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Das große Schweigen in der Stahlstadt

Janet Neiser / 10.03.2012, 06:31 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Eisenhüttenstadt will weniger Geld für die Wirtschaftsförderung ausgeben und den Zuschuss für das Investor Center Ostbrandenburg kürzen. Statt bislang maximal 300000 Euro jährlich sollen ab 2013 nur 200000 Euro fließen. Das ruft Kritiker auf den Plan, die der Bürgermeisterin mangelndes Interesse an der Wirtschaft vorwerfen.

Es gibt nicht wenige, die bei dem Verhältnis zwischen der lokalen Wirtschaft und dem Rathaus Eisenhüttenstadt von atmosphärischen Störungen sprechen. Nicht zuletzt die vergleichsweise geringe Teilnahme von Unternehmern aus der freien Wirtschaft beim Neujahrsempfang der Stadt ist wohl ein Beleg dafür. Aus Protest gegen Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Linke) würden einige nach der Wahlniederlage von Rainer Werner (SPD) nicht erscheinen, hört man immer wieder. Stattdessen wurde 2010 mit dem Unternehmerball eine Gegenveranstaltung ins Leben gerufen. Schon bei der ersten Ausgabe war die Bürgermeisterin nicht eingeladen. Auch der zweite Ball lief ohne sie. Beim dritten sieht es nach MOZ-Informationen nicht anders aus.

Äußern wollen sich die Wenigsten zu dem Verhältnis zwischen der Bürgermeiserin und der Wirtschaft in der Öffentlichkeit. Auch Dagmar Püschel lehnt ein Gespräch mit der MOZ über das derzeitige Stimmungsbild ab. Zu den Ausnahmen gehört Rüdiger Kriebel (64), ehemaliger Geschäftsführer der Ferrostaal Maintenance GmbH. Er nennt die Differenzen zwischen der Rathausspitze und der Wirtschaft vor Ort "dramatisch". "Dagmar Püschel ist die Bürgermeisterin, von ihr müssten eigentlich alle Aktivitäten ausgehen", sagt er. Sie müsse häufiger in die Unternehmen gehen, signalisieren, dass sie Interesse hat - so wie ihr Vorgänger.

Dagmar Püschel hat nach ihrer Amtsübernahme lediglich eine offizielle Unternehmens-Tour gemacht. Dabei hieß es in ihrem Wahlprogramm unter dem Punkt "Förderung der Wirtschaft": "Gestaltungsmöglichkeiten sehe ich in der Erarbeitung und Umsetzung eines Konzepts zur Mittelstandsförderung im ständigen Dialog mit den Adressaten ..."

Kurz nach ihrer Wahl ist eine Dialogplattform jedoch eingeschlafen. Von 2004 bis 2010 gab es einen Unternehmerstammtisch, in dem Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen und Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung saßen. Kriebel hat ihn initiiert. Doch als die neue Bürgermeisterin im Amt war, sei eine Gegenbewegung entstanden. Während einigen Firmenchefs nach eigenen Angaben schon die Partei, zu der die Rathauschefin gehört, nicht passt, sagt Kriebel: Mit der Partei habe das nicht unbedingt etwas zu tun. Dagmar Püschel müsse jedoch erkennen, dass sie es allein nicht schaffe. "Sie bräuchte in wirtschaftlichen Fragen mehr kompetente Unterstützung." Schon aufgrund ihres beruflichen Hintergrundes sei sie nicht in der Lage, allein mit der Wirtschaft umzugehen, glaubt er. "Gucken Sie sich Frankfurt an, da haben sie den Martin Wilke geholt, der versteht was davon."

Wilke selbst war lange Zeit Chef des Investor Centers Ostbrandenburg, einer Projektgemeinschaft zur Förderung der Wirtschaft in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder). Jetzt leitet Markus Kappes dort die Geschäfte. Über die geplante Mittelkürzung im Zuge des Defizitabbaus in Eisenhüttenstadt sei er informiert, sagt er. Aber da das alles noch nicht beschlossen sei, möchte er sich dazu noch nicht äußern. Ansonsten sei der Kontakt zum Rathaus Eisenhüttenstadt sehr gut, sagt Kappes. "Wir arbeiten sehr intensiv zusammen und binden Frau Püschel bei Investorenbesuchen sehr gern mit ein."

