aber auch nicht!

Teen 22 28.02.2012 - 00:33:37

Hütte ein einziges Altenpflegeheim

Da schmeist man so kommentarlos den Untergang der Stadt in die Zeitung und versucht das Elend noch positiv darzustellen. Mich gruselt vor dieser Entwicklung. Und was prognosen taugen haben wir in den letzten jahren gesehen. Alle Prognosen waren falsch und wurden immer noch negativer übertrumpft. 20.000 Einwohner 2030? das wird wohl schon nach 2020 erreicht werden.Wo sind die Konzepte dafür, das die Jungen bleiben. Welcher junge Mensch will in einer derartigen Stadt leben? Mich würde dazu mal die Meinung unserer Stadtoberen interessieren und nicht einer Seniorenbeauftragten. Wozu noch teuer mit Millionen Wohnungen sanieren ??? Für die 20 oder doch leiber 15 Tausend, die in 18 Jahren noch übrig bleiben? Baut doch lieber ein paar Pflegeheime, die teuren Wohnungen kann sich dann sowieso kein Rentner mehr leisten. Und sie wissen wieder mal nicht, was sie tun und rennen der zeit nur hinterher. Dieser Artikel vergrault auch noch die letzte Jugend sich eine Perspektive in Hütte zu schaffen, nur weg aus diesem Pflegeheim.

Totte 27.02.2012 - 21:53:58

Demographische Herausforderung?

Wer soll die im Rathaus annehmen? Die linke Kriesentruppe weiß ja nicht einmal die aktuellen Probleme zu händeln! Und wieso sieht man hier "die" Wohnungsunternehmen in der Pflicht? Diese Aufgabe steht wohl in erster Linie dem städtischen Unternehmen, der Gewi, zu!

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