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Vergessener Knotenpunkt

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Maria Neuendorff / 22.03.2012, 20:39 Uhr
Berlin (MOZ) Gefährlich schmale Bahnsteige, keine Notrufsäulen, fehlendes Wegeleitsystem - der S- und Regionalbahnhof Hohenschönhausen wurde über die Jahre arg vernachlässigt. Das hat inzwischen auch die Politik erkannt und fordert Nachbesserungen.

Wenn Karin Seidel-Kalmutzki Kinder am Bahnhof Hohenschönhausen aus den Fahrstühlen steigen sieht, wird ihr regelmäßig Angst und Bange. Denn zwischen Aufzug und Bahnsteigkante liegen gerade einmal anderthalb Meter. "Kinder tollen gerne herum, bewegen sich unachtsam. Dazu rauschen ohne Vorwarnung Schnellzüge durch den Bahnhof", malt sich die Lichtenberger SPD-Abgeordnete dann das Schlimmste aus. Und es ist nicht das Einzige, was sie und die Bürgerinitiative "Berliner Luft" auszusetzen haben. "Es gibt weder Notrufsäulen noch Personal, das irgendwie für den Bahnhof zuständig ist."

So bleiben auch die Radfahrer unbehelligt, welche die alten Schrägen aus DDR-Zeiten wie auf einer Rennpiste hinunterpesen. Sie gefährden damit Rentner mit Gehhilfen und Eltern mit Kinderwagen, die ebenfalls auf die barrierefreien Betonwege angewiesen sind. In der Böschung neben den Gleisen stapelt sich der Müll. Obwohl alle paar Minuten S-Bahnen und stündlich vier Regionalzüge halten, wirkt die Station verwahrlost. "Dabei ist sie mit ihrem Straßenbahn- und Busanschluss durchaus ein viel frequentierter Knotenpunkt", sagt Seidel-Kalmutzki. Viele Leute aus Wartenberg oder dem Berliner Umland steigen dort aus dem Zug, um in das nahe Linden-Center-Berlin am Prerower Platz zu gelangen.

Auch der neue Vorsitzende der SPD-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses, Raed Saleh, hat vor Kurzem den Zustand des Problembahnhofs in Augenschein genommen. Neben den Sicherheitsmängeln zeigte ihm seine Kollegin aus dem Abgeordnetenhaus auch das fehlende Wegeleitsystem insbesondere zu Bus und Straßenbahn. Saleh versprach, den Bahnhof Hohenschönhausen beim nächsten Gespräch mit Peter Buchner, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Berliner S-Bahn, anzusprechen.

Dem Geschäftführer ist das Problem bereits bekannt. "Die Maßnahmen zur Sicherheit am Bahnsteig entsprechen den gültigen Richtlinien der Bahn", erklärte Sprecher Gisbert Gahler. Eine zusätzliche Beschilderung und Umlaufsperren am Bahnsteigzugang Gleis 4 sowie an den Aufzügen der Regionalbahnsteige seien aber in Planung. Für das Wegeleitsystem gebe es im April einen Ortstermin zwischen der DB Station&Service AG und dem Schilderwerk, bei dem auch die Bürgerinitiative teilnehmen wird, so Gahler.

Und es ist auch schon etwas passiert am vergessenen Verkehrsknotenpunkt. Seit ein paar Monaten gibt es auf den Bahnsteigen blaue elektronische Zuganzeigen. Karin Seidel-Kalmutzki ist das noch nicht genug. Für die 51-Jährige wäre es schon ein Gewinn, wenn jemand den abgewetzten weißen Sicherheitsstreifen nachbessern und ein paar Absperrgitter aufstellen würde. "Man kann an diesem Bahnhof auch schon mit wenig Mitteln viel bewirken."

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Pendler aus dem Umland 24.03.2012 - 08:06:52

Angst

Ich fahre lieber bis Lichtenberg weiter und nehme einen längeren Weg in Kauf, da mir der Bahnhof, vorallem abends, einfach zu unheimlich ist. Keine Ansage, dass ein Zug durchfährt (und sie donnern ungebremst durch den Bahnhof). Der Bahnhof ist für Reisende eine Zumutung und äußerst gefährlich. Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist (ähnlich wie in Wünsdorf). Die Bahn sollte schnell Handeln.

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