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Schnipsel für ein neues Leben

Viel zu tun: Jana Florczak, Archiv-Sachgebietsleiterin der Jahn-Behörden-Außenstelle zeigte dem Berliner Frank-Peter Brenne (li.) und dem Frankfurter Detlef Dohrmann Säcke mit noch zu rekonstruierendem Aktenmaterial der Stasi.
Viel zu tun: Jana Florczak, Archiv-Sachgebietsleiterin der Jahn-Behörden-Außenstelle zeigte dem Berliner Frank-Peter Brenne (li.) und dem Frankfurter Detlef Dohrmann Säcke mit noch zu rekonstruierendem Aktenmaterial der Stasi. © Foto: Martin Stralau
Martin Stralau / 05.03.2012, 06:26 Uhr - Aktualisiert 05.03.2012, 16:48
Frankfurt (MOZ) Etwa 300 Besucher informierten sich am Sonnabend in der Frankfurter Außenstelle der Jahn-Behörde in Vorträgen und bei Führungen über das Thema "Die Stasi und der Sport". Vor Ort waren auch der Bundes- und die Landesbeauftragte, Roland Jahn und Ulrike Poppe.

Ihm wuchsen Brüste, er hatte Wasserbeine, sein Urin war pechschwarz. Bis heute weiß Uwe Trömer - Bahnrad-Vizeweltmeister von 1980 - nicht, was in den Spritzen war, die man ihm und seinen Teamgefährten drei Wochen vor Auftreten dieser Symptome im Jahr 1983 verabreicht hatte. "Ärzte und Trainer beschwichtigten damals, es sei alles in Ordnung", sagt Trömer. Jahrelang war er im Dopingsystem des DDR-Hochleistungssports gefangen, ist lebenslang körperlich geschädigt. Ebenso wie die ehemalige Weltklassesprinterin Ines Geipel, die seit langem die öffentliche Stimme der Geschädigten des Doping-Systems ist.

Spätestens nach den Vorträgen der beiden in der Frankfurter Außenstelle der Jahn-Behörde am Sonnabend war klar, warum das Thema des Tages der offenen Tür, "Die Stasi und der Sport", an Aktualität und Relevanz nichts eingebüßt hat. Geipel prangerte nicht nur die unzureichende Aufklärung der Dopingfälle an, sondern auch, dass aus den Fehlern nichts gelernt wurde: "Das, was zu DDR-Zeiten Doping mit Steroiden war, ist heute Gen-Doping. Der Cocktail ist noch besser gefüllt als damals."

Die Frankfurter hörten gebannt zu. Insgesamt lauschten 300 Besucher den Vorträgen an diesem Tag, ließen sich durch das Archiv führen oder beantragten, wie 83 von ihnen, Akteneinsicht. "Das Thema Stasi und Sport haben wir gewählt, um zu zeigen, wie die Stasi in alle gesellschaftlichen Bereiche gewirkt hat", sagte Außenstellen-Leiter Rüdiger Sielaff. "Als junger Sportler konnte man in der DDR noch so gut sein, wenn man sich nicht unter die Fittiche des MfS (Ministerium für Staatssicherheit, Anm. d. Red.) begab, war klar, dass man aus der Sportförderung herausfiel." Sielaff betonte, wie wichtig es ist, immer wieder an all das zu erinnern und war erfreut über die Reaktion der Zuhörer, als jemand aus dem Publikum nach einem der Vorträge gegen das System der Aufarbeitung wetterte. "Es war schon toll, dass die Frankfurter diesen Versuch, rechtsstaatliche Aufarbeitung zu verhindern, nicht zugelassen und die Diskussion im Keim erstickt haben."

Intensiv diskutiert wurde dafür im Nachhinein mit dem Bundesbeauftragten Roland Jahn und der Landesbeauftragten Ulrike Poppe, die den Bürgern zunächst in Einzelgesprächen zur Verfügung standen und sich später in einer Podiumsdiskussion einem breiten Publikum vorstellten. "Für einige war es schon eine Würdigung ihrer Biografie, mit dem Bundesbeauftragten sprechen zu können", freute sich Rüdiger Sielaff. Für Roland Jahn, selbst Oppositioneller in der DDR, war das eine Selbstverständlichkeit. "Es ist wichtig, dass wir uns für die einsetzen, die nicht so auf die Füße gekommen sind wie wir, die heute in verantwortungsvollen Positionen sitzen", sagte er.

Dazu zähle vor allem, weitere Akten-Nachweise zu sammeln. Die finden sich hauptsächlich in Säcken mit von der Stasi vorvernichteten Dokumenten. "Indem wir die Schnipsel aus diesen Säcken zusammensetzen, können wir Leute rehabilitieren", sagte Jahn und brachte ein Beispiel: "Ein Sack kann zu 200 Euro mehr Rente führen, wenn wir darin den Nachweis finden, dass der Rausschmiss an der Uni aus politischen Gründen erfolgte." Allein in Frankfurt lagern 1500 dieser Säcke, bundesweit sind es 15 000.

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Vito 10.03.2012 - 11:25:23

Was ist denn nun mit Ihrer Antwort?

Herr Schalck: Was ist denn nun mit meinen KIndern? Hatte gedacht, Sie antworten mir als Experte? Da stehen lauter Namen und was von Ferien, ist doch hier nicht das, was mich betriftt, oder?

Studentin & Co 10.03.2012 - 11:19:51

Preisfrage: Wieviel Bundeländer und Universitäten gibt es in Deutschland?

Zusatzfrage: Und wann haben die Semesterferien? Wir haben herzlichst gelacht, über jenen Bürger namens "Schalk im Nacken".

der schalk im nacken 09.03.2012 - 21:27:59

Semesterferien und andere Events

Der Moritz sitzt auch in den Semesterferien (das Wintersemester endete laut der durch ihn selbst empfohlenen Semesterferienübersicht im Land Brandenburg/Frankfurt (Oder) an der Viadrina am 10.02.12 und das Sommersemester wird am 02.04.12 beginnen, den zeitlichen Zwischenraum nennt man Semesterferien) bei "Dr." Inge (was möchte denn diese ominöse Dozenten dort lehren) in der Uni und schreibt fleißig eine Klausur. Thema: "Wilhelm P. - Eine multiple Persönlichkeit kämpft mit seinen "Genossen" als I.S.O.R-Aktivist um Anerkennung, aber der Ex-DDR-'Pöbel' spielt leider nicht mehr mit" Mein Vorschlag: Die beste Arbeit (also die von Moritz) wird als Schmuckausgabe beim Eulenspiegel-Verlag verlegt und Wilhelm P. kann dann bei seiner nächsten Lesung diese in sein Programm einarbeiten. Als Zugabe legt der Verlag vielleicht noch das neue Buch von Margot Honecker "Zur Volksbildung" (da geht es auch um viele Erfahrungen) oben drauf und so schließt sich der Kreis wieder bei Inge in der Uni. Und die MOZ kann unter ihrer Rubrik "heute" mitteilen, ob Herr P. seine nächste Lesung beim I.S.O.R.-Kadernachwuchs-Treffen oder doch eher bei der nächsten SED-Diktaturopfer-Verhönungsparty der GRH halten wird. Vielleicht gibt es dann neben Herrn P. auch ein Wiedersehen mit Inge, Ermine, Renate, Gertrud, Irene, Frieda, M. Kobelkov, Moritz usw. usf....

Vito 08.03.2012 - 20:21:56

Bin besorgt um meine Kinder

Also das mit den Märchen, bestimmt ist da was im Busch gewesen. Aber ich habe auch Probleme. Meine beiden Jungs sind auf einer Sportschule, echte Kerle schon, so jung wie sie sind. Ich habe ihnen immer gesagt, sie sollen nichts von Fremden annehmen. Wenn hier aber steht, das Kinder keinen Willen haben und nicht merken was so passiert, was soll ich den jetzt machen?

Lena Kulovska 08.03.2012 - 19:46:39

Hat Schneewitchen gedopt?

Wie konnte dieses junge Mädelchen sonst so viele Zwerge vertragen. Das sollte untersucht werden, damit wir unseren Kindern und Kindeskindern historisch aufgearbeitete Märchen vorlesen können. Ich möchte diese alten Märchen nicht mehr, es macht mir Angst, wenn ich hier lese, was diese jungen Menschen alles so, wie sagt man das? Sie können mir auch in Russisch schreiben.

Billy 08.03.2012 - 18:52:04

Blaue Pillen

Mit zittrigen Händen hole ich die blauen Pillen aus der Verpackung und nehme sie hastig ein. Jetzt erkenne ich sie wieder, die Genossen, Kommandanten und Rot Front-Kämpfer. Free doping, schön euch hier zu treffen..

M. Kobelkov 08.03.2012 - 18:43:54

Danke Moritz

Und ich wundere mich beim amüsanten Lesen schon, warum es angeblich verschiedene Pesronen sind, wenn sie doch alle nur noch "reflexartig" sabbern. Viva Pseudonym und Synonym. Danke Moritz. Auch ich folge deinem Schlusssatz, diese Verdopungstheoristen brauchen einfach ihre Ruhe!

Moritz 08.03.2012 - 18:22:02

Semesterferien in Deutschland & STOPP den Vernunftbegabten

Wäre mir neu, dass ich jetzt Semesterferien habe. Zumal diese ganz einfach recherchierbar sind, und das bundesweit. Oh. oh ... ALLES VERGÄNGLICHE IST NUR EIN GLEICHNIS. DAS UNZULÄNGLICHE, HIER WIRD'S EREIGNIS. (Faust) Schlusssatz: Den Vernunftbegabten wird angeraten, dieses Forum ab hier nicht mehr weiter zu nutzen. Liebe Damen, lassen wir die Genossen in Ruhe.

Studierender 08.03.2012 - 17:31:12

@Inge

Na hoffentlich sitzen Sie in der morgigen Klausur nicht allein da, während der vorlesungsfreien Zeit/Semesterferien. :-D Naja, jeder darf halt sich so seine "Studenten" um sich scharen, ob nun real oder nicht, aber sich mit einem "Ph.D." unrechtmäßig zu schmücken halte ich a) für moralisch verwerflich denjenigen gegenüber, die sich diesen hart erarbeiteten und b) für strafrechtlich relevant.

Ermine Oschatz 08.03.2012 - 17:24:57

Klarstellung durch einfachen Vergleich 2

Im Kommentar von Renate vom 06.03.2012 17:59:18, unter dem Titel, "@DER SCHALK IM NACKEN - Sind Sie SELBSTLESER" steht, Zitat: "oder lassen Sie vorlesen?" Sie schreiben den Wortlaut um, in Ihrem Kommentar vom 08.03.2012 16:11:43, unter dem Titel: "@Renate - Wer im Glashaus sitzt...", Zitat: " Das letzte mal hatten Sie mir ja aufgrund zweier MOZ-Zitate unterstellen wollen, ich wäre unfähig, selbst zu lesen." Ergänzung für interessierte Leser: Deutschlandweit gibt es Menschen mit Lese- und Schreibschwächen unterschiedlichster Ursachen; Personen danach zu fragen, wenn der erste Anschein dies unzweifelhaft zulässt, kann dem Betroffenen das Gefühl vermitteln, verstanden zu werden. Aber nicht immer fällt die Antwort pragmatisch aus.

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