Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Uckermark unter Hochspannung

Umstritten: Freilandleitungen auf 70 Meter hohen Masten werden nach bisherigen Planungen künftig die Schorfheide durchschneiden.
Umstritten: Freilandleitungen auf 70 Meter hohen Masten werden nach bisherigen Planungen künftig die Schorfheide durchschneiden. © Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb
Andreas Wendt / 13.03.2012, 11:34 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der geplante Bau einer 115 Kilometer langen Starkstromleitung von der Uckermark bis an den Berliner Rand stößt auf Widerstand in der Bevölkerung. Nun hat Netzbetreiber 50Hertz sich auch noch gegen eine für Eberswalde geforderte Erdverkabelung entschieden.

Aus dem Blickwinkel von Frank Golletz, technischer Geschäftsführer des Netzbetreibers 50Hertz, gibt es gar keine Zweifel an der Notwendigkeit der sogenannten Uckermarkleitung: "Wir laufen mit dem Netzausbau dem Ausbau der regenerativen Energien hinterher", sagt Golletz. "Das ist genauso", sagt er, "als würden Sie ein Gewerbegebiet aus dem Boden stemmen, aber sich erst hinterher um die nötige Infrastruktur kümmern, so dass niemand dort hinkommt."

Die Uckermarkleitung mit einer Spannung von 380 Kilovolt (kV) soll von Bertikow bei Prenzlau bis nach Neuenhagen (Märkisch-Oderland) führen und eine mehr als 50 Jahre alte 220-kV-Leitung zwischen Schwedt und Berlin ersetzen, die längst an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Da die erneuerbaren Energien Vorrang haben, werden bei voller Auslastung zunächst Kraftwerksleistungen heruntergefahren. Reicht das nicht, werden die Windräder gestoppt.

Die im vergangenen Jahr vorgestellte Netzstudie Brandenburg beziffert den Bedarf an neuen Trassen im Übertragungsnetz auf 600 Kilometer und im 110-kV-Verteilernetz auf 1500 Kilometer - bis zum Jahr 2020. Die Kosten dafür belaufen sich nach ersten Schätzungen auf zwei Milliarden Euro. Die 130 Millionen Euro teure Uckermarkleitung ist erst der Anfang des notwendigen Netzausbaus. Die vorhandenen Leitungen stammen noch aus DDR-Zeiten. Das Problem, sagt Frank Golletz, ist der Transport. Energie aus Windkraft und Biomasse wird im Norden eingespeist und muss zu den Industriezentren im Süden Deutschlands gelangen. Was mit Eingriffen in die Landschaft verbunden ist.

Bei der Uckermarkleitung stoßen sich die Gegner vor allem an der Trassenführung durch das Biosphärenreservat Schorfheide und befürchten Nachteile für Landschafts- und Vogelschutz, Gesundheit und die wirtschaftliche Entwicklung. Heute wird die Uckermarkleitung unter Beteiligung aller Akteure in einer öffentlichen Veranstaltung in Angermünde thematisiert. Hartmut Lindner, Sprecher der Bürgerinitiative "Biosphäre unter Strom", betont, dass sich die Kritik an der Freileitung nicht gegen den seit Fukushima und der folgenden Energiewende geforderten Netzausbau wendet, besteht aber darauf, "dass der Netzausbau die Belange des Umwelt- und Naturschutzes respektiert. "Nicht über unsere Köpfe - keine Freileitung durch Schutz- und Wohngebiete" haben die Trassengegner als Losung herausgegeben.

Ihrer Forderung nach Erdverkabelung aber kommt Netzbetreiber 50Hertz vermutlich nicht nach. In Eberswalde (Barnim) hält das Unternehmen trotz permanenten Rufen nach einer unterirdischen Trassenführung an der Freileitung fest. "Die Eingriffe in die Eigentumsrechte in Eberswalde wären so massiv gewesen, dass eine solche Planung im Vergleich zur Freileitungsvariante nicht genehmigungsfähig gewesen wäre", begründet der Netzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH. Auch, weil eine 380-kV-Erdverkabelung derzeit noch nicht ausreichend technisch erprobt ist. Hinzu kommen die Kosten: Die Freileitung über Eberswalde würde das Unternehmen mit zwei Millionen Euro, zwei Kilometer Erdkabel hingegen mit 20 Millionen Euro belasten. Geld, das auf den Verbraucher umgelegt würde. "Die Leitung bezahlen wir alle zu Hause mit unserer Kilowattstunde mit", sagt Frank Golletz.

