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Trebnitzer „Dorfhelden“ heben neue Veranstaltungsreihe aus der Taufe / Langjährige Kindergärtnerin Erika Krüger erzählt über ihr Wirken

Schloss-Geschichten im ersten Erzählcafé

Einst Schloss-Herren: Von 1956 bis 1992 war der Kindergarten im Schloss untergebracht, links Erika Krüger, die viele Trebnitzer Steppkes betreute.
Einst Schloss-Herren: Von 1956 bis 1992 war der Kindergarten im Schloss untergebracht, links Erika Krüger, die viele Trebnitzer Steppkes betreute. © Foto: privat
Doris Steinkraus / 12.03.2012, 17:59 Uhr - Aktualisiert 12.03.2012, 18:01
Trebnitz (MOZ) Alteingesessene und zugezogene Trebnitzer kamen zum ersten Erzählcafé. Dazu hatte eine der vier Arbeitsgruppen der „Dorfhelden“ ins Gemeindehaus eingeladen. Geschichten vom Schloss und des Kindergartens machten die Runde.

Im Vorraum steht ein Tisch mit leckerem selbst gebackenen Kuchen. Kaffeeduft strömt durch den Raum. Alle Plätze sind besetzt. Die „Dorfhelden“ haben mit ihrem ersten thematischen Erzählcafé offensichtlich den Nerv getroffen. Alteingesessene sind ebenso gekommen wie viele Neu-Trebnitzer. Und damit jeder weiß, wer wer ist, gibt es erst einmal eine kurze Vorstellungsrunde.

Dann geht es los mit den Geschichten um das Schloss und seinen Bewohnern. In der heutigen Form entstand das Haus erst durch Umbauarbeiten um 1900. An den Mittelbau wurden die beiden Seitenflügel angebaut. Aus dem einst schlichten Gutshaus entstand ein stattliches neobarockes Schloss.

Der Zweite Weltkrieg verschonte es. Damit wurde es erste Adresse für die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme. „Wir kamen im Juni 1945 hier mit 20 Personen an“, erzählt Erika Krüger. Damals war sie noch ein Kind, ahnte nicht, dass sie für Generationen der Inbegriff des örtlichen Kindergartens werden würde. Sie erzählt von den beiden Räumen in der ersten Etage, die ihre Familie zugewiesen bekam. Man freute sich, wenn man Stroh fand, um darauf zu schlafen. Ihr Vater siedelte dann im Ort, so blieb die Familie. Aus der Runde können noch so einige aus jener Zeit erzählen. Die 84-jährige Irma Barsch zum Beispiel. Einen Raum hatte die Familie im Schloss, dort, wo heute das Büro ist. Willkommen geheißen wurde man nicht im Ort. Die Trebnitzer hatten selbst nichts, sollten nun noch an die Flüchtlinge abgeben. Auch die Familie von Irma Barsch blieb im Ort, während die meisten Flüchtlinge im Laufe der Zeit in andere Gegenden zogen.

Rosemarie Heinrich wurde 1939 in Trebnitz geboren. Ihr Vater Willi Block erledigte viele Tischlerarbeiten, baute einfache Möbel für die Neuankömmlinge. 1997 ist die heute 72-Jährige zurück gekommen, lebt im Haus ihrer Eltern.

Die Zuhörer erfahren, dass das Schloss immer zentraler Ort für das Dorf war. Als die Flüchtlinge auszogen, bot es Räume für den Allgemeinmediziner und den Zahnarzt, die einmal die Woche kamen. Im Obergeschoss lebten bis zur Wende Familien. Carla Richter erzählt von ihrem kleinen Zimmer, das sie 1972 mit ihrem Mann bezog. Nebenan wohnten Lehrer- und Offiziersfamilien. „Es gab ein Gemeinschafts-Bad und Innentoilette, das war schon Luxus für uns“, lacht sie. Sie alle lebten mit viel Kinderlachen. Denn 1956 war der Kindergarten im Schloss eröffnet worden, zunächst nur zur Erntesaison, dann als ganzjährige Einrichtung. Erika Krüger begann als Wartekraft. Sie absolvierte eine Ausbildung „und ab 1964 durfte ich als richtige Kindergärtnerin arbeiten“, blickt sie zurück. Ursel Tründelberg kam 1965 in den Kindergarten.

Die beiden Frauen erzählen, wie sich die Bedingungen verbesserten. Im Schloss war auch die Schule untergebracht. Bis zu 300 Kinder lernten hier. Sie kamen nicht nur aus Trebnitz, sondern auch aus Jahnsfelde, Obersdorf und dem Rosenthaler Vorwerk. Als die Schule 1974 geschlossen wurde und die Kinder in Worin unterrichtet wurden, begannen für den Kindergarten paradiesische Zeiten. Es gab viel Platz.

Einige Räume im Schloss wurden auch für Ferienlager genutzt. Betrieb herrschte immer. Allerdings nagte der Zahn der Zeit am Bau. Viele Trebnitzer hofften mit der Wende auf Veränderungen. Unansehnliche Schutzdächer markierten die Eingänge, überall bröckelte Putz. 1992 zog der Kindergarten aus ins heutige Gemeindehaus, in dem sich damals die Krippe befand. „Es sollte nur vorübergehend sein“, erinnert sich Ursula Tründelberg. Doch 1995 kam das endgültige Aus. Es gab zu wenig Kinder im Ort.

Der Verein Schloss Trebnitz wurde neuer Hausherr, hat den Komplex aufwendig saniert. Das gefalle ihr alles sehr gut, versichert Erika Krüger. Hier gebe es nun wieder frohes Kinder- und Jugendlachen.

Darius Müller, Bildungsreferent im Schloss, lädt die Trebnitzer ein, das Haus wieder als Mittelpunkt zu sehen. Viele Projekte würden sich mit dem Ort befassen. Zu Präsentationen seien die Bürger ebenso willkommen wie zu den Schlossgesprächen, zu Festen und Begegnungen, wie an diesem Nachmittag, dem weitere folgen sollen.

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