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Biomethan aus Stroh - Verbio nimmt neue Anlage in Betrieb

Der Biokraftstoffhersteller Verbio nimmt in Zörbig eine neue Produktionsanlage in Betrieb. Künftig wird hier Getreidestroh zu Biomethan verarbeitet.
Der Biokraftstoffhersteller Verbio nimmt in Zörbig eine neue Produktionsanlage in Betrieb. Künftig wird hier Getreidestroh zu Biomethan verarbeitet. © Foto: dpa
16.03.2012, 07:31 Uhr
Leipzig/Zörbig (DPA) Der Biokraftstoffhersteller Verbio nimmt am heutigen Freitag in Zörbig eine neue Produktionsanlage in Betrieb. Hier soll künftig Getreidestroh zu Biomethan verarbeitet werden. 2,5 Millionen Euro wurden seien in die neue Anlage investiert worden, sagte Konzernchef Claus Sauter.

Künftig sollen hier 20 000 Tonnen Getreidestroh pro Jahr zu Biomethan in Erdgasqualität verarbeitet werden. Das geschieht mit Hilfe von Bakterien, die das vorbehandelte Stroh zu Gas umwandeln. Die genaue, teils patentierte Technologie werde nicht verraten, sagte Sauter. "Das ist ein Betriebsgeheimnis." Mit der Strohverarbeitung betritt Verbio Neuland. Nach Angaben des Biomasseforschungszentrums Leipzig dürfte es weltweit noch keine großindustrielle Anlage geben, die ausschließlich auf der Basis von Stroh Biomethan gewinnt.

Verbio hat Werke in Zörbig und Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) sowie in Schwedt (Brandenburg). In Zörbig wird ebenso wie in Schwedt Bioethanol aus minderwertigem Getreide produziert, das für die Nahrungsmittelindustrie ungeeignet ist. Biomethan wird in den bestehenden Anlagen bereits seit 2010 aus den organischen Reststoffen der Bioethanolproduktion produziert. Verbio produziert auch Biodiesel aus Raps und Fettsäuren. Das Bioethanol wird dem bei vielen Autofahrern immer noch ungeliebten E10-Sprit beigemischt.

Jetzt kommt durch die neue Anlage in Zörbig noch Stroh als "Energieträger" hinzu. Sie werde zunächst als Pilotanlage gefahren. "Wir wollen zeigen, dass es funktioniert", sagte Sauter. Das so entstehende Biomethan wird ins Erdgasnetz eingespeist. Beide Stoffe seien chemisch identisch. Somit könne der neue Biokraftstoff der 2. Generation problemlos von allen Erdgasfahrzeugen getankt werden. Längerfristig sei geplant, Anlagen in Deutschland und Osteuropa zur Verarbeitung von Getreidestroh zu bauen.

"Der wesentliche Aspekt ist, wir nutzen Rohstoffe, die sonst ungenutzt auf dem Feldern verrotten würden", sagte der Konzernchef. Insgesamt solle sich die Biomethanproduktion auf 360 Gigawattstunden verdoppeln. Bundesweit beliefere das Unternehmen rund 50 Tankstellen, unter anderem in München, Augsburg und Leipzig.

Die börsennotierte Vereinigte BioEnergie AG hat rund 790 Mitarbeiter. Der Konzern ist laut Sauter der einzige großindustrielle Hersteller in Deutschland, der alle drei Biokraftstoffe im Portfolio hat. Verbio wird in der kommenden Woche die Jahresbilanz 2011 vorstellen. Die breite Ablehnung von E10 an den deutschen Tankstellen hatte dem Unternehmen die ersten zwei Quartale verdorben. Dann ging es allerdings wieder aufwärts.

Die Kapazität der Bioethanolanlagen war zu rund 90 Prozent ausgelastet. Sauter erwartet für 2011 "eine schwarze Null". 2012 sei gut gestartet. "Mit Kapazitätsauslastung und Preisen sind wir zufrieden, unsere Auftragsbücher sind gefüllt, das passt", sagte Sauter.

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Adelheid Becker 16.03.2012 - 20:02:27

Stroh ist ein wertvoller Dünger!

Die Aussage von Herrn Sauter"...wir nutzen Rohstoffe, die sonst ungenutzt auf den Feldern verrotten würden" beweist leider eine profunde Unkenntnis biologischer und ökonomischer Zusammenhänge in der Landwirtschaft. Der Ernterest Stroh dient vielen Organismen im Boden als Nahrungsquelle, zum Beispiel Regenwürmern, die im Zusammenspiel mit Pilzen und anderen pflanzlichen und tierischen Lebewesen Stroh in Humus verwandeln. Humus ist unabdingbar zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der nachhaltigen Ertragsstabilität unserer Böden. Dort wo Stroh von den Feldern abgefahren und in der Tierhaltung verwendet wird, wird es zusammen mit den Ausscheidungen der Tiere als wertvoller Dünger wieder dem Boden zugeführt. Jeder Landwirt muss für seinen Betrieb eine jährliche Humusbilanz erstellen, eine übermässige Strohabfuhr wird durch die EU-Agrarforderpolitik sanktioniert! Die Abfuhr von Stroh aus dem landwirtschaftlichen Kreislauf zu Herstellung von Biomethan entzieht den Böden zudem einen Rohstoff, der wesentliche Nährstoffe, wie Phosphor oder Kalium enthält. Diese müssen dann von den Betrieben wieder teuer als Handelsdünger zugekauft werden. Die Suche nach alternativen Energiequellen ist grundsätzlich zu begrüßen. Vermeintlich "unnützes " Stroh gehört jedoch ganz bestimmt nicht dazu!

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