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Anne Gunkel 13.03.2012 - 11:52:38

Eisenhüttenstadt un Zukunft

Ich lebe nun seit über 5 Jahren nicht mehr in Eisenhüttenstadt. Begonnen hat alles mit einer Ausbildung in Cottbus,und auch in Eisenhüttenstadt hatte ich mich auf die gleiche Stelle beworben,aber leider ist nichts daraus geworden. Nebenbei bin ich dann meistens immer am Wochenende zu meinen Eltern gefahren. Dies habe ich in einem ständigen Wechsel betrieben. Aber wenn man von einer Kleinstadt in eine Großstadt geht fällt es einem sofort auf,irgendwas ist anders. Aber als Vergleich,auch Cottbus erlebte den massiven Wohnungslehrstand, sozial schwache Familien die sonst in Randgebieten lebten mussten in die Innenstadt einziehen,auch in Eisenhüttenstadt habe ich erlebt wie ich vor einer Wiese stand, wo eins Wohnkomplexe standen, in denen Ich als Kind die Geschichte hörte mit den Worten meines Opas. Verwandelt hat sich auch das Alter der Menschen, die alten beherrschen es voll eins,und die Jungen gehen. Der Wirtschaftsriese Arcelor Mittal, hält sich noch immer und das ist auch gut so und hat auch in schweren Zeiten dicht gehalten,hier finden einige aber nicht alle Arbeit,natürlich immer abhängig vom Numerus Clausus und der eigenen Kompetenz. Ansonsten so bitter es auch klingen mag,kann man gehen und um ehrlich zu sein ,bereue ich es nicht nach dem ich Cottbus im letzten Jahr verließ lebe ich nun in Dresden und merke auch hier dreht sich die Zeit wieder anders, hier habe ich endlich soviel Arbeit das es niemanden geben müsste der Arbeitslos ist und verdiene endlich mehr. Aber zu Eisenhüttenstadt möchte ich zum Abschluss eine Sache noch sagen,vor 3 Wochen war ich dort im Urlaub und es war Stressabbauend. Eisenhüttenstadt ist eine kleine ,ruhige Stadt mit einem dörflichem Charakter geworden. Wir werden uns wiedersehen!

Frank Sommer 12.03.2012 - 21:38:28

Der Tourist

Liebe Bürgermeisterin, seit nunmehr 39 Monaten besuche ich turnusmäßig Eisenhüttenstadt. Ich fühlte mich in den ersten Monaten richtig wohl in der Stahlstadt. Es begegneten mir freundliche Menschen, die mit einem lächelnden Gesicht die Straße entlang liefen. Auf Veranstaltungen wurde das eine oder andere Wort über den Ist-Zustand der Stadt bzw. über anstehende Projekte oder Vorhaben, Ideen der Menschen philosophiert. Es war Leben und Zufriedenheit in den Augen der Menschen zu erkennen. Feste wurde euphorisch gefeiert. Nun stelle ich seit geraumer Zeit fest, dass sich der Ist-Zustand zum negativen entwickelt. Es kommt , in der einst so pulsierenden glücklichen Stadt, zum "Stillstand". Eine neue Eiszeit bricht an. Jugendliche verlassen in Größenordnung die Stadt...sehen keine Perspektiven in ihrem Leben vor Ort. Es wird dem heranwachsenden Fachpersonal oder den möglichen Führungskräften eine demotivierende Zukunft vor Augen gehalten. Die Stadt zerfällt es müssen neue Ideen her oder alte Ideen der Patrioten zu neuem Leben erweckt werden. Sollte dies nicht schnellstens geschehen, wird es auf lange Sicht kein Eisenhüttenstadt mehr geben. Daher mein Apell an sie Frau Püschel: Lösen Sie den Strick um den Hals des resignierten Bürgers oder Beschäftigten in der Stadt und es wird wieder Freude in den Gesichtern der Eisenhüttenstädter zu sehen sein. F.S.

Ingo 12.03.2012 - 21:19:13

Links und Wirtschaft, zwei wie Feuer und Wasser

Das hat uns doch die Geschichte gelehrt! Wo sie den Staffelstab in den Händen hielten, hinterließen sie desaströse, wirtschaftlich ausgelutschte, bankrotte Staaten. Idealismus ist was für Träumer und Fantasten. Eine Bürgermeisterin, die sich den Fragen der Zeit nicht stellt und aller Wahrscheinlich nicht stellen kann, ist ein trauriges Aushängeschild für diese Stadt. Und so hat nicht nur der Mittelstand ein Problem mit ihr, sondern eine stetig wachsende Gemeinde unzufriedener Eisenhüttenstädter. Vielleicht war sie ja als Lehrerin ein Hauptgewinn, dass möchte ich ihr nicht absprechen, aber als Bürgermeisterin ist sie eine Niete. "Schuster bleib bei Deinen Leisten." Da ist was wahres dran, wenn man kein Potential oder keine Reserven hat. Potential hat sie in ihrer Legislaturperiode jedenfalls noch nicht erkennen lassen und allem Anschein nach sollte man damit auch nicht mehr rechnen. Frau Püschel beweisen Sie einmal Größe und geben Sie den Staffelstab ab. abgeben.

hütti 12.03.2012 - 17:02:20

Kindergarten in Hüttentown

Hmm, vielleicht ist sie auch nur vergnatzt wegen der fehlenden Einladung zum Unternehmerball und rächt sich nun mit der Kürzung der Wirtschaftsförderung als Retourkutsche. Ne ehrlich, das ist echt Kindergartenniveau und zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen kontraproduktiv. Mit inkompetenten Linken ist nun mal kein Blumentopf zu gewinnen.