Für Eberswalde schlägt Golletz einen Kompromiss vor und hofft aus Zustimmung der Betroffenen: Im südlichen Teil der Stadt sollen die Höhe der im Normalfall 70 Meter hohen Masten um bis zu zwölf Meter reduziert, die geplante Waldüberspannung im Norden der Stadt gänzlich gestrichen und die Interessen der Gewerbetreibenden stärker berücksichtigt werden. Liegen alle Genehmigungen vor, rechnet Golletz mit einer Bauzeit von anderthalb Jahren.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Günther 17.03.2012 - 17:38:57

Die fachliche Bildung ist bei den meisten Protestlern recht suboptimal

Viele Gegner reden einfach nur das nach, was in dubiosen Quellen des Internets zu finden ist. Aber die Kirchhoffschen Gesetze sowie die Maxwellsche Theorie hat von denen keiner nur im Ansatz verstanden.

Paul der Katholik 14.03.2012 - 14:00:25

@GÜNTHER - Weswegen bieten Sie nur einem Menschen und auschließlich Bücher an?

Zumal niemand danach gefragt hat und jeder gottgewollt entscheiden kann, wann und woher er sich Informationen besorgt? Was haben Sie im Sinn und was treibt Sie, wenn Sie Menschen derart belehren?

Günther 14.03.2012 - 10:47:53

@Gerlinde

Ich empfehle Ihnen erst einmal folgende Fachliteratur: ISBN-13: 978-3642166099 ISBN-13: 978-3540234364 ISBN-13: 978-3895780578 ISBN-13: 978-3540769125

D. Wolf 14.03.2012 - 07:11:37

D. Wolf

Vorschlag: alle , die gegen alles sind haben nur das das recht dagenegen zu sein, wenn ein konzept mit einer anderen lösung vorliegt, das aber auf kosten des gegeners. Darüber kann man reden, und die kosten müssen in vergleichbarer höhe sein und nicht das mehrfache kosten. Frage der Effizienz und sparsamen Haushaltsführung. Denn wir alle müssen das bezahlen.

Paul der Katholik 13.03.2012 - 20:07:49

Keine Masturbation und kein Sex vor der Ehe,

wäre das was?

olafchen 13.03.2012 - 19:34:44

Erdkabel!

Ich will auch gegen irgendetwas sein. Kann ich nicht auch irgendwo mitmachen?

olafchen 13.03.2012 - 19:34:40

Erdkabel!

Ich will auch gegen irgendetwas sein. Kann ich nicht auch irgendwo mitmachen?

Gerlinde T. 13.03.2012 - 18:23:53

Erdkabelverlegung - weiterführende, aktuelle Sachinformationen

Für Leser, die Sachinformationen schätzen: http://www.mwe.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.242073.de http://www.tracto-technik.de/index.cfm?menuID=137&cmd=blog&blogGroupID=1&showComment&blogID=38 http://www.nodig.de/doks/pdf/Stellungnahme-Gruene-ProErdkabel-SH-2006.pdf

Leser 13.03.2012 - 12:10:57

Freileitung vs. Erdkabel???

Es ist schon erstaunlich, dass riesige Windräder, die sich naturgemäß ja drehen und nachweislich regelmäßig Opfer aus der Vogelwelt fordern, zu Geräuschbelastung, Verschattung und ähnlichen auch für die Menschan nicht gerade glücklichen Auswirkungen führen, dass diese Windräder also ach sooo toll und umweltfreundlich sind, eine Hochspannungsleitung - die sich bekanntlich nicht dreht und kaum Geräusche macht - ist aber ganz was Böses. Und typisch ist auch der Gedanke: bloß schnell verbuddeln, dann sieht keiner die Leitungen. So ein Quatsch. Ich hoffe, dass einige geduldige Vertreter der Energieversorger in der Lage sein werden, den aufgebrachten Bürgern zu erklären, dass die Auswirkungen von Hochspannungserdkabeln auch nicht ganz ohne sind. Und damit meine ich nicht die Kosten, sondern den massiven Eingriff in das Ökosystem Boden. Im Bereich von Hochspannungserdkabeln werden nicht nur schon beim Einbau die gewachsenen Bodenschichten völlig durcheinander gebracht, durch die Wärmeabstrahlung der Kabel trocknet der umliegende Boden dauerhaft aus. Nur so ein Beispiel. Bitte immer ALLE Konsequenzen beachtenm, nicht nur die, die gerade in den eigenen Kram passen.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG