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Tag der Archive im Barnim widmet sich einschneidenden Ereignissen / Benutzerdatenbank erleichtert Geschichtsforschung auf eigene Faust

Brände, Schrecken und andere Katastrophen

Qualmwolken über der Stadt: 1935 brannte an der Heegermühler Straße in Eberswalde die Dachpappenfabrik Büsscher & Hoffmann. Auf Höhe des einstigen Fabrikgeländes hinter der Eisenbahnbrücke befindet sich heute ein Lidl-Markt. Foto: Kreisarchiv
Qualmwolken über der Stadt: 1935 brannte an der Heegermühler Straße in Eberswalde die Dachpappenfabrik Büsscher & Hoffmann. Auf Höhe des einstigen Fabrikgeländes hinter der Eisenbahnbrücke befindet sich heute ein Lidl-Markt. Foto: Kreisarchiv © Foto: MOZ
Ellen Werner / 29.02.2012, 07:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" widmen sich am Wochenende Archive in ganz Deutschland. Auch das Barnimer Kreisarchiv holt am Sonnabend Dokumente zu den kleinen und großen Katastrophen in der Region hervor. Vorgestellt wird zudem ein neuer Benutzeraccount.

Schon zum zehnten Mal ist Otto Baaz die Eberswalder Sterbebücher durchgegangen. "Von 1874 bis ultimo", sagt der 67-Jährige. Seit drei Jahren geht Baaz regelmäßig im Barnimer Kreisarchiv ein und aus. Er spürt dort einem Abenteuer nach, das deutschlandweit immer beliebter wird: Der Finower betreibt Familienforschung.

Während zum Boom auf diesem Feld das Internet beiträgt, findet Baaz seine Quellen ohnehin vor Ort. Die Familie Baaz ist alteingesessen in Finow. Bis 1650 hat Otto Baaz die Spuren seiner Ahnen schon zurückverfolgt. Manchmal ist das etwas verwirrend. "Eine Zeitlang lebten fünf Otto Baaz gleichzeitig", sagt der Hobby-Genealoge. Sein Dreh, um trotzdem den Richtigen nachzuforschen: "Man muss die zugehörigen Frauen finden."

Möglich ist das unter anderem anhand historischer Adressbücher aus der Stadt. In einem der Verzeichnisse hat er festgestellt, dass sein Haus direkt auf dem Boden einer ehemaligen Ziegelei steht.

Die Bücher enthalten oftmals auch Berufsbezeichnungen und andere wertvolle Hinweise. Solche und ähnliche Quellen können Benutzer im Kreisarchiv künftig auf die Schnelle und auf einen Blick ausfindig machen. Seit einer Woche ist im Erdgeschoss ein Besucherarbeitsplatz am Rechner eingerichtet. "Ab sofort können die Bürger bei uns in der Datenbank selbstständig recherchieren", sagt Brigitta Heine, Leiterin des Archivs. Mit dem Bestreben trägt das Haus dem Interesse der Gäste Rechnung. Die Besucherzahlen gehen stetig nach oben. Wir wollen mehr zum Lernort werden." ergänzt die Archivchefin.

In dieser Absicht öffnet das Haus in der Carl-Lindemann-Straße 8 auch am Sonnabend seine Türen. Unter dem Motto "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" richten Archive bundesweit den Fokus auf die Lücken in den Sammlungen historischer Zeugnisse. "Das hat immer noch etwas mit Köln und dem Zusammensturz des Stadtarchivs zu tun", erläutert Brigitta Heine.

Das Barnimer Kreisarchiv hat sich dennoch weniger auf den sogenannten Archivgutschutz kapriziert als auf die einschneidenden Episoden an sich. "Wir nehmen das zum Anlass, um unsere Dokumente dazu zu zeigen", sagt die Leiterin des Archivs, die dabei selbst spannende Recherchen aufnehmen konnte. Aufschlussreich fand sie dabei etwa Material zur Pest, die in der Region in ganz erheblichem Ausmaß und zu verschiedenen Zeiten gewütet hat. "Ganz schlimm für unsere Region war auch der 30-jährige Krieg", sagt Brigitta Heine. "Der Landstrich war fast entvölkert." Von 1200 Eberswaldern waren 1643 noch 168 Stadtbewohner übriggeblieben.

Auch Überraschendes förderte die Archivarin zutage. "Was ich noch gar nicht wusste, war, dass die Barnimer von der Wanderheuschrecke geplagt waren." 1752 und 1753 hatten die Schrecken die Felder vernichtet und Hungersnöte ausgelöst.

In den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Zeiten dagegen beschaulich geworden. Dennoch kommen die "kleineren Katastrophen", Wetter, Schnee oder Hochwasser geschuldet, am Sonnabend ebenso zur Sprache.

Vorbereitet haben die Archivmitarbeiter darüber hinaus eine Sammlung von Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Gesammelt hatte sie der Oberbarnimer Kreishistoriker Rudolf Schmidt (1875 - 1943). Damals Redakteur der "Eberswalder Zeitung", hatte er sich die Fotokarten, die mal Truppen, mal zerstörtes Feindesland zeigten, womöglich per Aufruf zusenden lassen. Der größte Teil der Sammlung ist nun erstmals zu sehen. "Wir haben versucht, etwas über die Personen herauszubekommen", sagt Brigitta Heine. "Wir gehen davon aus, dass die Soldaten junge Männer aus der Region waren." Gelungen ist das bisher nur im Einzelfall. "Von Albrecht Bürger wissen wir zum Beispiel, dass er in Eberswalde geboren wurde, verheiratet war und sein eigener Sohn im Zweiten Weltkrieg verstorben ist." Für weitere Recherchen setzt die Chefin des Kreisarchivs auf die Neugier der Besucher.

Damit sie über den Tag der Archive hinaus Anregung finden, auf eigene Faust weiterzurecherchieren, wird am Sonnabend auch der neue Benutzeraccount vorgestellt. Verfügbar sind in der Datenbank schon jetzt die digitalisierten Eberswalder Adressbücher aus der Zeit von 1890 bis 1939. "Noch ist das eine interne Sache", sagt Archivchefin Brigitta Heine. "Aber es ist angedacht, dass wir uns an ein sogenanntes Findbuch-Portal hängen." Dann finden Familienforscher wie Otto Baaz ihre Datenbanken auch übers Internet.

Zu Vorträgen, Besichtigungen und Ausstellung öffnet das Kreisarchiv am Sonnabend von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.barnim.de

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