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Brunnenbau Pestke aus Bad Freienwalde bereitet große Bohrung in Storkow vor / Erdwärmepumpen Alltagsgeschäft

Die Männer für die Monsterlöcher

Für das 1200-Millimeter-Bohrloch. Meister Philipp Holtorp (r.) misst für Firmen-Geschäftsführer Ralph Pestke die Flügel des Aufweitungsmeißels nach. 470 Millimeter sind sie breit.
Für das 1200-Millimeter-Bohrloch. Meister Philipp Holtorp (r.) misst für Firmen-Geschäftsführer Ralph Pestke die Flügel des Aufweitungsmeißels nach. 470 Millimeter sind sie breit. © Foto: Sören Tetzlaff
Jens Sell / 14.03.2012, 08:00 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Auf dem Firmengelände der Storkower Firma Bohrlochmessung bringen die Bad Freienwalder Brunnenbauer der Firma Pestke noch diesen Monat eine 1200-Millimeter-Bohrung nieder. Es wird vermutlich ihr dickstes Loch des Jahres.

Nur ein 19-Tonnen-Bohrgerät steht noch auf dem Firmengelände von Pestke-Brunnenbau in Bad Freienwalde. Alle anderen sechs Riesenbohrer sind auf verschiedenen Baustellen im Einsatz oder stehen dort "Bohrer bei Fuß". So soll die Freienwalder Firma im zweiten Bauabschnitt einer Neubau-Villensiedlung in Berlin allein 53 Bohrungen für Erdwärmepumpen niederbringen. Täglich erwartet Firmeninhaber Ralph Pestke die Baufreigabe. Er koordiniert den Einsatz auf allen Baustellen, grübelt gleichzeitig über die größte geplante Investition für dieses Jahr und schaut auch in der Werkstatt vorbei, wo Meister Philipp Holtorp und Schlosser Michael Kaul gerade die Werkzeuge für das dickste Loch des Jahres bauen.

Das soll einen Durchmesser von 1200 Millimeter haben. Die Storkower Firma Bohrlochmessung hat bei Ralph Pestke vier unterschiedlich starke Bohrungen bestellt, um in ihnen ihre Messgeräte unter neutralen Bedingungen kalibrieren zu können. Deshalb dürfen die Bohrungen auch nur im oberen Teil mit einem stählernen Standrohr stabilisiert werden, dann führt ein Kunststoffrohr in die Tiefe. Allein um das zu besorgen, wurde Ralph Pestke erst in den Niederlanden fündig.

Die Storkower Firma mit dem schlichten Namen ist ein in der Branche führender geophysikalischer Betrieb. 2007 mit dem Zukunftspreis Ostbrandenburg ausgezeichnet, gewann er im vergangenen Jahr den Großen Preis des Mittelstandes. "Sie haben selbstverständlich besonders hohe Anforderungen an die Bohrungen, um ihre präzisen Messgeräte objektiv einstellen zu können, das ist für uns eine große Herausforderung", sagt Ralph Pestke. In der Werkstatt auf dem Firmengelände schaut er sich deshalb mit Philipp Holtorp den Bohrer an. Der Bohrmeißel wird noch bearbeitet. An das 150 Millimeter dicke Rohr, auf das er geschraubt wird, sind bereits die vier gezackten, 47 Zentimeter langen, Flügel des Aufweitungsmeißels geschweißt. Aus ihnen hat Werkstattschlosser Michael Kaul Trapeze mit abgerundeten Ecken herausgebrannt, damit das Erdreich nach oben befördert werden kann. "Unsere Werkzeuge bauen wir in der Regel selbst", erläutert Ralph Pestke. Doch die Maschinen, an denen sie montiert werden, müssen freilich angeschafft werden. Derzeit vergleicht Ralph Pestke Angebote von Fahrzeug- und Maschinenbauern für ein neues Bohrgerät auf einem 27-Tonnen-Trägerfahrzeug, sein erstes auf einem schweren Dreiachs-Lkw.

Auch ihren Nachwuchs bildet die Firma, die in diesem Monat wieder mit 24 Mitarbeitern im Geschäft ist, selbst aus. Aktuell sind im zweiten und dritten Lehrjahr zwei Brunnenbauer-Azubis eingestellt. Die Theorie bekommen sie im fernen Bad Zwischenahn. "Das ist zwar recht weit weg, aber die fachliche Ausbildung ist unübertroffen. Ich kann sie danach sofort auf den Baustellen einsetzen", sagt der Geschäftsführer.

Und die Auftragsbücher sind voll beim Brunnenbau. Zwar hat es im vergangenen Jahr nicht einen Brunnen für eine Beregnungsanlage im Oderbruch zu bohren gegeben - angesichts der feuchten Witterungsverhältnisse und des anhaltenden Binnenhochwassers nicht überraschend -, aber andere Auftraggeber wissen die kontinuierliche Qualitätsarbeit aus Bad Freienwalde zu schätzen. So zum Beispiel die einzige Mineralwasserquelle des Landes in Bad Liebenwerda, wo die Pestke-Leute immer wieder einmal einen oder mehrere "zugeockerte" Brunnen von Eisen- und Mangan-Schlämmen in den Filtern zu reinigen haben. Aktuell lässt sich die Berliner Stadtreinigung auf ihrer Deponie Schwanebeck einen Löschwasserbrunnen bohren. Dazu muss zunächst eine Erkundungsbohrung auf 150 Meter niedergebracht werden, um eine wasserführende Schicht zu finden. Bodenproben werden analysiert, um festzulegen, ob der Standort geeignet ist und wie viele Filter welcher Art notwendig sind.

Im vergangenen Jahr bauten die Kurstädter ihren größten Brunnen für das Wasserwerk Bad Saarow. Nach einer 150 Meter tiefen Erkundungsbohrung bauten sie den Brunnen mit einem Bohrmaß von 600 Millimeter und einem Innenmaß von 300 Millimeter 136 Meter tief. Der ringförmige Zwischenraum muss übrigens immer exakt gleich sein, damit der umliegend eingefüllte Filterkies gleichbleibende Wasserreinheit garantiert. Ein 150 Meter tief errichteter Vorfeldpegel meldet aufsteigendes Salzwasser rechtzeitig an die Schaltzentrale des dortigen Wasserverbandes.

Bei der diesjährigen Rekordbohrung in der Storkower Geophysik-Firma soll der Innendurchmesser 800 Millimeter betragen. "Da muss schon alles stimmen", sagt Ralph Pestke.

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