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Künstliches Domizil soll abgeschlagene Nester am Helios-Klinikum ersetzen / NABU bezweifelt das Gelingen

Schwalbenhäuser stehen noch leer

Wartet auf gefiederte Mieter: Das neue Schwalbenhaus auf dem Gelände des Bad Saarower Helios-Klinikums.
Wartet auf gefiederte Mieter: Das neue Schwalbenhaus auf dem Gelände des Bad Saarower Helios-Klinikums. © Foto: MOZ/Bettina Winkler
Manja Wilde, Sonja Jenning und / 09.03.2012, 20:11 Uhr
Bad Saarow/Fürstenwalde/Schöneiche (MOZ) Die Mehlschwalbe steht in der Vorwarnliste bedrohter Arten. Dennoch wurden jüngst 70 Nester am Klinikum Bad Saarow abgeschlagen. Ein Schwalbenhaus soll die verlorenen Brutstätten ersetzen. Der NABU-Kreisvorsitzende Heinz Müller bezweifelt, dass dies gelingen wird.

Vor seiner Feuertaufe steht in diesem Jahr ein neues Schwalbenhaus auf dem Gelände des Bad Saarower Helios-Klinikums, genauer zwischen Haus I und J. Das Schwalbenhaus und weitere künstliche Nester an leer stehenden Gebäuden sollen frühere Schwalbennester ersetzen, die auf dem Klinikumsgelände entfernt wurden. "Aus hygienischen Gründen hatten wir bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Oder-Spree den Antrag gestellt, Nester an den Fenstern von Patienten- und Behandlungszimmern zu entfernen", sagt Klinikumssprecherin Anja Paar. Im Dezember sei die Genehmigung eingetroffen. Dass sich die Vögel erneut an den Fenstern ansiedeln, soll nun durch Spikes verhindert werden.

Der Kreisvorsitzende des Naturschutzbundes (NABU), Heinz Müller, glaubt nicht, dass die Tiere das künstliche Haus annehmen werden. Er verweist auf ein ähnliches Domizil in Schöneiche, das seit Jahren leer steht. Woran das liegt? Oft werde der Standort falsch gewählt, sagt Müller. Die Schwalbe siedelte früher an Felsklippen, dann an Häusern. "Sie braucht Masse." Zudem riechen die Betonnester anders als die Lehmhäuser der Schwalben. Außerdem sei es der Trieb der Tiere, zu bauen. Und letztlich gebe es Hygieneprobleme, weil die Betonnester nicht abfallen. "Da wären dann ewig Schwalben-Wanzen drin."

Hier widerspricht der Fürstenwalder Tierarzt und Naturschützer Klaus Einhorn. Er betont, dass die künstlichen Nester abnehmbar seien und nach der Saison gereinigt werden können. Fast ein Jahr ist es her, dass auf sein Betreiben ein Schwalbenhaus mit ungefähr 50 Nestern auf dem Gelände des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Fürstenwalde errichtet wurde. Für Einhorn ist dies ein Beitrag zum Art-Erhalt angesichts der mutwilligen Zerstörung von Nestern, die er im Vorfeld beobachtet hat. Der Bedarf, Ersatznistplätze zu schaffen sei hoch. Er habe vorab Erkundigungen über derartige Schwalbenhäuser eingeholt und erfahren, dass das Domizil am Hotel A-Rosa Scharmützelsee in Bad Saarow von den Tieren gut angenommen werde. Dass dies auf dem Schleusengelände im Vorjahr noch nicht der Fall war, habe an den ungünstigen Witterungsverhältnissen gelegen, so Einhorn. "2011 war ein schlechtes Jahr für Schwalben", sagt er, "es war viel zu nass, die Tiere kamen sehr spät und flogen recht früh wieder fort." Zudem fanden die Elterntiere kaum Insekten, so dass die Brut vor Hunger aus den Nestern fiel. Daher will er die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Schwalben das Haus in diesem Jahr beziehen.

Auch Tobias Dürr von der staatlichen Vogelschutzwarte weiß, dass es "durchaus Nester gibt, die gut angenommen werden". Er räumt aber ein, dass es generell wenig Erfahrung damit gibt.

Heinz Müller plädiert dafür, "dass die Menschen die Natur der Schwalben akzeptieren." Ein Brett unter den Nestern würde reichen, um den Kot aufzufangen. Um Anreize für den Erhalt der Nester zu schaffen, hat der NABU die Aktion "Schwalbenfreundliches Haus" ins Leben gerufen. Mit einer Plakette sollen Leute ausgezeichnet werden, die die Tiere an ihren Häusern dulden. Wenn die Schwalben kommen, soll die Aktion starten.

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