Peter 12.03.2012 - 16:04:26

Kündigung!!

Ein Bürgermeister der zum Thema Wirtschaft nicht´s sagen will - oder kann?!- ist wie ein Lehrer der den Kindern nicht´s sagen will – oder kann!- Anmerkung: In der freien Wirtschaft wäre dies ein Grund zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses! Ein Kündigungsgrund für eine fristlose Kündigung!!!!

Gubener 12.03.2012 - 06:42:47

Wie macht man es richtig ?

Wenn man Abstand hält zur Wirtschaft, wird man von dieser nicht unterstützt . Wenn man zu engen Kontakt hält und die einheimischen Firmen unterstützt, ist dies Lobby und man bekommt den Staatsanwalt an die Fersen .

funnyM 11.03.2012 - 22:15:25

Vertrauensfrage

Man muss sich wirklich schämen, wenn man diese Beiträge liest. Und die Kommentatoren haben so recht. Das ist eigentlich schon an sich schon eine zentrale und autorisierte Rücktrittsforderung , die die Bürgermeisterin nun endlich wahrnehmen sollte. Wenn ich Sie wäre, würde ich mich jeden Tag in Grund und Boden schämen, mit gesenktem Kopf durchs Rathaus gehen und hätte schon lange meine politische Verantwortung mit einem Rücktritt wahrgenommen. Was soll eine Stadt mit einer derartigen Unfähigkeit ohne jeden Rückhalt. Die weitere Verschleppung dieser wichtigen Entscheidung bedeutet doch nur mehr Elend für die Stadt. Auf keinem Gebiet bewegt sich irgendetwas. Mann bestaunt und verkauft alte Konzepte als neue Ideen in Ermangelung eigener Fähigkeiten. Man benötigt eine Heerschar von Beratern und eine Menge Geld um wenigsten ein bisschen Anschein an angeblichem Fortkommen zu wahren. Unnütze Geldausgabe und Zeitverschwendung. Es geht doch wirklich nicht um liebes Lächeln in die Kamera und einen angeblichen Bürgerhaushalt, bei dem der Bürger nur benutzt werden soll, um unbeliebte Entscheidungen selbst vorzuschlagen, da die Stadtspitze so ohnmächtig ist. Wo hat man eine derartig schlechte Politik erlebt, da gibt es kein annähernd schlechtes Beispiel. Und Herr Kriebel drückt sich noch sehr vornehm aus, hinter den Kulissen reden die Wirtschaft, die Opposition und auch die Rathausmitarbeiter, sogar die aus dem engsten Kreis , schon lange Tacheles und Klartext. Und da werden ganz andere Worte gebraucht. Wenn Sie doch so toll ist und von sich so überzeugt, dann sollte Sie umgehend und sofort die Vertrauensfrage stellen, dann wissen wenigstens alle und auch sie selbst woran sie sind. Denn so geht es nun wirklich nicht weiter. Und vom großen Bruder Frankfurt alles nur kupfern, ist doch auch blamabel. In der Schule bekommt man für das Abschreiben gleich die Konsequenzen. Herrn Wilke ist es unangenehm und ganz Frankfurt lacht über eine solche Bürgermeisterin. Und das Gelächter ist bis Potsdam zu hören, wie peinlich.

Otto 11.03.2012 - 21:52:07

@MOZ-Leser

MOZ-Leser = Dagmar Püschel?

Werner P. 11.03.2012 - 21:12:03

Beispielgebend

Weitere 6 Jahre werden übersteigertes Selbstbewusstsein und Ignoranz an oberster Stelle in Eisenhüttenstadt die Leitschnur sein! Es wird sich nicht viel ändern! Aber dieses wenige, garantiert nichts zum besseren! Doch es auch sein gutes! Denn das abschreckende Eisenhüttenstädter Beispiel wird für andere Städte (Wähler) recht hilfreich sein!

unternehmer 11.03.2012 - 20:48:52

Kontakt zu Unternehmen

Seit Frau Püschel im Amt ist, gehen vor jedem Stadtfest nicht mehr nur ein Bettelbrief für´s Sponsoring des Stadtfestes bei den hiesigen Unternehmen ein, sondern gleich mehrere. Und das ganze wird dann noch durch eine Reihe von Bettelanrufe der Mitarbeitern der Stadtverwaltung auf die Spitze getrieben. Dabei ist es vollkommen egal ob man sich derartige Briefe und Anrufe verbeten hat. Damit ist bewiesen, dass Frau Püschel die Unternehmen dieser Stadt nicht egal sind! Sie sucht sogar den Kontakt zu Unternehmern der Stadt, die mit Frau Püschel nicht zu tun haben wollen (sogar jährlich und das auch noch planbar Juni/Juli) Sie hat halt ihren sehr eigenen, unverwechselbaren Stil!

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